SAN

three hulls, two people, one trip around the world…

Zihuatanejo und Puerto de la Navidad

Zihuatanejo

Zihuatanejo liegt in einer mittelgroßen Bucht. Es lagen eine Menge kleine Boote dort vor Anker und 2 Segelboote. Quer über die Bucht fuhren in kurzen Abständen Wassertaxis, um die Leute zu einer Strandgegend zu bringen. Wir hatten von einem anderen Boot gehört, dass man mit diesen Wassertaxis mitfahren konnte, um einfach an Land zu kommen. Es dauerte etwas, bis einer auf uns aufmerksam wurde, aber auf diese Art mussten wir uns keinen Platz für das Dinghy suchen und man kam tatsächlich sehr  bequem an  Land für ein kleines Entgelt.

Die Stadt hat viele kleine Läden. In der Hafengegend sah es aus, als wäre es für Kreuzfahrttouristen ausgelegt. Tatsächlich fuhren auch früher Kreuzfahrten hierher, wir fragten uns nur, wo die Schiffe anlegen würden, oder ob die Leute von den vielen kleinen Booten von vor Anker liegenden Schiffen gebracht würden. Zumindest fehlen zur Zeit die Touristen in diesem Teil der Stadt. Zu Fuß kommt man leicht in die zentrale Einkaufsgegend mit weiteren kleinen Geschäften und Marktständen, in denen es von Leuten wimmelt, allerdings eher Einheimischen als Touristen. Das Gute an der Stadt ist, dass es neben den unzähligen Zeugläden auch viele Gemüseläden und einige gut bestückte Werkzeugläden, bzw. Werkzeug- und Bootszubehör-Läden gibt. Wie Ihr Euch vorstellen könnt, haben wir immer irgendetwas, das repariert werden muss und überhaupt wird Mathias in einem Werkzeugladen zur Shoppingqueen (oder -king). Wir besorgten Ersatz für eine Ahle, die über Bord gegangen war, und einen Satz Mini-Schraubendreher, damit ich meinem immer noch zickenden Polaroid-Drucker nochmal auf den Zahn fühlen kann. Durch Zufall entdeckten wir, dass ein Teppichladen eigentlich eine Weberei war. Dort gab es auch Kissen und Decken, Tischläufer und Taschen, alles in der 4. Generation handgewebt. Diese Bucht gefiel uns gut und wir blieben gleich einen Tag länger. 

Aber man sollte allmählich die Gegend hier Richtung Norden verlassen, um den Hurrikans zu entgehen. Die Fahrt entlang der Küste bot wieder alles von Windstille bis ordentlich Wind auf die Nase. Wir kamen an zwei etwas größeren Häfen vorbei. Der eine hatte sogar eine Schifffahrtsstraße als Einfahrt. Da muss man immer etwas aufpassen, wenn man die quert. Die großen Schiffe sind immer sehr schnell unterwegs und auch in den Fällen, wenn wir Vorfahrt haben, sind sie immer noch stärker als wir und sollten sie uns nicht sehen, könnten wir leicht überfahren werden. Wir teilten uns die Strecke wieder in kleinere Abschnitte auf. Es ist einfach entspannter, nachts vor Anker zu liegen, auch wenn es manchmal schaukelt. Wieder begleiteten uns oft viele Delfine. Die sind eindeutig intelligenter als Menschen, sie kommen angeschwommen, haben ihren Spaß mit dem Boot und es kostet sie keinen Cent 😉

Nächster längerer Aufenthalt war Marina Puerto de la Navidad. Wir waren kurz vor der Marina, als sich eine tropische Depression entwickelte, die drohte zu einem Sturm zu werden. Im Vorfeld gab es ein paar Tage mit kräftigem Wind von vorne. Wir hatten die Wahl, entweder durchzufahren bis Vallarta, oder nur eine kurze Strecke und den Gegenwind in Puerto de la Navidad abzuwarten. Da das ein netter Ort sein sollte, beschlossen wir, es dort zu versuchen. Die Carry On hatte per Telefon gesagt bekommen, dass die Marina voll sei, im Reiseführer stand, man solle einfach reinfahren. Das probierten wir dann auch. Die Marina liegt in einer Lagune und dann etwas um die Ecke versteckt. Man muss im Einfahrtskanal bleiben, sonst wird es zu flach. Wir machten erst einmal an einem Außensteg fest, an dem es einfach war, zu zweit anzulegen ohne Hilfe von Land. Es stellte sich heraus, dass die Marina noch viele Plätze hatte, da es Nebensaison ist. Wir parkten noch um in eine  breite Box. Die Carry On hatte inzwischen auch Acapulco verlassen und wollte möglichst weit nach Norden kommen und suchte einen guten Platz, um den angekündigten Sturm abzuwettern. Sie standen mit uns in Kontakt und fuhren einige Nächte durch. Bei uns kamen sie gegen 23 Uhr an und wir nahmen sie in Empfang an dem außen liegenden Quersteg, danach hatten sie auch noch uns zu Besuch bis nachts um 2 Uhr, bevor sie sich endlich ausruhen konnten. Am nächsten Tag konnte auch die Carry On noch umparken.

Inzwischen hatte sich die Depression weiterentwickelt und war zu einem tropischen Sturm geworden. Dieser bekam nun einen Namen “Dolores”. Stürme mit Namen sollte man ernst nehmen, aus ihnen können schon mal Hurrikans werden. Auch die Versicherungen haben einen Passus, dass Schäden aus Stürmen, die einen Namen haben, nur versichert sind, wenn man gewisse Sicherheitsvorkehrungen vornimmt. Wir beobachteten also die Vorhersagen. Erst wollten wir noch weiter nach Vallarta, bevor der Sturm an Land kommen sollte, dann war aber die Laufrichtung so doof vorhergesagt, dass wir lieber in der Marina blieben. Mit 14 Festmacherleinen sicherten wir die SAN und täuten noch extra Bändsel um das Segel und banden alles fest, was klappern konnte. Der Sturm sollte ziemlich genau über uns hinweg fegen mit bis zu 60 Knoten Wind. Zum Glück kam es anders und am letzten Tag änderte Dolores wieder die Richtung ein wenig. Bei uns kam kaum Wind an, aber eine Menge Regen. Allerdings auch der mehr als Landregen als als stürmischer Regen. Waren wir natürlich nicht böse drum. 

Die Marina Puerto de la Navidad ist an ein Ressorthotel angeschlossen. Dort kann man den Pool mitbenutzen und auch in die Restaurants gehen. Es ist eine hübsche Anlage, in der um diese Jahreszeit plus Corona kaum Gäste waren. Für mich war das gut, ich konnte in Ruhe im Pool meine Bahnen ziehen, ohne ständig Leute umschwimmen zu müssen. Die meisten “Schwimmer” standen eh nur an der vom Wasser aus zugängigen Bar, bewegen taten sich höchstens mal ein paar Kinder. Im Regen hatte ich den Pool sogar für mich alleine 🙂

In den Ort am anderen Ende der Bucht kam man auch wieder ganz einfach per Wassertaxi. Barra de Navidad ist ein kleiner Ferienort mit Geschäften und Restaurants, wir konnten also immer frisches Obst und Gemüse bekommen. Sollten wir unser Boot mal für eine Weile alleine lassen wollen, wäre diese Marina ein guter Ort dafür. Es gab einige amerikanische Schiffe, die auf längere Zeit in der Marina lagen, um die Hurrikansaison abzuwarten. Das lokale Funknetz konnten wir irgendwie nicht empfangen. Bis uns jemand darauf aufmerksam machte, dass es auf dem amerikanischen Kanal 22 lief. Das ist ein Simplexkanal, der sendet und empfängt auf derselben Frequenz. Der internationale Kanal 22 ist ein Duplexkanal, er sendet auf dieser Frequenz, die Geräte benutzen aber eine andere Frequenz zum Empfangen. Deshalb konnten wir die Antworten nicht hören. Wir haben aber ein Handfunkgerät, das auf das amerikanische System umgestellt werden kann. Mit diesem Gerät konnten wir dann den Marinafunk anhören und auch endlich die Antworten der Wassertaxis zumindest akustisch verstehen. Der Inhalt erschloss sich uns trotzdem nicht immer, da die Antwort auf südamerkanischem Spanisch erfolgte 😉

Das Restaurant der Marina probierten wir an einem Abend aus. Wir waren nicht so ganz sicher, ob wir dress-code-mäßig vielleicht falsch lagen wegen unserer kurzen Hosen. Die Kellner hatten sehr gepflegte Uniformen mit pastellfarben geblümten Westen an. Dann kam nach uns eine mexikanische Familie ins Restaurant und wir machten uns keine Gedanken mehr: Er trug Badehose, Flip Flops und Unterhemd (oder heißt das Muskelshirt, auch wenn es keine Muskeln zeigt?). Man scheint da also in Mexiko relaxter zu sein als in Panama. Kann sich das Maritim in Travemünde mal eine Scheibe von abschneiden. Die haben Mathias auf einer Konferenz mal nicht reingelassen, weil er in kurzer Hose war. Wobei seine kurzen Hosen bis fast zum Knie gehen und Mathias Radfahrerbeine sehenswert sind (er ist mal in einem Pub in Glasgow dafür gelobt worden;)).

Nicht im Restaurant: Curryreis bei uns an Bord
Dr. Wagner

Wenn Mathias hier die offiziellen Papiere vorlegt, wird er oft angelächelt. „Dr. Wagner“ ist der Künstlername eines berühmten mexikanischen Ringers. Der hatte zwar 1961 seine Hochzeit, aber sein Sohn kämpfte als „Dr. Wagner jun.“ und ein Enkel als „El hijo de Dr. Wagner jun.“ weiter. Eine ganze Ringerdynastie also heißt hier „Dr. Wagner“.

Man merkt, wir haben uns mit Mexiko angefreundet. Mal schauen, wie es in der Sea of Cortez so wird, da soll ja das Klima nicht mehr ganz so tropisch sein. Also vielleicht auch mal wieder ein paar kühlere Tage in Aussicht? Obwohl wir da auch nicht meckern sollten, während der Regentage in Puerto de la Navidad musste man schon ein T-Shirt überziehen….

Nächstes Mal erzähle ich Euch, wo wir waren, als der Sturm „Enrique“ an der mexikanischen Küste entlang zog.

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Dieser Beitrag hat 10 Kommentare

  1. Chrissi & Dirk

    Hallo ihr Lieben, da seid ihr ja in einem richtigen kleine Paradies gelandet. Sehr schöne Bilder die Lust auf die Ferne machen. Habt weiterhin viel Spaß und steckt euch nicht an.
    Liebe Grüße aus Hamburg,
    Chrissi & Dirk

    1. trimaran-san

      Hallo Chrissi und Dirk,
      ja, Puerto de la Navidad ist sehr nett. Inzwischen sind wir aber schon weiter, immer auf der Flucht vor den Hurrikans und weil wir in die Sea of Cortez möchten.
      LG
      Birte

  2. Thorsten

    Liebe Birte, lieber Matthias, wieder ganz tolle Bilder und ja, man merkt, dass Euch Mexiko gut gefällt. Matthias als Ringer erzeugt auch Bilder im Kopf 😉
    Wenn ich Euren aktuellen Aufenthaltsort richtig deute, seid Ihr bereits an der Einfahrt in den Golf von Kalifornien, oder? Wollt Ihr da rein? Oder wollt Ihr weiter an der Küste hoch?
    Viele Grüße aus Hamburg, Thorsten

    1. trimaran-san

      Hallo Thorsten,
      wir wollen erstmal in die Sea of Cortez, das ist der Golf von Kalifornien. Hier hat alles mehrere Namen, ist manchmal etwas verwirrend. Aber ganz bis in den Norden werden wir da wohl nicht hochfahren. Es geht gegen die vorherrschende Windrichtung und es soll starke Gezeitenströmungen geben. Außerdem ist ab etwa der Hälfte der Sea of Cortez die Mobilfunkabdeckung gleich Null! Das heißt dann Internet gleich Null! Können wir unseren Bloglesern nicht antun 😉
      LG
      Birte

  3. Andreas

    Hallo Ihr Zwei Weltreisenden,
    ich kann mich nur anschließen, wirklich sehr schöne Bilder, welche die Lust auf das Reisen nur noch größer werden lässt. Ihr habt sicher eine (meistens ;-)) tolle Zeit und immer viel zu erzählen.
    Ich freue mich immer wieder über eure Berichte und warte dann gespannt auf die Fortsetzung.
    Viele Grüße aus den Norden Hamburgs (oder südlichen SH)
    Andreas

    1. trimaran-san

      Hallo Andreas, uns kommt es gar nicht so vor, als ob wir so furchtbar viel erleben würden… Aber halt jeden Tag etwas. Und alles ist immer neu, worauf man sich halt immer wieder einstellen muss. VLG, Mathias

      1. Micheline

        Wirklich tolle Bilder und spannend die Flucht vor dem großen Sturm. Curryrice bei euch an Bord – ich würde nicht nein sagen. Mir läuft das Wasser im Mund zusammen. Ich mache gerade mit einem VW-Bulli eine Tour durch die mecklenburgische Seenplatte. Telefonisch sind die Stellplätze immer belegt und wenn wir hinfahren bekommen wir immer einen Platz!
        Freue mich auf den Bericht vom Sturm Enrique.
        Viele Grüße aus Himmespfort am Stolpsee
        Micheline

        1. trimaran-san

          Hallo Micheline,
          da bist Du gerade aktiver als wir. Wir haben mit unserem „VW-Bus“ in Vallarta festgehangen. Es waren zahnärztliche Behandlungen nötig.
          LG Birte

  4. Reinhold

    Ganz malerisch, das Zitzewitz. Wer ist denn der eherne Frackfritze mit Maschinengewehr? Ein unzufriedener Kunde?

    1. trimaran-san

      Davon gibt es hier viele Statuen, mit und ohne Waffen… Wir schauen uns die Namen drauf nie an… 😉

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