SAN

three hulls, two people, one trip around the world…

Wieder unterwegs

Es sah nicht so aus, als würden die Aufenthaltsgenehmigungen in Panama noch einmal verlängert, es wurde also Zeit den Plan, nach Costa Rica zu fahren, in die Tat umzusetzen.

Nach eineinhalb Wochen in den Las Perlas Inseln kehrten wir nach Panama City zurück. Letzte Besorgungen standen an und das Ausklarieren aus dem Land. Die Ausgangsregelung war gerade so, dass am Wochenende totale Quarantäne herrschte und in der Woche man zwar auf die Straße durfte, aber in die Läden reingehen durften die Frauen montags, mittwochs und freitags und die Männer nur dienstags und donnerstags. Wir segelten am Montag, blieb für mich also der Mittwoch um allerhand zu erledigen. 

Die Fahrt von den Las Perlas zurück war sehr schön. Wir mussten zwar ein wenig kreuzen, aber es waren sehr große Schläge und lange Zeit konnte man mit über 10 kn dahinzischen. 🙂  

Am Mittwoch begab ich mich auf eine Odyssee durch Panamacity. Erst ging es zu einem Mac-Shop, bei dem man Reparaturen machen lassen konnte. Er hatte auf meine E-Mail nicht geantwortet, ob er geöffnet hatte (nicht alle Läden durften öffnen während der Ausgangssperrmaßnahmen), aber ich versuchte es trotzdem. Ich hatte Glück, der Laden war geöffnet und ich konnte Mathias‘ Telefon abgeben, um den Akku tauschen zu lassen. Das wurde höchste Zeit, das Telefon ließ sich schon nur noch an der Stromquelle mit gutem Zureden am Leben erhalten. Der Tausch sollte so 2 Stunden dauern. Ich suchte in der Nähe des Ladens nach einem Copy-Shop, da ich Ausdrucke für uns machen musste. Die Shops, die mir Google auswies, waren keine echten Copy-Shops, sondern eine Werbeagentur und einer nicht vorhanden. Deshalb lief ich zurück zur U-Bahn, fuhr zur Station 5-de-Mayo und ging in der Gegend zu einem Copy-Shop, den ich schon kannte. Die Gegend um 5-de-Mayo ist die Gegend, in der die Panamesen einkaufen. Es gibt viele Geschäfte und Kaufhäuser sowie Straßenhändler. Dort hatten fast alle Läden geöffnet und im Copy-Shop waren auch nicht nur Frauen als Kunden. Danach wieder Laufen zur U-Bahn, Telefon abholen, wieder U-Bahn und dann zum Supermarkt laufen. Mittlerweile hatte ich mir eine Blase gelaufen – war einfach die Schuhe nicht mehr gewohnt. Im Supermarkt machte ich einen Großeinkauf und nahm ein Taxi für den Rückweg. Die meisten Taxis sind hier so kleine Autos (Lupo bis Polo Größe), dass eines voll ist, wenn ich mit meinen ganzen Taschen zusammen einsteige. Der Taxifahrer wollte mir 15 Dollar berechnen, aber die Preise kenne ich ja mittlerweile, also ließ ich mich nicht darauf ein. Die Strecke kostet 5-7 Dollar. Da man vor der Fahrt fragt, fuhr er mich für 7 Dollar. 

Bei Mathias Fahrradtour war die Umgehungsstraße um die Altstadt wegen eines Unfalls für Fahrräder gesperrt und er musste sich irgendwie durch die Straßen der Altstadt schlängeln. Dabei machte er noch ein paar nette Fotos.

An der Kasse im Supermarkt gab es dann zum ersten Mal Probleme mit der Kreditkarte. Nicht alle unsere Karten funktionieren hier. Am besten geht es mit einer Visakarte, die auf meinen Namen läuft. Bisher reichte immer die ID der Familienzugehörigkeit, aber diesmal schauten sie bei Mathias genauer hin. Am Ende haben sie die Karte akzeptiert, aber das war wohl ein Zeichen, dass es Zeit für den Aufbruch wird. 

Versuch, verschiedene Gemüse durch Vakuumieren haltbar zu machen.

Ist leider gescheitert. Es wird schnell weich von innen.

Donnerstag ging Mathias an Land und erledigte die Formalitäten zum Ausklarieren. Da er kein Spanisch spricht, landete er als erstes an einer Stelle, die er eigentlich erst als zweites aufsuchen sollte. Die Dame dort war sehr vorsichtig. Jede Fläche, die Mathias berührte, wurde sofort mit Desinfektionsmittel und einem Tuch abgewischt. Irgendwann verstand Mathias, dass er noch woanders hingehen soll und folgte ihrer Richtungsangabe. Dort fand er jemanden, der Englisch sprach und wir bekamen den “Zarpe”, ein Ausreisedokument, das man für die Einreise ins nächste Land braucht. Für die Ausstellung musste vom letzten Hafen vor der Einreise ein solches Dokument abgegeben werden. Das war bei uns noch ein Hafen in der Karibik in Antigua, Ewigkeiten her. 

Wegen der Wochenendquarantäne blieben wir noch bis zum Montag, dann ging es los. Landgang wird erst wieder in Costa Rica sein, aber wir werden nicht Tag und Nacht durchfahren, sondern schon versuchen nachts zu ankern. 

Hilfslieferungen, die an Kontaktpersonen positiver Corona-Patienten abgegeben werden. Wahrscheinlich damit diese in Quarantäne bleiben können. Zu den Lebensmitteln gehörte auch Hähnchenfleisch, das eingeschweißt in der Sonne lag und Kartons, aus denen es gackerte (sehr frisches Hähnchenfleisch? Oder noch frischere Eier?).

Der Mensch ist ja ein Gewohnheitstier. Es ist schön, wieder auf Tour zu sein, aber es fühlt sich auch ein wenig komisch an, Panama zu verlassen. Immerhin waren wir fast ein Jahr lang hier. 

Noch ist es nicht so weit. Wir schlängeln uns an der Küste entlang in Tagesetappen. Erste Station war zunächst Pedro Gonzales in den Las Perlas, das kannten wir ja schon. Der zweite Tag brachte eine längere Strecke übers Meer. Mit einem Reff im Groß und der Genua konnten wir die Strecke gut segeln.

Kreuzen unter Segel des Verkehrstrennungsgebiets der Anfahrt zum Panamakanal. Man beachte den vorschriftsmäßig rechtwinklig zum Gebiet gehaltenen Kiel des Bootes. 🙂

Die gestrichelten Linien zeigen, wo das jeweilige Schiff in 10 Minuten sein wird. Man sieht also, dass wir uns beeilen mussten, zwischen den großen Pötten durch zu kommen.

Die Insel “Isla Iguana” erreichten wir allerdings erst gegen 20 Uhr, dann ist es hier schon dunkel. Das Ankern im Dunkeln und bei viel Wind ist immer wieder ein Abenteuer. Hinzu kam, dass in der Bucht auch noch ein Riff sein sollte. Ich stand schon vorne an der Ankerwinsch, als Mathias plötzlich kräftig Gas gab und noch eine Runde drehte. Der Tiefenmesser hatte plötzlich nur noch 1,70 m m angezeigt. Das heißt zwar 1,70 m unter unserem Kiel, also ca. 3,50 m Wassertiefe, aber der Schock saß trotzdem. Die Nacht war recht schaukelig, da die vorherrschende Windrichtung parallel zur Insel war. 

Sonnenaufgang Isla Iguana

Am dritten Tag blies der Wind mit bis zu 36 kn aber auf tiefem Raumkurs, wir nutzten nur die Genua und erzielten gute Geschwindigkeit damit. Maximale Geschwindigkeit 12,7 Knoten, Durchschnitt 7,1. Weil es so flott voranging, beschlossen wir, die Halbinsel zu umfahren und erst auf der westlichen Seite wieder in eine Ankerbucht zu fahren. Auf dieser Strecke kamen wir an den südlichsten Punkt unserer bisherigen Reise: 7° 16,56’ N; 80°51,5’ W. Von nun an geht es zunächst wieder nach Norden. Die Reise in die Südsee haben wir ja auf das nächste Jahr verschoben, wenn Corona es zulässt. 

Die Ankerbucht “Bahia Naranjo” sah sehr hübsch aus, aber auch hübsch einsam. Ein kleines Haus gab es und Mobilfunkempfang :).

Der vierte Tag bot alles von 4 bis 21 Knoten Wind – Motor an und aus – morgens 2 Reffs, dann keine mehr. Am 5. Tag wechselten wir zwischen Motor und Segel hin und her.

Am 6. war vormittags Flaute und dann kam Wind. Die Ankerbuchten waren sehr nett und nun haben wir es bald geschafft. 

Fischer ohne AIS

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Dieser Beitrag hat 7 Kommentare

  1. Werner

    Schön das Ihr wieder unterwegs sein könnt! Alles Gute für Euch – hier schneit es seit in paar Stunden ziemlich doll, aber wir freuen uns, denn die Temperaturen bleiben wohl ein paar Tage unter null und dann können wir den Schnee wenigstens etwas genieße.
    Bis bald
    Werner

    1. trimaran-san

      Viel Spaß im Schnee. Der Wechsel der Jahreszeiten hat ja auch etwas Gutes. Bei uns ist es nach wie vor zu heiß, aber da wieder Trockenzeit ist, habe ich die Polster vom Sonnendeck wieder raus geholt und nun können wir während der Fahrt wieder dort bequem sitzen und den Wind genießen.
      LG Birte

  2. Micheline

    Oh schön, ihr seid wieder unterwegs. Costa Rica. Bin sehr gespannt was ihr dort erlebt. Verpflegung habt ihr ja genug mit. Vielleicht gibt’s dort gemeinsame Einkaufstage! 🤣
    Heute gibt’s im TV den ganzen Abend Südpazifik, über und unter Wasser. Wahnsinnig! Irgendwann werdet ihr auch darüber berichten. Der Ozean ist so groß und ihr habt noch so viel Zeit.
    Freue mich über jeden Bericht aus diesen unendlichen Weiten. Bleibt gesund. Viel Wind.
    Lg. Micheline

  3. Micheline

    Hallo ihr beiden,
    Nachdem ich gestern den ganzen Abend bis tief in die Nacht den Bericht im TV über den Südpazifik gesehen habe, frage ich mich – obwohl ihr ja im Moment noch im nördlichen stillen ocean seid – gibt es ein Frühwarnsystem für einen Zyklopen und für Vulkanausbrüche im Meer? Segelt ihr erstmal an der Küste bis Costa Rica entlang, und steuert dann irgendwann bestimmte Inselgruppen tausende von km mitten im Ocean an, die ihr unbedingt sehen wollt (und wir hier natürlich auch) ?! Richtet sich euer Ziel nach den Winden (natürlich zuerst nach corona) ?
    Bin sehr gespannt !!!
    Liebe Grüße aus minus 5,6 grad
    Micheline

    1. trimaran-san

      Hallo Micheline, ja, ich habe mich bei einem Frühwarnsystem für Tsunamis registriert. Da kommt auch alle 2 Wochen oder so eine Mail. Aber das ist immer sehr weit weg bisher… Und Wetter, da haben wir ja PredictWind und das deutsche Seeman Pro von Wetterwelt. Damit bekommen wir Wetter Updates über Sat phone oder Kurzwelle auch auf hoher See.

      Wir wollen erstmal entlang der Küste hoch. Meistens in Tagesschlägen mit nächtlichem Ankern. Nur Nicaragua und Honduras werden wir auslassen. Idealerweise kommen wir so bis USA und Kanada hoch. Aber Corona spielt momentan nicht mit, die Grenzen Mexiko USA und USA Kanada sind beide seit Monaten dicht…

      Wenn wir hier die Prozeduren der Einreise in Costa Rica hinter uns haben, werden wir auch wieder zusammen einkaufen gehen. Es sollen hier mehrere kleine Supermärkte in Fußgänger Reichweite sein. Die Marina ist klein und niedlich. Alle nett hier. Wir sind also sehr guter Dinge!

      VLG, Mathias

  4. Matthias Giesenschlag

    Schön zu hören, dass es bei Euch weitergeht! Wie sieht denn Eure Streckenplanung für das 1. HJ 2021 aus? Habt ihr einen Überblick darüber, in welche Länder ihr ohne Probleme einreisen könnt? Hier in der (k)alten Heimat geht in den nächsten Monaten ja hoffentlich die Corona-Impfung voran. Habt ihr unterwegs auch die Chance euch irgendwo impfen zu lassen? Mit lockdownigen Grüßen – Matthias

    1. trimaran-san

      Hallo Matthias, wir hoffen, dass wir uns irgendwo hier impfen lassen können, aber das wird vielleicht noch Monate dauern. Costa Rica ist vielleicht noch am einfachsten. Mexiko denke ich keine Chance, und die Grenze nach USA ist noch dicht bis auf weiteres. Also, so ein richtiges Planen ist nicht möglich…

      Momentan versuche ich gerade auf Spanisch die Drohne in Costa Rica registrieren zu lassen… 🙂

      VLG, Mathias

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