SAN

three hulls, two people, one trip around the world…

Angekommen in Costa Rica

Mit wenig Wind und vielen Motorstunden erreichten wir Costa Rica. Schon von unterwegs hatten wir per Mail Dokumente an die Marina geliefert. Man konnte einen Hilfeservice für das Einklarieren buchen, was sich als eine gute Sache herausgestellt hat. Nicht nur sind die verschiedenen Stationen, bei denen man sich melden muss, nur schwer zu finden (unscheinbare Gebäude, die über den ganzen Ort verteilt sind), wir brauchten wegen des French Leasings unseres Bootes auch noch eine Bestätigung eines Anwalts, was wir alleine wahrscheinlich nicht verstanden hätten, geschweige denn hätten organisieren können. So war alles kein Problem und innerhalb eines Tages erledigt. Bevor man einreist, muss zur Zeit ein Gesundheitspass online ausgefüllt werden. Das darf aber nicht länger als 48 Stunden vor Einreise geschehen. Deshalb planten wir unseren vorletzten Ankerplatz an einem Ort, an dem es Mobilfunkabdeckung gab. 

In die Banana Bay Marina in Golfito durfte ich das Boot einparken, muss ich ja ab und an auch mal üben. Es klappte alles prima. 

Wir blieben ein paar Tage in der Marina, es gab Einiges zu erledigen. Zum einen brauchten wir eine lokale Sim-Karte für Internetzugang. Leider wussten wir vorher nicht, dass man hier die Panama-Karten mittels roaming einsetzen könnte. Das wäre preiswerter gewesen. Aber wir haben es geschafft, eine lokale Karte zu bekommen und sie initialisieren zu lassen. In der Marina tankten wir unseren Dieselvorrat wieder auf. Es zeigte sich, dass es nur ein kleiner Betrieb ist. Zum Helfen beim Tanken wurde der Koch aus der Küche geholt. 🙂

An einem Tag wagten wir uns auf einen kleinen Landausflug. Eine Schotterstraße führte einen Berg hinauf, der eine Übersicht über die Bucht versprach. Die Höhenmeter waren eine Herausforderung für uns, aber es war einfach nett, mal wieder anständig spazieren zu sein. Nach einigen Pausen und viel Wasser kamen wir auf dem Gipfel an, der Blick war allerdings recht eingeschränkt. 

Was wir sehr genossen haben, ist die Möglichkeit, wieder in einem Restaurant zu essen. Wir saßen deshalb jeden Abend in dem offenen Restaurantbereich der Marina mit Blick auf unser Boot und aßen die leckeren Gerichte dort. Meist kam um die Zeit eine kräftige Gewitterwolke mit einem ordentlichen Regenschauer. Beim ersten Mal hatten wir unsere Fenster auf dem Boot nicht ordentlich zu gemacht. Mathias ging zwar noch hin und schloss die Luken, aber der Regen war so stark, dass er durch die kleinen Seitenfenster hereingedrückt wurde. Das Bett in der oberen Kabine wurde ordentlich nass. Ich habe einen ganzen Eimer voll Wasser dort herausgeschöpft. 

Nach 5 Tagen in der Marina liefen wir wieder aus. Seitdem kämpfen wir mit der Flaute. Wind gibt es meist nur kurzzeitig am Nachmittag rund um die Regenwolken. Oft ist nur ein Treiben unter Segel möglich. 

So trieben wir in der Bahia Dulce umher. Ein Segelreiseführer pries einen privaten botanischen Garten an, den man besichtigen könne. Es stellte sich aber heraus, dass dieser inzwischen geschlossen war, weil die Leute wegziehen wollten. In der Bahia Dulce herrscht ein Mikroklima, jeden Abend schüttet es aus Eimern und tagsüber ist besagte Flaute.

Das Mikroklima in der Bucht bringt nicht nur Regen, sondern oft auch Gewitter mit sich. Auf unserem Weg raus aus der Bucht freuten wir uns gerade über etwas Wind vor der Wolke, als dieser auch schon wieder nachließ und wir Reißaus vor dem Gewitter nehmen mussten. Unter Motor versuchten wir dem Unheil zu entkommen. Aber ein Blitz erwischte uns. Er schlug unmittelbar neben uns ein. Oder wurde er doch irgendwie abgelenkt??? Jedenfalls gingen unsere Instrumente kurzzeitig aus, fuhren dann aber wieder hoch. Nur das Stereoradio blieb stumm. Über die Anlage hatten wir gerade ein Hörbuch laufen. Als Segelboot sich länger in dieser Bucht aufzuhaten, können wir deshalb nicht empfehlen.

Erste Drohnenaufnahmen während der Fahrt:

Der erste Start- und Landeversuch 🙂
Beim zweiten Versuch klappte es besser.

Wir verließen die Dulce-Bucht und segelten / trieben zur Bahia Drake auf der anderen Seite der Osa Halbinsel, Hier fanden wir eine gute Ankerstelle, von der aus es schon einige Male an Land ging. Es gibt kein Dinghy Dock, also müssen wir mit dem Dinghy direkt auf den Strand fahren. Das ist eine durchaus übliche Methode, unser Dinghy hat sogar klappbare Hinterräder, damit man es besser den Strand hochziehen kann. Einziges Problem dabei ist, heil durch die Brandung zu kommen. Ein Kunststück, das wir noch üben müssen. Die Brandungswellen sahen seeeeehr harmlos aus. Wir zogen also den Motor hoch und fingen an zu paddeln. Dabei waren wir aber nicht schnell genug und eine Welle stieg von hinten ins Dinghy ein. Alles wurde geflutet und wir waren klitschenass! Zum Glück überlebten Kamera und Handy im gut verschlossenem Rucksack. Auch auf dem Rückweg erwischte uns eine Welle von vorne und wir wurden wieder nass. Beim zweiten Mal änderten wir die Taktik. Alle Sachen steckten in wasserdichten Säcken und wir in Badezeug. Mathias zog den Motor erst nur halb hoch und fuhr möglichst dicht an den Strand. Es klappte und alles blieb trocken. Auf dem Rückweg waren wir trotzdem nass, aber das lag daran, dass man hier auf Wanderungen soviel schwitzt. 

Der Ort hier besteht aus Herbergen, Touroperators, Restaurants und Supermärkten. Sie reihen sich auf entlang einer Schotterstraße. Es herrscht erstaunlich viel Verkehr, der aus Motorrädern und Quads besteht.

Wir machten eine Wanderung auf einer Straße, die über die erste Bergreihe führte und danach wieder runter an einen Fluss. Die Straße schlängelt sich durch den Regenwald und ab und an sieht man mal die Einfahrt zu einem Ressort oder ein Privathaus. Die meisten Gebäude sind auf Stelzen gebaut und stehen an den Berhängen so, dass möglichst noch ein Meerblick erreicht wird.

Das Wasser in der Bucht ist klar und warm. Da konnten wir schon einige Male wieder um das Boot schwimmen und die Rümpfe vom Bewuchs befreien. Es soll ja nicht wieder so schlimm werden wie in Panamacity.

Von Corona ist nicht viel zu bemerken. Masken werden zwar in den Läden getragen und vor jedem Geschäft gibt es ein Waschbecken zum Hände waschen, aber im Freien tragen nur wenige Leute eine Maske. Restaurants sind geöffnet, dort sitzt man aber ohnehin im Freien. Die Bedienungen tragen Maske. Das ist vielleicht schon wieder etwas viel Lockerung, aber es fühlt sich zumindest besser an. Wir haben einen Deutschen getroffen, der die Gegend schon seit 30 Jahren kennt und seit 20 hier lebt. Er meinte der hiesige Tourismus ist auf ca. 20% des Normalmaßes zusammengeschrumpft. Für uns ist das ganz nett, es laufen nicht zu viele Leute herum, Restaurantbesuche sind entspannt und Abstand halten meist kein Problem. Vor 30 Jahren war der Ort in der Drake Bucht nur per Boot zu erreichen, die Osa-Halbinsel straßentechnisch noch nicht erschlossen. Auch heute soll es in der Regenzeit nur mit 4-wheel drive möglich sein. Damals wohnten nur so 30 Leute hier, jetzt sind es 3000. Aber die verteilen sich gut und aus unserer Sicht ist es noch immer recht idyllisch hier.

Rechen-“Künste”:

Beim Bezahlen im Restaurant fiel mir auf, dass die meist jungen Bedienungen das Aufaddieren der Preise per Taschenrechner machen. Dass mag ja angehen, aber selbst das Wechselgeld musste eine junge Frau noch mit dem Taschenrechner ausrechnen und auch noch auf das Ergebnis schauen, während sie es aus der Kasse zog. Auch die 10% Serviceaufschlag werden per Taschenrechner eingetippt. Ich gebe zu, dass ich auch nicht mehr oft Kopfrechnen mache, aber die Grundrechenarten schaffe ich schon noch. Allerdings ist mir auch in Deutschland einmal eine solche Taschenrechnerabhängigkeit begegnet, als eine Mitarbeiterin bei Fielmann aufstand und einen Taschenrechner holte, nachdem ich die einfache Rechenaufgabe schon lange im Kopf erledigt hatte. In Deutschland ist meiner Meinung nach die gesellschaftlich anerkannte Hetze gegen Mathe und Physik mit Schuld an solchen Phänomenen. Denn niemand schüttelt den Kopf, wenn jemand kundtut: “In Mathe und Physik war ich nie gut.” Selbst im Radio hört man solche Sprüche erstaunlich oft. Im Gegensatz dazu mag keiner zugeben, dass er in Deutsch oder gar Sport nicht gut war. Ob Ähnliches für Lateinamerika gilt, kann ich nicht beurteilen. Ich kann nur von unserem Sohn berichten, der als Austauschschüler in Ecuador auf einer Buchhalterschule war und dort glänzte, weil er das Prinzip des Mittelwert-Bestimmens verstand und ohne Weiteres anwenden konnte. Hier kann das Nicht-Rechnen also an der Schulbildung liegen. Was einen aber um so besorgter drauf schauen lässt. Schließlich kann die Welt nur gerettet werden, wenn es genügend gebildete junge Leute gibt. Vielleicht ist das Rechnen mit dem Taschenrechner aber auch nur eine dumme Angewohnheit, ich erinnere mich daran, dass ich im Berufsleben einmal beschlossen hatte, den Taschenrechner weniger einzusetzen, als ich mich dabei erwischte, wie ich mit dem Rechner eine Zahl durch eins teilte. Oder es liegt an den großen Zahlen der Währung hier, alles kostet gleich Zehntausende. Das kann nicht sein, meint Ihr? Dazu eine kleine Geschichte aus meiner Kindheit: Ich war so 6 Jahre alt, wir lernten in der ersten Klasse gerade rechnen mit Zahlen bis 10. Da fragte mich ein Bekannter: Wieviel ist denn 100 minus 40 ? Woraufhin ich ihn aufklärte, das könne ich gar nicht wissen, weil die Zahlen größer als 10 seien. Mein Vater grinste und meinte:”Du hast eine Mark und kaufst etwas für 40 Pfennig, wieviel erhälst Du zurück?” Sofort kam meine Antwort:”60 Pfennig!”

In den nahegelegenen Corcovado Nationalpark darf man nur mit Guide hinein. Es gibt Touren von hier aus. Man wird in kleinen Schnellbooten zum Eingang des Parks an den Strand gefahren. Von unserem Besuch berichte ich im nächsten Beitrag.

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Dieser Beitrag hat 12 Kommentare

  1. Rolf Moldrings

    DANKE – für den schönen Reisebericht (tut gut, in dieser trostlosen Zeit)!
    Lebensbedingungen, Wetter, Rechen“künste“ der Einheimischen (smile) sind ähnlich wie hier auf den Philippinen.
    Handbreit! Rolf

    1. trimaran-san

      Ja, wir mussten unbedingt raus aus dieser Endlosschleife Panama. Und Bahia Drake ist wirklich sehr nett! Sogar ein Walkalb haben wir schon gesehen – aber das kommt im nächsten Bericht. Wir hatten schon zu viel „Material“… Was für ein Unterschied zu unserer Zeit in Panama… 🙂 LG, Mathias

  2. Mario Stoltz

    Liebe Birte, lieber Matthias,
    Vielen Dank für den Bericht und die wunderbar tropischen Fotos. Hier in Norddeutschland war nach dem Schnee plötzlich der Frühling ausgebrochen, nun wird es aber wieder ein bisschen kühler. Da ist es schön, mit Euch erleben zu dürfen wie sich richtig warmes Wetter anfühlt 🙂
    Weiterhin viel Spaß in Costa Rica und weiter viel Glück aufder Reise! Gruß, Mario.

    1. trimaran-san

      Hallo Mario, danke, und ja, es ist wirklich nett, wieder unterwegs zu sein. So soll es sein! Auch wenn es hier wirklich SEHR heiss ist. Aber im Schatten auf einer Veranda einer Bar / eines Restaurants kann man es aushalten… 🙂 Wenn man dann zum verschlossenen Boot zurück kehrt, sind dort im Innenraum fast 40 Grad… das ist dann immer ein kleiner Dämpfer. 😉

      VLG, Mathias

  3. Dirk

    Moin moin aus Hamburg, danke für das Update. Wirklich schöne Geschichten. Speziell auch die Rechenkünste von Klein-Birte 🙂
    Ja, es scheint wirklich ‚in‘ zu sein zuzugeben, dass man schlecht in Mathe und Physik war. Und es scheint auch gesellschaftlich akzeptiert. Ich denke es liegt/lag immer an den Lehrkräften, wie viel Mühe sie sich gegeben hatten. Und da hatte ich echt Glück. Bei meinen ’nicht-geforderten‘ Nachhilfe-Vorträgen versuche ich immer meinen Enthusiasmus rüberzubringen und Mathe interessant zu machen. Scheinbar hatte das neulich auch bei unserem Nachbarsjungen geklappt, der mich fragte, was Mathematik mit der Biologie zu tun hat… selbst Schuld 🙂 Nach einer halben Stunde war ich fertig…

    Haltet die Ohren steif. LG C&D

    1. trimaran-san

      Moin Dirk. Im Radio in Hamburg habe ich regelmäßig die Moderatoren darüber reden hören, wie schlecht sie in Mathe und Physik waren, aber das wäre ok gewesen. Es ist dieses ganze gesellschaftliche Umfeld, welches den Nährboden darstellt. Es sind nicht nur die Lehrer. Wenn ein Kind in die Schule kommt und hat schon abgeschaltet, wird es schwer…

      Man kann es auch gut sehen in der Diskussion in Deutschland zu Corona – die E Funktion ist ein Exot und wird von den meisten nicht verstanden – mit tragischen Folgen…

      Und ich kann es mir nicht verkneifen… War es „scheinbar“ oder „anscheinend“ ???? 🙂 😉 😀

      VLG, Mathias

  4. Matthias

    Gut zu sehen, dass es bei euch weitergeht! Ich bin auch ganz begeistert die ersten Drohnenaufnahmen mit Start und Landung vom Boot aus zu sehen. Solche Aktionen sind auf einem sich bewegenden Objekt ja nicht ganz unkritisch. Habt ihr mal über Starts und Landungen aus der Hand nachgedacht? Mich hat es zu Beginn zwar auch etwas Überwindung gekostet, aber wenn man/frau weiß, worauf man achten sollte, dann funktioniert das eigentlich problemlos. Ich bin auf eure weiteren Berichte gespannt!

    1. trimaran-san

      Es war extrem wenig Wind, als ich das mal wagte. Wir waren nur so mit weniger als 2 kn unterwegs, also langsame Fußgänger Geschwindigkeit… Aber ich hatte extrem viel Adrenalin zirkulieren. Mein Start und Landepunkt auf dem Vordeck erwies sich als ungeeignet, weil die Drohne dann immer in die Aufbauten kracht. Zumindest mit meiner bisherigen Erfahrung und Geschicklichkeit. Was gut funktionierte war vom hinteren Ende des Daches, auf den Solarzellen. Wenn die Drohne dort abhebt, dann gleitet das Schiff gleich unter ihr weg und sie ist im Freien. Das ist einfach. Aber zum Landen haben wir dann auch zu zweit gearbeitet – ich habe die Drohne von hinten herangeflogen, und Birte hat sie dann aus der Luft gegriffen. Das ging ganz gut, aber bei mehr Fahrt wird das auch noch schwieriger.

  5. Micheline lang

    Hallo ihr zwei
    schön, dass es neue Bilder und Nachrichten aus einem neuen Land gibt. Bin begeistert. Birte macht sich gut als Klettern, vielleicht gehen wir mal zusammen in die Wand in Südtirol, in einigen Jahren wenn ihr wieder zurück seid…..
    Wünsche euch etwas mehr Wind wenns weiter geht…..
    Lieben Gruß
    Micheline

    1. trimaran-san

      Hallo Micheline,
      ich fürchte, in Südtirol sind die Höhenmeter zu viel für mich. 😉
      LG Birte

  6. Sabine

    Hallo nach Costa Rica,
    der Einsatz der Taschenrechner zieht sich wie ein roter Faden durch die ‚dritte Welt‘ (darf man das noch sagen?). Kap Verden, Südamerika, Französisch Polynesien. Egal, Kopfrechnen Fehlanzeige. Häufig werden die Taschenrechner ja auch benutzt, um dem sprachunkundigen Kunden den Preis für einen Artikel anzuzeigen. Vielleicht ist es dadurch so inflationär zum Einsatz von Taschenrechner gekommen?
    Wir hatten neulich eine junge Frau, die hat 10.000 minus 4.000 in den Taschenrechner getippt. Sie kann das bestimmt im Kopf, aber Angewohnheit und vielleicht Unsicherheit? Ich weiß nicht.
    Beste Grüße,
    Sabine

    1. trimaran-san

      Hallo Sabine,
      den Preis per Taschenrechner angezeigt zu bekommen, hat mir auch schon öfters geholfen, aber das ginge ja auch per Zettelrechnung. Ich hatte eher den Eindruck, dass nicht mitgedacht wird. Aber Angewohnheit spielt sicherlich eine Rolle.
      LG Birte

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