SAN

three hulls, two people, one trip around the world…

Playas del Coco – Costa Rica

Die kleine Stadt, vor der wir ankern, heißt Playas del Coco. Hier gibt es Restaurants, Einkaufsmöglichkeiten, Banken und touristische Touren. Neben uns liegen zwei große Katamarane, die täglich Schnorcheltouren veranstalten. Manchmal sieht man leicht bekleidete exotische Schönheiten an Bord, die wohl für einen Fotoshoot aufs Meer fahren. Man kann auch einen Schnuppertauchkurs buchen.

In Playas del Coco befindet sich der Trans-Ocean-Stützpunkt für Costa Rica. Diese Stützpunkte sind (ehemalige) Segler oder Amateurfunker, die in den jeweiligen Ländern leben und ihre Adresse zur Verfügung stellen und bereit sind, Trans-Ocean-Seglern mit Rat und Tat zur Seite zu stehen. Hier in Coco macht das Gunter Winter. Er ist in seinen 80ern und hat die Stützpunktfunktion vor ein paar Jahren übernommen. Seitdem sind wir die ersten, die tatsächlich mal hier anhalten und vorbeischauen.

Wir hatten einen triftigen Grund: Unser Stereoradio, das bei einem Blitzeinschlag neben uns kaputt gegangen war, sollte als Garantieleistung ersetzt werden. Dafür brauchten wir eine Adresse und wir hatten Gunter gefragt, ob wir das Paket an ihn schicken lassen konnten. Er stimmte zu. Pakete können ja verfolgt werden und wir sahen zu, wie das Paket mit dem Radio aus den USA allmählich näher kam. Erst in San Juan beim Zoll und dann hieß es, es wäre dreimal versucht worden, das Paket zuzustellen, aber niemand sei angetroffen worden. Das konnte nicht sein. Es gibt keine genauen Adressen in Costa Rica, die Häuser werden irgendwie beschrieben. Da fehlte also eine Info. Nach langem Hin und Her gelang es Mathias bei Fed Ex noch den Namen des Hauses (Casa Talamanca) nachtragen zu lassen. Nun erreichte das Paket sein Ziel, allerdings musste Gunter fast $400 an Zollgebühren für uns auslegen. 

Als wir das Paket abholen wollten, suchten auch wir eine Weile nach dem Haus. “Casa Talamanca” war nicht überall bekannt. Wir hatten zwar die zusätzliche Beschreibung: “neben dem Haus steht ein Funkmast mit Trans-Ocean-Flagge”, aber ein solches Haus konnte man auch nicht sehen. Es sollte doch nicht so weit vom Strand entfernt sein? 300 m vom Supermarkt entfernt – wir sind doch schon weiter gelaufen. Wir waren schon zweimal die Straße rauf und runter gelaufen, als Mathias nochmal fragte, aber niemand kannte das Haus. Ich ging derweil doch noch ein Stückchen weiter stadtauswärts um die Kurve herum. Und siehe da: der Funkmast, das weiße Haus und die Fahne! Hatten wir es doch noch gefunden. Gunter unterhielt uns mit vielen interessanten Geschichten aus den 1980er Jahren, als er hier ankam, noch „Günther“ hieß und es die Stadt noch nicht gab.

Die Casa Talamanca ist das schöne weiße Haus hinter dem unbebauten Grundstück.

Das Wetter ändert sich langsam. Um die Ostertage war es noch sehr trocken und windig. Wir sahen immer wieder Rauch von Feuern an Land.

Mindestens zwei davon waren Buschbrände, bei denen ein großer Teil eines Bergabhangs brannte. Jetzt blasen die Papagayo Winde nicht mehr so oft und die Regenzeit kündigt sich an. Wir hatten schon mehrere Gewitter. Dabei schalten wir jetzt immer alle Sicherungen aus und ziehen alle Geräte von den Steckdosen ab. Ende April sollte man die Gegend verlassen haben, weil der Regen und die Gewitter jetzt weiter zunehmen.

Regenwolken

Einkaufsmöglichkeiten in Coco sind sehr gut. Uns hat es besonders ein Supermarkt angetan, der Auto Mercado, knapp 2 km die Hauptstraße inland. Dieser Markt ist mit einem Edeka in Deutschland zu vergleichen, nur dass die Gemüseabteilung etwas kleiner ist. Er ist etwas teurer, hat dafür aber ein umfangreiches Angebot auch mit vielen Sachen aus Europa. Es gibt Pumpernickelbrot und Alpen Ceral Müsli aus England. Jedesmal wenn wir an Land gehen, füllen wir dort unsere Rucksäcke und sorgen damit dafür, dass sich unsere Vorräte wieder anreichern.

Die Internetanbindung dient nicht nur dazu, von uns zu berichten. Sie ist auch unsere Möglichkeit ein wenig am Leben zuhause in Deutschland beteiligt zu bleiben. So hatten wir einen kleinen Eindruck hinter die Kulissen beim Dreh des Musikvideos unserer Tochter (https://youtu.be/Lbn_An529RQ). Unsere Tochter singt seit sie 2 Jahre alt ist. Es gibt die schöne Geschichte, als ich sie im Einkaufswagen durch Sainsbury’s schob und sie mit glockenheller Stimme die gerade im Kindergarten gelernten Lieder sang. Da blieb eine ältere Dame stehen und hörte erfreut zu. Dann bemerkte sie wie “lovely” das gesungen sei. Als die Dame weiter ging, fragte Maika mich, was die Leute denn immer hätten, sie sänge doch einfach nur so, wie die Lieder eben seien. Erklär mal einer Zweijährigen, dass eben nicht jeder die Lieder so singen kann, wie sie eben sind und dass es nicht bei allen gleich klingt. Maika hat jedenfalls nie aufgehört zu singen. Wir hatten in Cambridge einen Fahrradanhänger, in dem ich die Kinder überall hintransportierte. Leute, die mir begegneten, mussten glauben, da wäre ein Radio installiert. Maika unterhielt mich die gesamte Zeit mit ihrem Gesang. So ging es weiter. Als sie so 6 war, musste ich auf dem Weg zur Bushaltestelle den Text von “Thank you for the music” von Abba für sie halten, damit sie weiter daran üben konnte. Wieder blieben Passanten stehen um ihr zu lauschen. Mittlerweile hat sie “Contemporary Music Performance” in Cardiff studiert, ihren bachelor gemacht und versucht, sich als Musikerin in Hamburg zu etablieren. Dann kam Corona. Um so toller finden wir ihre Leistung, dieses Video produziert zu haben. Sie musste echte unternehmerische Fähigkeiten entwickeln bis hin zum Organisieren von Covid-Schnelltests. Um die Speicherstadt leer zu haben, hat sich die Truppe sonntags morgens um 6 Uhr dort getroffen. Der erste Dreh ging schief, weil es technische Schwierigkeiten gab und alles unscharf wurde. Der zweite Anlauf musste wegen 80%-ger Regenwahrscheinlichkeit verschoben werden. Aber, aller guten Dinge sind drei. Beim dritten Anlauf hatten sie Glück. Als sie in die Speicherstadt kamen, war gerade eine größere Filmcrew dabei, für eine Produktion alles abzusperren. Die Gelegenheit nutzte Maikas Truppe, sie konnten drehen, ohne dass Passanten störten und waren fertig, bevor die anderen aufgebaut hatten. 

Wenn Ihr genauso begeistert darüber seid wie wir, was junge Leute trotz Ausgangssperre und sonstigen Verboten, auf die Beine stellen, dann schaut Euch das Crowdfunding für das nächste Projekt an. Dort könnt Ihr beitragen, dass diese Truppe weiter kreativ tätig sein kann:

https://www.startnext.com/maikarose

Das Singen und Trainieren der Stimme ist eine Wissenschaft für sich, hier eine Erfahrung, die Mathias machte: Ich singe ja eigentlich auch gerne, aber nach einer schweren Erkältung vor einigen Jahren, war meine Stimme lädiert und ich nahm für einige Monate Gesangsunterricht. Allerdings kam ich als Physiker nicht mit den Erklärungen zurecht: Beim Singen muss man sein Zwerchfell so anspannen, dass Luft in die Lunge reinkommt – beim Ausatmen! Man fühlt dann, wie im Rücken Öffnungen entstehen… Über diesen Punkt bin ich nie hinausgekommen… 😉

Wildlife on SAN:

Solche kleinen Kerle besuchen uns an jedem Ankerplatz. Es ist immer ein Pärchen, ich hatte schon gedacht, sie leben auf unserem Boot. Es ist eine Schwalbenart und sie machen Krach, als seien sie mindestens doppelt so groß.

Morgendliche Nebelschwaden

Nächstes Mal erzähle ich Euch, wie es dazu kam, dass ich ein Seepferdchen in freier Wildbahn sah.

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Dieser Beitrag hat 3 Kommentare

  1. Micheline

    Hallo, ich kann euch nur zustimmen. Die Stimme eurer Tochter ist wunderschön. Ich habe das Video von ihr, und ihren Kommentar dazu schon vor einigen Tagen gesehen und gehört! Tolle Leistung, auch, dass sie damit Danke sagt, zu allen, die an sie geglaubt haben. Hat mich sehr gerührt. Ihr habt
    allen Grund Stolz auf sie zu sein.
    Lieben Gruß
    Micheline

  2. Reinhold

    400$ Zollgebühren! Das war teurer Garantiefall. Und ein Wunder, jemanden zu haben, der das auslegen kann und tatsächlich dazu bereit ist.

    1. trimaran-san

      Ja, das ist happig. Aber das war vorher schon klar. Costa Rica ist dafür bekannt. Man kann sich darüber aufregen, oder es sein lassen. Wir betrachten das als unsere Gebühr dafür, die Gewässer von Costa Rica benutzen zu dürfen… Und wir sind Gunter sehr dankbar, dass er das ausgelegt hat! 🙂 LG, Mathias

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