SAN

three hulls, two people, one trip around the world…

Costa Rica: Manuel-Antonio-Nationalpark und Quepos

Nachdem die Thula zum Panamakanal aufgebrochen war, wurden wir kurzfristig zum kleinsten Cruising Boot in der Bucht: Ein Dreimaster und eine Superyacht trafen ein. Über diese großen privaten Yachten findet man meist Informationen im Internet. Die abgebildete Pi hat z.B. Platz für 12 Gäste und 18 Personen Mannschaft. Sie kann 125 000 l Diesel bunkern. Die Rechnung an der Tankstelle möchte ich nicht sehen 😉 Doch lieber segeln.

Wir liefen erneut den Wanderweg an der Küste entlang und fanden die Ameisen-Autobahn nicht mehr. Die Truppe benutzte jetzt einen Übergang über den Weg, an dem wir beim vorigen Spaziergang nur eine einzelne Soldatenameise gesehen hatten, die sich als Pionier fleißig mit einem viel zu großen Blatt abschleppte.

Letzte Eindrücke aus der Bucht:

Wie die lokalen Boote ans Ufer fahren (4-fache Geschwindigkeit).

Zuversichtlich, dass Costa Rica noch mehr zu bieten hat, verließen wir nun die Drake Bucht.

Kurz bevor wir abfuhren, kamen zwei weitere deutsche Segler in die Bucht, sie hatten aber noch nicht in Costa Rica einklariert und folgten uns später am Tag die Küste entlang. Wir trafen uns alle drei in der Uvita Bucht wieder, wobei wir durch den frühen Aufbruch die thermischen Winde gut ausnutzen konnten und die ganze Strecke unter Segel zurücklegten, während die anderen das letzte Stück motoren mussten. Am Tag darauf fuhren wir weiter in die Bahia Manuel Antonio. Die Fahrt war bei 10 Knoten thermischen Wind und kaum Welle sehr angenehm.

Die Bucht Manuel Antonio ist recht touristisch. Es tummeln sich Jetskifahrer und kleine Motorboote, die Paraglider über die Bucht hinter sich herziehen. Der Strand ist mit Sonnenschirmen und Liegen gut bevölkert. Wir wollten in den Nationalpark Manuel Antonio, in dem man besonders viele Tiere sehen können sollte. Die Fahrt an den Strand sah nicht einfach aus. Wir versuchten es zunächst an einem leeren Stück Strand auf dem direkten Weg vom Boot. Dort klappte die Anlandung nicht elegant. Die Brandungsfrequenz war schneller als gedacht und als ich ausstieg, kam schon die nächste Welle, schlug über das Boot und mich hinweg. Also erstmal Wasser schöpfen und dann abtrocknen? Fast – es kam eine Rangerin auf uns zu und klärte uns darüber auf, dass dieser Teil des Strands schon zum Nationalpark gehöre, wir ohne Ticket nicht dort sein dürften und überhaupt, das Dinghy am öffentlichen Strand lassen sollten. Also nur Wasser schöpfen und wieder raus in die Brandung, um einen Felsen herum fahren und einen neuen Anlauf am anderen Strandabschnitt wagen. Hier sah die Brandung noch schlimmer aus, doch es fand sich eine Stelle, die wir uns zutrauten. Einmal an Land erhielten wir wieder nette Hilfe beim Dinghy auf den Strand und in den Schatten ziehen.

Die Promenadenstraße war voller Geschäfte und Restaurants, auch ein kleiner Supermarkt war zu finden. Die gute Nachricht: Dort gab es das Eis, das wir in Drake Bay so geschätzt hatten. Ein Stopp auf dem Rückweg war also angesagt. Der Eingang zum Nationalpark lag ein Stückchen die Straße hoch, wir entschlossen uns, ohne Tourguide ($20 extra pro Nase) durch den Park zu laufen. Die Wege führten alle entweder auf Holzplattformen oder Steinplatten entlang. Nach Tieren mussten wir nun alleine Ausschau halten, das war aber nicht schwierig.

Besonders die Affen ließen sich durch die Besucher nicht stören. Hat Christian doch den letzten blog kommentiert, dass man meinen könne, Käpt’n Jack Sparrow sei nicht weit, sahen wir hier tatsächlich Jack, den untoten Affen, wie er sich einen Schluck aus der Flasche genehmigte. 😉

Auch ein Faultier spottete Mathias mit seiner 120%-igen Sehstärke. Das war allerdings so hoch oben im Baum, dass es nur wie ein brauner Astblobb aussah. 

Nach all der Landschaft waren wir bereit für einige Segeltage. Aber zunächst mussten wir noch in Quepos Station machen. Dort erwartete uns ein Paket. Viele Recherchen und Tipps von anderen Seglern hatten eine Möglichkeit aufgetan, wie man Pakete zunächst nach Miami schicken lassen kann und sie dann nach Costa Rica durch eine Spezialfirma holen lässt, die sich um die Zollangelegenheiten kümmert. Die Brandung in Quepos ist etwas für Surfer aber nicht Dinghy-Fahrer. Aber es gibt die Marina Pez Vela. Dort fuhren wir mit dem Dinghy hinein und wurden gleich durch freundliche Mitarbeiter in Empfang genommen. Bei der Anmeldung sollten wir alle unsere Schiffspapiere vorlegen. Für das Dinghy? Nein, für die SAN. Aber die ist doch gar nicht im Hafen! Egal, Beiboot ist da und gilt als Teil des Bootes. Also fuhr ich zurück zum Boot und Mathias ging schon mal das Paket abholen. Mit sämtlichen Papieren ausgestattet meldete ich dann unser Dinghy an. Dabei stellte sich heraus, dass wir noch gar nicht das neue Schreiben der Versicherung vorliegen hatten, das jeweils Ende Februar eines Jahres abläuft. Zum Glück glaubte mir der Mitarbeiter, dass die Versicherung weiter läuft. Wir fanden die ganze Prozedur doch etwas übertrieben, merkten aber erst am nächsten Tag, dass der Marinamitarbeiter sehr entgegenkommend gewesen war. Am nächsten Tag wurde nämlich die Anlegegebühr für das Dinghy kassiert:  $ 39 !!

Quepos selbst ist kein besonders hübsches Städtchen. Auffällig sind die enorm hohen Bürgersteige und riesigen Regenwasserkanäle. Da kann man sich gut vorstellen, welche Wassermassen hier in der Regenzeit herunterkommen müssen. Wir waren auf dem Markt und stockten frisches Obst und Gemüse auf. Nach unseren Erfahrungen auf der Kakaofarm wagten wir uns auch an eine Yuccawurzel heran. 

Nicht nur an Land auch auf dem Wasser begegnen uns nun öfter Tiere. Mal begleiten Delphine das Boot, mal sieht man Fische aller Größenordnungen aus dem Wasser springen. Auch einige Rochen haben wir springen sehen. Einer machte einen richtigen Salto Mortale.

Auf dem Weg nach Quepos sahen wir in einer Bucht drei Wale. Wir bogen ab und beobachteten sie eine Weile lang. Nur eine gute Stelle zum Schnorcheln haben wir uns noch nicht gesucht. Man muss ja auch sicher gehen, dass es eine Stelle ohne Krokodile ist.

Die Fahrt entlang der Küste mit thermischen Winden hat Spaß gemacht. Die Winde sind nachmittags schon mal so 12-15 Knoten stark und man segelt mit einem Rumpf aus dem Wasser schnell dahin – fast schon wieder zuviel Schräglage für mich. 😉 Thermischer Wind bedeutet ja, dass nachts und morgens der Wind von Land kommt und mittags von See. Irgendwann am Vormittag gibt es die Zeit der Umkehr, da dümpelt man und treibt eine Weile vor sich hin, bis es wieder weitergeht und man hoffen kann, der Wind schläft nicht schnell wieder ein. Insofern hatten wir diese Tage Glück mit guter Thermik.

Kleiner Nachteil: die Küste hier ist Surfergebiet, das bedeutet Wellen und geschützte Ankerplätze sind nicht leicht zu finden. Dafür sind die Buchten alle mit Mobilfunktürmen ausgestattet und wir können viele Dinge regeln, die zuhause noch so anfallen, und Blog und Videos hochladen. 

Manchmal frage ich mich, wie es war, als auf den Weltmeeren segeln noch ein Abkoppeln von zuhause war und die Kommunikation über Flaschenpost stattfand. Schiffstagebücher und Logbücher wurden damals auch geschrieben, aber der Austausch der Informationen verlief viel langsamer. Das kann Fluch und Segen sein. Auf jeden Fall laufen Auslandsaufenthalte heute anders ab, In meinem Austauschjahr in den USA (1978/79) kosteten Ferngespräche mit Telefonen, die an Schnüren hingen, noch ein Vermögen, Handies, Personalcomputer und das Internet gab es noch nicht. Schrieb ich nach Hause mit einem Problem, hatte ich das schon alleine lösen müssen, wenn 14 Tage später der Antwortbrief eintraf. Als wir selbst vor einigen Jahren eine chinesische Austauschülerin aufnahmen, verbrachte die so viel Zeit am Internet mit ihren chinesischen Freunden, dass ihr das Integrieren ins Gastland nicht gelang, Sie hielt es nicht mehr als ein paar Wochen bei uns aus. Sehr kurz nur noch, als wir ihre Internetzeit auf eine Minute begrenzten. Manchmal freue ich mich ja darauf, einmal den Kindern meiner Enkelgeneration Geschichten zu erzählen. Aber werden sie mir glauben, dass es Telefone mit Wählscheiben gab, Scnwarzweißfernsehen, Testbild am Nachmittag, handgeschriebene Briefe, wenn sie von ihren selbstfahrenden  Autos oder Einpersonflugdrohnen bei mir abgesetzt werden? Ich rechne eher damit, dass sie kommen und sagen:  “Oma,tünst Du noch etwas Seefrausgarn?”

In der Gegenwart führt unser Weg weiter nach Norden und beim nächsten Mal erzähle ich Euch von den Papagayo-Winden.

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Dieser Beitrag hat 10 Kommentare

  1. Reinhold

    Gibt es da Salzwasserkrokodile?

    1. trimaran-san

      Nein, keine Salties im australischen Sinne. Aber die Krokodile hier wandern im Laufe ihres Lebens von kleineren Flüssen zu größeren, um dort auch größere Beute zu finden. Diese Wanderung geht natürlich über das verbindende Meer.

      1. Micheline

        Krokodile im Meer? Ich hätte Angst vor riesigen Feuerquallen…,
        Bin gespannt was Papagayo Winde sind??
        Bei uns in Alvesen gibt es einen Fortschritt in Sachen Technik. Die ersten Mitbewohner sind schon am Glasfasernetz – Nun fehlt noch der neue Router und nach Ostern ist Das Wunder von Alvesen vollbracht. ….
        Lg. Micheline

        1. trimaran-san

          Feuerquallen haben wir bisher nicht gesehen. Eigentlich so gut wie keine Quallen… Die Papagayo Winde sind Winde, die vom Atlantik zum Pazifik rübergehen, wo Mittelamerika besonders schmal ist. Da diese dann auch noch den Charakter von Fallböen haben, können die sehr heftig werden. Bis fast 100 km/h. Schon sehr beeindruckend, wie damit von jetzt auf gleich sich alles ändert. Eben noch alles beschaulich, kaum Welle, und auf einmal heftiger Wind, Schaumkronen, und Stress, falls man zu viel Segel gesetzt hatte…
          Wir haben in Alvesen auch Glasfaser legen lassen, auch wenn es momentan noch nicht genutzt werden wird.
          VLG, Mathias

          1. Reinhold

            Das kann einem auch auf dem Bodensee passieren

          2. trimaran-san

            Stimmt!!!

  2. Christian

    Moin, Wale vom eigenen Boot aus zu beobachten ist ja wunderbar, riesige Säugetiere, die ihr ganzes Leben im Ozean verbringen was für ein Naturwunder! Die sehen für mich aus wie Buckelwake, aber da bin ich kein Experte – aber die sind sehr beeindruckend.
    Sehr schöner Bericht
    Unsere Kairos bleibt übrigens in der Halle für den ganzen April. Da man nur im ‚Heimathafen‘ in Holstein anlegen darf, ist der Törn über die Schlei mit zwei Brücken und dann ganz bis in die Lübecker Bucht ein wenig weit für non stop (also für uns, für Euch natürlich nicht 😉

    Grüße
    Christian

    1. trimaran-san

      Hallo Christian, oh je, Corona hat immer noch alles im Griff in Deutschland… Alle, die Boote in Kroatien liegen haben, kommen da momentan auch nicht hin.

      Aber die Tour von der Schlei in die Lübecker Bucht wäre auch für uns schwierig – die Brücken würden uns zu schaffen machen bei unserer Masthöhe… 🙂

      Und ja, im Deutschen heissen sie glaube ich Buckelwale. Wir waren später auch dichter dran. Dann waren sie weg, und auf einmal schwammen alle drei wenige Meter vor uns quer vorbei. Gut, dass ich nicht viel Fahrt im Boot hatte… Ich hatte das Gefühl gehabt, dass andere Boote sie in die Bucht reingetrieben hatten und war besorgt, dass sie vielleicht stranden würden. Deshalb war ich großräumig um sie rumgefahren und hatte mich zwischen den Walen und dem Strand positioniert. Aber sie wollten nicht wieder ins offene Wasser und schwammen parallel zum Strand immer hin und her.

      VLG, Mathias

  3. Matthias

    Moin aus dem Hamburger Lockdown,
    ich liege gerade im Krankenhaus und da sind eure Berichte ein schöner Blick in die Welt. Über die (Kommunikations-) Verhältnisse früher und heute habe ich auch schon viel nachdenken müssen und mein Zimmergenosse ist ein alter Seefahrer, der gern über seine Fahrten nach Südamerika berichtet, als es noch keine Containerschiffe gab. Er wurde ganz hellhörig, als ich ihm von Eurer Zeit in Panama erzählt habe und meinte, dass sein Schiff noch mit Lokomotiven in die Kanal-Schleusen gezogen wurde…

    Ich wünsche Euch, dass ihr nun gut voran kommt und hoffe, dass in dem Paket, was ihr bekommen habt, auch etwas Paradiescreme für Mathias dabei war 😉

    1. trimaran-san

      Hallo Matthias, oh je, ich hoffe nichts schlimmes?

      Und ja, die Lokomotiven gibt es im Kanal immer noch für die kommerziellen Schiffe. Nur solche Schiffe wie wir werden mit Seilen von Hand geführt.

      Bisher keine Paradiescreme hier angekommen, aber das kann sich ja noch ändern… 😀

      VLG, Mathias

      VLG

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