SAN

three hulls, two people, one trip around the world…

Linton Bay – Auf dem Trockenen

Ein Segelboot gehört nicht auf das Land. Nur kann man das Unterwasserschiff schlecht im Wasser frisch anstreichen. Da uns von unserem Aufenthalt in Vacamonte vor zwei Jahren noch frisch im Gedächtnis war, was da für eine Arbeit auf einen zukommt, freuten wir uns nicht gerade auf den Krantermin. Aber, “Wat mutt, dat mutt”. Also wurden wir wieder häufiger vorstellig in der Linton Bay und drängten ein wenig, dass wir einen Platz bekommen sollten. Natürlich klappte es nicht für den angesagten Termin. Ein halber Tag heftiger Regen hatte die Abläufe durcheinander gebracht. Wir übernachteten einmal im Kranhafenbecken. Das fanden wir ok, konnten wir doch sicher sein, am nächsten Tag nicht vergessen zu werden. Beinahe sollten wir unseren Warteplatz wieder aufgeben, weil ein Boot in den Hafen geschleppt wurde, das auf einem Riff gestrandet war. Es wurde am Bug schon mit Schwimmkörpern unterstützt. Aber da es mit diesem Boot länger dauern würde, wurde es erst einmal vor die Sliprampe gelegt.

Am nächsten Tag mussten wir dann nur noch einmal kurz rausfahren, damit ein Katamaran ins Wasser gelassen werden konnte, auf dessen Landplatz wir sollten. Der Katamaran hatte noch Motorprobleme und musste auf seinen Marinaplatz geschleppt werden. Da gab es eine weitere Verzögerung, da zunächst kein betriebsbereites Dinghy aufgetrieben werden konnte. Schließlich war es soweit und wir konnten an den Haken genommen werden, bzw. in die Gurte gehängt werden. Für die richtige Abstützung an Land hatte Mathias viele Fotos gesammelt. wie es bei unseren Schwesterschiffen schon funktioniert hatte. Wir wollten diesmal nur Stützen haben, keine großflächigen Auflager auf Holzstapel, damit nicht so viele Stellen bleiben würden, die am letzten Tag nachgearbeitet werden müssen.

Unser Boot stand mit leichter Schlagseite nach Steuerbord an Land. Das ist zwar ein Ticken normal, da auch das Rigg nicht 100%-ig gerade ist, aber die Neigung war stärker als gewohnt und jedes Mal, wenn ich über die nur angelehnte Leiter über den äußeren Rumpf ins Boot kletterte, hatte ich den Eindruck, es läge noch schiefer. War natürlich Einbildung, aber es bestärkte das Gefühl: “Dieses Boot gehört nicht hierher”. 

Die Arbeiten waren nicht halb so schlimm wie damals in Vacamonte. Das Unterwasserschiff war ja von uns gut gepflegt worden und so ließ es sich auch schnell säubern. Danach besserten wir einige Stellen aus und nach ein paar Tagen war schon neu streichen angesagt. Wir hatten zu wenige Farbtrays gekauft und Mathias ist ja auch der Meinung, ich streiche nicht gründlich genug. Er nahm es also heldenhaft auf sich, das Antifouling alleine aufzutragen. Es dauerte rund 4 Stunden um alle drei Rümpfe mit einer Schicht Farbe zu versehen. Weil wir zu viel Farbe hatten, gab es insgesamt 4 Schichten Anstrich. 

Die Marina in Linton Bay ist recht einfach und liegt mitten im Dschungel. Auf dem Gelände gibt es das Marinarestaurant, einige kleine Imbisse, eine Tankstelle, einen Miniladen. Die haben wir alle nicht weiter ausprobiert, aber jeden Tag außer sonntags kommt Charlie mit einem Pick-up voller Obst und Gemüse und ein wenig tiefgefrorenem Fleisch im Angebot. Da habe ich fast täglich Obst gekauft. Es gab also frisch gepressten Saft morgens und jede Menge Weintrauben, um Mathias Arbeitsmoral hoch zu halten. Geduscht haben wir in der Marina. Die Duschen dort sind sauber, aber sonst nichts Dolles. Warmes Wasser ist Glückssache und an einem Abend blieb das Wasser komplett aus. 🙁  Vom Boot konnten wir ja kein Abwasser ablaufen lassen, da das über die Rümpfe laufen würde. Dementsprechend schwierig war das Putzen und Geschirr spülen. 

Doch nach nur 10 Tagen konnte der unschöne Zustand beendet werden und es ging zurück ins Wasser. Wir duften sogar einen halben Tag lang in den Gurten am Travellift hängen, um die Stellen zu streichen, an denen sich die Stützenköpfe der Abstützung befunden hatten. Die Zeit mussten wir auch dazu nutzen, die Klebestreifen zu entfernen, mit denen wir den Rand der Antifoulingfläche abgeklebt hatten. Das ist normalerweise gar kein Problem, aber wir hatten das Kreppband in Panama gekauft und da gibt es offenbar Qualitätsunterschiede, wie uns gesagt wurde. Hatten wir das schlechtere erwischt und es war nass geworden, ließ sich also nicht so leicht entfernen. 

Voller Vorfreude gingen wir neben der SAN her, als diese langsam vom Travellift Richtung Wasser gefahren wurde. Aber damit keine unnötige Hektik aufkommen konnte, gab es erstmal einen kräftigen Regenschauer und wir mussten wieder etwas warten. Dann war es endlich soweit. Schiff ins Wasser, wir an Bord und los. Fast. Erstmal machte uns der Helfer vom Steg darauf aufmerksam, dass der Motor kein Kühlwasser ausspuckte. Ruhe bewahren, nicht gleich in Panik geraten. Mathias ging in den Motorraum, machte einen Rundumblick, kam wieder nach oben und probierte nochmal. Jetzt kam Kühlwasser.Vielleicht hat es nur etwas gedauert, bis der Motor wieder Wasser angesaugt hat. Egal, Hauptsache es funktioniert. Glücklich verließen wir das Hafenbecken und fuhren ein paar Meter weiter an die Tankstelle. Voll getankt ging es an unseren alten Ankerplatz vor der Marina.

Jetzt fehlte nur noch der Großeinkauf, damit Mathias das Gefühl hat, wir können nicht verhungern. Am Dienstag hatten wir zu dem Zweck ein Taxi bestellt, das uns aus dem Dschungel heraus fuhr und in den nächstgelegenen Ort mit einem größeren Supermarkt, also überhaupt einem Supermarkt und nicht einem Minimarkt wie sonst in der Gegend. Dafür muss man eine Stunde lang mit dem Auto fahren. Das Taxi wartet und bringt einen auch wieder zurück. Die Fahrt kostet 60 Dollar. Damit sich der Aufwand lohnt. muss man entsprechend viel einkaufen. Unsere Vorratsregale sind also wieder gut gefüllt. Wir haben sogar ein paar frische Sachen für ein anderes Boot mitgenommen. Da spielen wir Versorgungsschiff.

Mathias hat nämlich über seine Anker-Rechnungen ein dänisches Ehepaar kennen gelernt, die sich gerade in der San Blas Inselgruppe aufhalten, unserem nächsten Ziel. Wir setzten uns noch am selben Tag in Bewegung. Nur-Genua-segeln sollte uns zumindest in eine günstigere Ausgangsposition für den Törn zu den San Blas Inseln bringen. Leider reichte der Wind nicht ganz und am Ende diesen Tages mussten wir motoren. Es wurde dunkel und just als wir ankern wollten, regnete es in Strömen, kein Mond schien, es war nüscht zu sehen. Seglerromantik sieht anders aus. Der Ankerplatz war etwas rollig, trotzdem überwog die Freude, mit dem Boot wieder auf dem Wasser zu sein.

In dieser Gegend ist Wind Glückssache. Da es für die Fahrt nach San Blas keinen gab, beschloss Mathias, den Turbo vom Motor ordentlich durchzupusten. Die frisch gesäuberten Rümpfe, die gesäuberte und gut gefettete Schraube reduzierten den Wasserwiderstand und wir düsten mit durchschnittlich 7 Knoten und 2300 RPM. Der zweite Autopilot braucht noch Hilfe, er ist noch nicht richtig kalibriert und läuft noch manchmal aus dem Ruder.

Am Ziel bei der Insel Caio Coco Bandero wurden wir freudig begrüßt und gleich für den nächsten Tag zum Essen eingeladen.

Die Palmen und und die atemberaubenden Sonnenuntergänge haben uns wieder. 🙂

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Dieser Beitrag hat 6 Kommentare

  1. Micheline Lang

    Hallo ihr Weltenbummler,
    so ein Schiff auf dem Land zu hieven, war ja nicht so einfach. Doch nun ist es für Weihnachten frisch gestrichen.
    Weihnachten hat sich hier in allen Läden schon ausgebreitet , doch es ist noch viel zu warm, sodass die Weihnachtsstimmung noch nicht richtig aufkommen kann. Warten wir’s ab.
    Ich tanke noch schnell vor Weihnachten ein paar Tage Sonne und Wärme in Marrakesch. Eine fremde Stadt, ein fremdes Land. Bin gespannt.
    Ich wünsche euch eine schöne Weihnachtszeit, freue mich schon jetzt auf euren nächsten Bericht.
    Bis dann, liebe Grüße Micheline

  2. trimaran-san

    Hallo Micheline,
    auch für Dich eine schöne Adventszeit. Dann wohl wieder in Deutschland? Der nächste Bericht ist schon in Vorbereitung, damit es nicht wieder so lange dauert. 🙂
    LG Birte

  3. Reinhold

    4 Lagen Farbe: damit bin ich einverstanden. Das kann gar nicht solide genug sein. Gute Idee, Fotos zum Aufbocken des Schiffs zu sammeln. So macht man sich am besten verständlich.
    Ich bleibe besser an Land. Ein Haus macht weniger Arbeit. Viel Glück bei der Weiterfahrt

    1. trimaran-san

      Ja, 4 Lagen Farbe, das sollte eine Weile halten… 🙂 Wir werden noch einige wenige Tage in San Blas bleiben, dann nach Linton Bay zum Ausklarieren zurückkehren, und dann geht es 1100 Seemeilen gen Osten, nach BVI oder St. Maarten. Das wird ein etwas anstrengender Törn werden, aber zumindest ist dann der Rumpf sauber und wir sind maximal schnell… LG, Mathias

  4. Reinhold

    Was ist BVI?

    1. trimaran-san

      British Virgin Islands

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