SAN

three hulls, two people, one trip around the world…

Und täglich grüßt das Murmeltier

Eigentlich sind wir ja auf diese Reise gestartet, um dem Rentnerdasein noch ein paar Jahre zu entkommen. Aber nun fühlt es sich doch wie Rentnerdasein an. Man bewegt sich nicht weit weg von seinem Zuhause und beschäftigt sich mit Dingen, die man schon lange vor sich hergeschoben hat. Die Tage fühlen sich oft so an wie in dem Film “Und täglich grüßt das Murmeltier”. Immer gleich, 32 Grad, zu warm um tagsüber sehr aktiv zu sein und ohne festen Tagesablauf. Für unser echtes Rentnerdasein müssen wir uns ein Land aussuchen, in dem es kühler ist, oder vielleicht das Klima auch nur abwechslungsreicher. Sicher wollten wir uns Zeit lassen und nicht ständig nur segeln, aber ein wenig mehr action als zur Zeit möglich ist, wäre dann doch ganz schön. Ihr seht, auch hier kann man einen Lagerkoller bekommen.

Es fahren noch Schiffe durch den Kanal

Der wöchentliche Einkaufsausflug, den ich jetzt schon mehrmals unternommen habe, wird auch schon fast zur Routine. Nur mit den Drehkreuzen beim Ein- und Aussteigen in den Bus stehe ich noch immer auf Kriegsfuß. Ich habe schon den Einkaufsroller zuhause gelassen und bin nur noch mit Rucksack und zwei Taschen unterwegs. Ich frage mich, wie Leute mit einer Kinderkarre in den Bus kommen sollen. Vielleicht fahren die einfach nicht Bus. Aber sonst bin ich recht begeistert von den Busverbindungen, eine Fahrt kostet nur 25 Cent, egal wie lang sie ist. Das sollte man beim HVV mal einführen.  

Inzwischen kenne ich die Busroute gut und kann in aller Ruhe die Gegend und die Gebäude betrachten, an denen man vorbeifährt. 

Vorbereitung auf den Landgang

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Es gab noch eine Gelegenheit für Europäer, das Land zu verlassen. Eine Maschine mit heimkehrenden Panamesen aus Europa durfte hier landen. In dieser Maschine durften auf dem Rückflug Europäer aus Panama mitfliegen. Für uns ist allerdings die Option, das Schiff hier alleine zu lassen, nicht attraktiv. Wir warten also weiter ab.

Dies ist eins der unbewohnten Nachbarboote. Der Tiger kann die Möwen nicht verjagen…..

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Und so gibt es auch nicht viel Neues zu berichten. Mathias hat inzwischen diverse Digests für seine Ankerkettenlänge produziert und unter „Fun Facts“ veröffentlicht. Ich habe es endlich geschafft, einen Sauerteig anzusetzen und backe ab und an ein deutsches Roggenbrot, solange das Roggenmehl noch reicht. In unsere Vorräte frisst sich schleichend ein Loch hinein. Das letzte Mal, dass ich Roggenmehl kaufen konnte, war noch auf Guadeloupe. Irgendwann wird es also wichtig werden, einen größeren Supermarkt mit mehr Auswahl erreichen zu können. Bisher ist eine Lockerung des Lock downs in Panama nicht in Sicht. Es sollen zwar die Baumärkte wieder aufmachen dürfen, aber ohne Publikumsverkehr. Irgendwie soll man online bestellen und die Waren dann nach Hause gebracht bekommen. Eine Option, die für uns schwierig bis unmöglich ist. 

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In Panama ist die Trockenzeit vorbei, das bedeutet aber nur, dass es ab und an heftig regnet oder gewittert, nicht dass es ständig regnet. Die Temperatur wird durch die Regengüsse kaum beeinflusst. Man muss nur darauf achten, dass alle Luken zu sind, sonst gibt es schnell eine kleine Überschwemmung im Raum. Neben Corona wird in dieser Zeit auch der Kampf gegen die Aedes-Ägyptenmücke, die das Dengue-Fieber überträgt, geführt. Man darf keine Wasserpfützen irgendwo stehen lassen, damit die Mücke keine Brutplätze hat. Wir schöpfen also immer brav unser Dinghy aus. 

Ein gutes hat das Klima hier: Beim Masken tragen kann die Brille nicht beschlagen. Die Umgebungsluft hat die gleiche Luftfeuchtigkeit und Temperatur wie die ausgeatmete Luft. 😉

Letzten Montag fühlte ich mich stark und nahm doch wieder den Einkaufsroller mit auf die Bustour. Zwei Taschen und den Rucksack brachte ich erfolgreich durch das Drehkreuz und erreichte kurz vor dem ruckartigen Anfahren des Busses einen Sitzplatz. — Auch kleine Erfolge zählen.

Überhaupt werden kleine Geschichten zu Ereignissen in dieser gleichförmigen Zeit. Neulich machte mich Mathias morgens sehr besorgt auf einen tiefschwarzen Leberfleck an meinem Hals aufmerksam. Oh je, nicht etwa Hautkrebs? Wie soll man das denn jetzt abklären? Doch nach Hause fliegen? Paaaaaniiiiiik! Beim Blick in den Spiegel kam es mir komisch vor, dass ein Leberfleck von heut‘ auf morgen so schwarz und so groß werden kann und ich entschloss mich, die Stelle zunächst einmal zu waschen. Und siehe da: Es handelte sich lediglich um ein Kohlestückchen, das sich nachts dort auf der verschwitzten Haut festgesetzt hatte. 🙂

Mathias bei der Arbeit: Er bekämpft den Bewuchs an unseren drei Rümpfen !

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Haben einige von Euch den Bericht von uns in der Yacht gesehen? Wir haben die Redaktion nun auch angesprochen, ob sie an Mathias Paper über das Ankern interessiert seien. Wie der Zufall es will, haben sie gerade so einen Artikel von einem Schweizer zugeschickt bekommen. Er hat die Corona-Freizeit dazu genutzt, seine Berechnungen anzustellen und kommt auf die gleichen Ergebnisse wie Mathias. Es beruhigt zu wissen, dass es doch noch andere gibt, die sich mathematisch mit dem Thema auseinandersetzen und wir nicht wieder die Nerds sind. Aber das dynamische Ankern ist in dem Aufsatz nicht mit berücksichtigt, es wird also wohl einen Folgeartikel von Mathias geben, in dem er diese Ergänzungen vorstellt.

Gleich geht der Video – Klönschnack mit der Frauengruppe los.

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Dieser Beitrag hat 7 Kommentare

  1. Hallo Birte und Mathias!
    Wir fühlen mit Euch. Muss schon ein komisches Gefühl sein, nicht mal eben zurück nach Deutschland fliegen zu können. Ich kann gut verstehen, dass Ihr das Boot dort nicht allein lassen wollt. Aber, dass der Löwe nichts gegen die Möwen ausrichten kann, ist doch klar. Der ist ja auch angebunden!

    Dann fand ich das mit dem Nicht-Beschlagen der Brillen natürlich toll, denn das nervt hier schon. Vielleicht liegt es aber nicht nur am Wetter sondern auch an Euren Masken. Es sieht so aus, als hättet Ihr FFP 2 Masken mit Auslassventil 😊.

    Bei uns hält sich der Lagerkoller noch sehr in Grenzen. Ich mach zwar überwiegend Home Office aber Spaziergänge und Fahrradtouren sind immer drin, zum Beispiel eine Runde um den fluglärmlosen Kölner Flughafen. Letztes Wochenende konnten wir uns auch wieder mit Freunden im Garten treffen.

    Haltet die Ohren steif!
    Liebe Grüße aus Bonn.
    Wilfrid und Friederike

    P.S.: Auch wenn wir uns bisher nicht viel gemeldet haben: Wir verfolgen den Blog aufmerksam und mit Vergnügen. Vielen Dank!

    1. Hallo Wilfried und Friederike,

      Ja, die Masken sind eigentlich für mein Basteln rund ums Boot gedacht gewesen. FFP2 und FFP3 haben wir. Noch aus dem Hamburger Bauhaus… 🙂 Der Bauhaus Senior ankert ja in der Bucht auf der anderen Seite der Insel hier! Vielleicht bekomme ich dort Nachschub?

      VLG Mathias

    2. Hallo Wilfrid und Friederike,
      da habt Ihr im Nachhinein ja Glück gehabt, dass Ihr keine Zeit hattet, mit uns durch den Panamakanal zu kommen.
      Die Einschränkung der Bewegungsfreiheit ist bei uns das Unangenehmste. Aber wie auch schon in Kommentaren zu anderen Beiträgen gesagt wurde, wir sind sicher besser dran als manch eine Familie in einer kleinen Wohnung. Zur Zeit ist es halt überall verrückt. Die Hitze, gepaart mit einem Mangel an Wind, macht uns als durchgekühlte Norddeutsche natürlich zu schaffen, insgesamt geht es uns aber gut.
      LG Birte

  2. Hallo ihr beiden,
    Ich lese gerne euere Berichte.
    Ich frage mich immer, ob ich so ein Abenteuer auch starten würde, wahrscheinlich eher nein.
    Ich bewundere euere Abenteuerlust mit dem Katamaran eine mehrjährige Reise zu machen!
    Momentan ist es natürlich echt blöd durch Corona, aber ich wünsche euch auf jeden Fall baldige und gesunde Weiterreise!
    Hier bewegt sich das Leben zwischen Familie und Home-Office.
    Glücklicherweise haben wir einen Garten.
    Ab heute öffnet die Gastronomie wieder, aber wahrscheinlich bleibt der Restaurantbesuch spärlich.
    Die ersten Cafés , die wir beim Eonkaufen heute gesehen haben, sind wenig besucht, kein Vergleich zu früher.
    Alles Gute euch weiterhin!!
    Liebe Grüße
    Petra aus Frankfurt

    1. Hallo Petra,

      Man macht ja einen Schritt nach dem anderen bei so einer Reise, und so ist es eigentlich gar nicht so ein großes Ding. Nur wenn man mal zurückschaut und sieht, wie weit weg man schon ist, dann wir es einem bewusst. Es ist aber ein schönes Gefühl, aus eigener Kraft hierher gekommen zu sein. Fast so wie bei meiner Radtour von Hamburg nach Italien, wo ich in irgendeiner Stadt auf einer Parkbank lag und in den Himmel starrte, und dachte, oh, Du bist bis hierher ganz alleine mit dem Fahrrad gefahren. Da war ich so 19, 20 Jahre alt. 😉

      Wir haben hier ja recht gutes Internet und so gucken wir abends häufiger deutsche Serien und wir reden auch viel mit den Kindern. Im Grunde genommen haben wir momentan mehr Verbindungen nach Deutschland als bei der Reise davor. Haben einfach mehr Zeit.

      VLG, Mathias

  3. Ihr wünscht Euch ein kühleres und abwechslungsreiches Klima? Da hab ich was für Euch. Im Norden Deutschlands gibt es eine grosze Stadt, Ham-Dingens heiszt sie. Da solltet Ihr Euch ein Haus kaufen. Für Kühle und Abwechslung im Wetter ist da gesorgt. Und das Meer ist auch nicht weit weg.

    1. 🙂 Ja, wohl wahr!!!

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