SAN

three hulls, two people, one trip around the world…

Pazifik – Kanal – Atlantik

Nun sind wir schon eine Weile in Panama. Das Einklarieren lief problemlos ab. Unsere Impfnachweise reichten, nur mussten wir am zweiten Tag nochmal zusammen an Land, weil sich die Vorschriften dahingehend geändert hatten, dass nicht mehr der Skipper alleine die gesamte Crew anmelden darf. Auch musste Mathias ein paar Extra-Gebühren entrichten, weil wir nicht mit einem Agenten einklarierten. Den Cruising-Permit für die panamaischen Gewässer sollten wir noch einen anderen Tag abholen. Als wir das zweite Mal da waren, machte es den Eindruck, der Beamte hätte vergessen, dass der Permit noch ausgestellt werden musste. Mathias wurde nach einer Woche nochmal vorstellig und da begannen sie dann, endlich das Formular auszufüllen. Das erklärt, weshalb manche Segler lange auf das Papier warten müssen, andere es sofort bekommen. Hängt von der Tagesform des zuständigen Beamten ab.

Wir verbrachten unsere Zeit teils in der Ankerzone Las Brisas bei Panama City, teils in den Las Perlas Inseln. Zu den Las Perlas waren wir geflüchtet, weil das Wasser in Panama City voller Plastikmüll war und das Ankerfeld von vielen Schiffen genutzt wird, also gar nicht sehr sauber sein kann. Während unserer Zeit dort versanken zwei Schiffe, was auch zur Verschmutzung des Wassers beiträgt. Leider mussten wir feststellen, dass auch die Las Perlas nicht mehr von der Plastikflut verschont bleiben. Wir ankerten an einer Insel, bei der wir auch während der Covidkrise waren. Damals war es dort schön, jetzt schwammen regelmäßig Plastik- und Holzreste am Boot vorbei und der Strand war übersät mit Plastikflaschen und Schuhen, die dort angespült wurden. Wie kann es sein, dass die Leute dauernd ihre Schuhe verlieren, ohne dies zu bemerken? Da hatte die Natur in der Pandemiezeit eine Ruhepause, jetzt wird wieder einfach alles ins Meer geworfen? Es ist jedenfalls hier deutlich mehr Müll zu sehen als in Costa Rica oder in Mexico.

Die Zeit in Panama City nutzten wir, um Pakete zu empfangen. Z.B. den neuen Turbo für unseren Motor. Mathias baute ihn selbst ein und wir testeten die Maschine auf der Fahrt zu den Las Perlas, alles wieder bestens. Zwar kommen wir noch nicht auf die alten möglichen Umdrehungszahlen, aber 2750 rpm sind drin und damit 7-8 Knoten Geschwindigkeit. Die braucht man für die Kanaldurchfahrt.

Nach langer Zeit mal wieder in einer Großstadt erlebten wir die typischen Großstadtprobleme. Den echten Feierabendverkehr Panama Cities hatten wir während der Covidbeschränkungen gar nicht kennengelernt, und so machten wir den Fehler, Freitag nachmittags mit dem Bus zu fahren. Schon auf dem Hinweg füllte sich der Bus bis zur Belastungsgrenze, auf dem Rückweg stand man dann im Stau. Dabei konnte ich die Fahrweise der Panamesen beobachten. Blinken bei Spurwechsel ist hier gänzlich unbekannt, genau wie der Blick in den toten Winkel (zumindest bei Taxifahrern). Von meinem Busfenster beobachtete ich ein Auto, in dem drei Frauen mit blau lackierten Fingernägeln saßen. Die Beifahrerin redete wild gestikulierend auf die Fahrerin ein. Die ließ das aber völlig kalt, da sie sich ohnehin gerade auf ihr Handy konzentrierte, während sie links abbog, um eine Nebenstrecke zu fahren, die vielleicht den Stau umging. Handy am Steuer ist hier nichts Ungewöhnliches. Nach den Frauen setzte ein Busfahrer neben uns einen neuen Rekord: Er konnte nur noch mit den Ellbogen steuern, weil er gleichzeitig mit zwei Handies hantierte. Trotzdem sind wir immer heil nach Hause gekommen.

Positiv beeindruckt sind wir von der Handhabung des Impfens hier in Panama. Die Impfmöglichkeiten werden zu den Menschen gebracht. Mitten im Busbahnhof gibt es Tische und Stühle. an denen Ärzte und Krankenschwestern sitzen. Man geht einfach hin und kann sich unangemeldet seine Covid Impfung oder Auffrischimpfung abholen. Auch andere Impfungen sind dort im Angebot und für uns das Beste: Jeder bekommt sie, auch die Ausländer. Mathias und ich haben nun unsere Booster Shots. Es wurde mit Biotech/Pfizer geimpft, wodurch Mathias nun “cross” geimpft ist, ich allerdings nicht.

Manchmal trifft man schon ulkige Typen. Mathias spricht gerne andere Segler an und lässt geschickt seine Ankerapp zum Thema werden, wenn es sich ergibt. In Las Brisas ist er dabei an einen beratungsresistenten Segler geraten. Der meinte, Berechnungen seien für ihn nur interessant, wenn sie mathematisch exakt sind und alle Einflüsse genau erfassen. Noch nie etwas von einer Modellberechnung gehört? Statt sich also anzuschauen, was die App kann, vertraut er lieber auf sein Bauchgefühl beim Ankern. Trotzdem (oder deshalb?) war er gerade mit seinem Boot durch das Ankerfeld geslippt. Die Kette an seinem Boot wurde völlig ohne Ankerstropp gehalten, solche Leute werden bei Mathias gleich in die Kategorie „Feindbild – Vorsicht!“ eingeordnet. Als er dann als Argument brachte, er habe neben seinem Anker nun einen Kettenhaufen angelegt, es könne also gar nichts passieren, wusste Mathias, dass es Zeit war, einen geordneten Rückzug anzutreten und darauf zu achten, nicht in der Nähe dieses Bootes vor Anker zu gehen. Denselben Segler sahen wir wieder am Dinghydock, wie er die Paddel seines Dinghies “anschloss”, indem er sie einmal mit einer Metallkette um den Stil umwickelte. Er hat eindeutig ein gestörtes Verhältnis zu Ketten. 😉

Tatsächlich erwischte es uns auch einmal in Las Brisas. Wir hatten nur ca. 50 m Kette gesteckt, weil die Boote hier recht dicht aufeinander liegen. Das war auch genug, bis ein ordentlicher Wind aufkam mit bis zu 32 Knoten Wind. Hinzu kam der schlickige Untergrund. Wir waren an Bord und ich rechnete schnell mal mit der App nach: wir bräuchten 90 m. Mathias war schon am Steuerstand und kurz darauf slippten wir auch einige Meter. Also, Motor an und dagegenhalten. Es ging alles gut. Als der Wind nachgelassen hatte, holten wir den Anker hoch und fuhren an eine neue Stelle weiter entfernt vom Dinghysteg. Hier liegen weniger Boote, man kann also mehr Kette ausbringen. Wir waren bei dem kräftigen Wind nicht die einzigen, deren Anker slippte. Zum Glück waren bei den Booten um uns herum die Crews an Bord und konnten, so wie wir, die Situation beherrschen. Wobei ein Boot hinter uns ziemlich umher eierte. Dies ist ein Indiz dafür, dass man sein Boot nicht über längere Zeiten am Anker alleine lassen sollte.

Aber auch nette Leute haben wir kennen gelernt: Helen und Phil aus Neuseeland. Sie waren gleichzeitig mit uns auf der Suche nach jemanden, der Gasflaschen füllen kann. Das Befüllen unserer zwei großen Gasflaschen hat hier geklappt, auch wenn wir wahrscheinlich zu viel dafür bezahlt haben. Mit Helen und Phil besuchten wir uns ein paar Mal gegenseitig auf den Booten. Nun fahren sie in die komplett gegengesetzte Richtung weiter. Sie waren in Europa und wollen auf schnellem Weg zurück in ihre Heimat. Da es nicht die übliche Saison für eine Pazifiküberquerung ist, warten sie auf ein geeignetes Zeitfenster und stehen mit einem Wetterdienst und Routenplaner in Neuseeland in Verbindung. Wir dagegen kontaktierten unseren Kanalagenten und bereiteten uns auf die Fahrt von West nach Ost durch den Panamakanal vor.

Mathias wanderte noch durch eine uns bisher unbekannte Wohngegend in Balbao. Schließlich darf man sich ja wieder frei bewegen:

Bevor es losgehen sollte, fuhren wir in die Marina La Playita ein. Wir wollten noch den Volvo-Motorservice machen lassen und auch unseren Proviant aufstocken. Auf der Atlantikseite kommt man nicht mehr so bequem an größere Supermärkte ran. Den Volvoleuten hatten wir schon vor einer ganzen Weile Bescheid gegeben. Aber sie schafften es nicht, sich zu melden. Die Niederlassung hier scheint nicht an Aufträgen interessiert zu sein. 

Von der Marina ging es am Sonntag, 10. Juni 22, morgens um 4 Uhr schon los. Wir hatten wieder Line-Handler von unserem Agenten organisieren lassen. Das hat den großen Vorteil, dass sie wissen, was zu tun ist. Drei nette junge Männer kamen also mit an Bord. Vor der Marina wurde der Advisor per Kontrollboot bei uns abgesetzt. Bei Kanalfahrten von kleinen Booten gibt es einen Advisor keinen Lotsen. Das bedeutet, dass der Skipper weiterhin die Verantwortung trägt. 

Die Fahrt in die West-Ost-Richtung geht schneller, da wir nicht übernachten mussten. Durch das frühe Aufbrechen konnte die Passage an einem Tag zurückgelegt werden. Auch die Verpflegung wird einfacher, wir brauchten nur Frühstück und Mittagessen anzubieten. Das Frühstück kam gut an, alle waren ja auch hungrig, nachdem wir schon die erste Schleusenrunde hinter uns hatten. Mittagessen war etwas komplizierter. Der richtige Zeitpunkt konnte nicht vorhergesagt werden und meine vorgekochte Lasagne brauchte ewig, um im Ofen wieder durchzuwärmen. Ich fürchte, da war das Essen nur lauwarm. 

Die Miraflores Locks passierten wir hinter einem Frachtschiff. Wir machten seitlich am Tugboot fest. Das war relativ einfach.

Bei der Fahrt über den Gatunsee hängte uns der Frachter aber geschwindigkeitsmäßig ab und man muss in den Agua Clara Schleusen auch vor dem großen Schiff einfahren, weil es da runter geht. Da wir alleine waren und nicht genügend Personal an den Schleusen bereitstand (Sonntag?), mussten wir an die Seitenwand statt in der Mitte der Schleuse liegen zu können. Wir brachten alles, was wir an Fender finden konnten auf die eine Seite der SAN. So geschützt gab es keine Schwachstelle mehr und wir konnten an den rauen Betonwänden hinuntergleiten. 

Hinter den Schleusen fuhren wir in den Atlantik ein. 

Die ersten beiden Nächte verbrachten wir in der Shelter Bay. Wir mussten uns von all der Aufregung erholen. Ich hatte sogar Muskelkater, weil ich während der Kanalfahrt ständig am hin- und herrennen gewesen bin. Ich sollte wohl mal ein Fitnessprogramm anfangen…..

Nächste Station war die Bucht bei Puerto Bello, hier ist es ruhiger und es gibt Funktürme. 

Die zwei hinteren Solarpanels wurden vom Watt-and-Sea Solarregler auf einen der Mastervoltregler umgeschaltet und laden nun die Batterien besser mit.

Kabel leben nicht lange in diesem Klima. Mathias machte aus zwei Ladegeräten eins. So wird sein Rechner noch mühselig am Leben gehalten. Die Tastatur und das Trek-Pad funktionieren ja schon nicht mehr und nun gingen uns auch die Lademöglichkeiten aus. Wir werden uns wohl in Deutschland einen neuen Rechner gönnen, aber der muss dann ja auch wieder mit in das schlimme Klima hier. Deshalb wird es nur einen neuen geben. Dann freuen wir uns schon auf die „Rechenzeit“-Kämpfe, denn so ein neuer Rechner verspricht nicht nur beim Programmieren sondern auch für das Filme-Bearbeiten eine bisher ungeahnte Geschwindigkeitssteigerung!

Jetzt heißt es packen und das Boot auf den Aufenthalt an Land vorbereiten: Im August wollen wir auf Besuch nach Deutschland fliegen.

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Dieser Beitrag hat 2 Kommentare

  1. Helmut Meyer

    Hi Birte @ Mathias,
    zunächst – Euer … nennen wir es Logo: „three hulls, two people, one trip around the world …“ bedarf eines Updates. „three hulls“ – bleibt, „two people“ – hat ebenfalls Bestand – zumindest solange Ihr keine weitere Person an Bord habt😎, „one trip“ – soweit auch noch ok, „around the world“ – really unfortunately this has to be changed to i.E. „look around in this world“.

    Die „Panama Papers“ waren Euch ja schon vorher bekannt – das geht so easy, weil man in Panama im Umgang mit „Papers“ geübt ist.

    Eine Kanaldurchfahrt ohne Maschine – mit einen reinen Segler oder definitiv defekter Maschine wäre nur per Schlepper machbar – korrekt?

    Mathias wanderte wahrscheinlich durch eine Wohngegend von Balbao (nicht Bilbao?). An Balbao habe ich eine besondere persönliche Erinnerung – als mein Dampfer von der Hanseatischen Reederei dort abends vor Anker lag und ich mit ein paar nahezu volltrunkenen Besatzungsmitgliedern auf einen lokalen Zubringerboot zurück zum Dampfer fuhren, wollte ein Panamese des Zubringerbootes die Betrunkenen berauben. Dank eines Totschlägers, den ich dabei hatte und mit dessen Einsatz ich drohte, konnte dies gerade noch so eben verhindert werden …

    Gutes Anlanden der SAN @ Euch einen perfekten Flug nach Old-Germany !!
    So long@short – Yours – Helmut

  2. trimaran-san

    Hallo Helmut,
    danke für die Fehlerkorrektur Bilbao, habe ich schon eingetragen.
    Unser Motto bleibt bestehen. Im Englischen bedeutet „around the world“ nicht zwangsläufig einmal rundherum, man kann es auch mit „in der Weltgeschichte umherreisen“ übersetzen. Außerdem war auch beim ursprünglichen Plan nicht zwingend die Umrundung geplant, es sollte über Japan wieder zurück gen Amerika gehen und dann wollten wir mal schauen….
    Viele Grüße
    Birte

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