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three hulls, two people, one trip around the world…

Am Ende des Kontinents

In England gibt es „Land’s End“, das Seegebiet hier heißt „Finisterre“. Den Küstenstreifen „Costa de la Muerte“ haben wir umrundet. Keine aufmunternde Namensgebung, klingt eher nach Abenteuer. Es erinnert Vieles an die Zeit der großen Seefahrerentdecker. A Coruña wurde mal gegen Sir Francis Drake verteidigt. Man rechnet ständig damit, dass gleich ein Pirat um die Ecke kommt. Zusätzlich hatten wir bis A Coruña ein Minirennen mit einem Dreimaster.

Die „Blue Clipper“ benutzte ab Luanco dieselben Ankerbuchten wie wir. Sie funkten uns sogar an, dass wir bitte genügend Platz lassen sollten, weil wir zuerst in der Bucht ankamen. Die Buchten an der spanischen Nordküste sind nicht allzu geräumig. Als wir an einem Tag sehr dicht neben der Blue Clipper segelten, traute ich mich, ein ship-to-ship Funkgespräch mit ihnen anzufordern. (Allmählich gewöhne ich mich an die Funkerei.) Wir verabredeten uns zum Fotos austauschen in A Coruña. 

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A Coruña

Mit zwei Fahrrädern stand der Stadterkundung nichts im Wege. Die Strecke zwischen Marina und Altstadt war im Nu zurückgelegt – eine Wohltat für uns Wandermuffel. In A Coruña wurde gerade alles für einen Triathlon vorbereitet. Die Altstadt hat viele schmale Gassen mit Restaurants und Geschäften, überall Leute unterwegs. Sie lassen sich nicht in Kategorien quetschen. Abends sah man alles von chicker Ausgehkleidung bis hin zum Sportzeug (noch die Triathleten). Wir hatten vorsichtshalber die Hosenbeine an die Shorts gezippt. Man weiß ja nie, katholisches Land, Santiago de Compestela gleich um die Ecke. Aber es kann hier nicht züchtig zugehen, dazu fielen Mathias zu viele Mädchen in Hot Pants auf. 😉

Kommt man aus dem Altstadtbereich heraus auf die Straßen, auf denen Autoverkehr herrscht, wird die Stadt schlagartig hässlicher. 

Am Samstagabend gingen wir in der Altstadt Essen. Man sitzt draußen und wir konnten die Räder gut im Blick behalten. Nachteil des neuen Fahrrads: Es zieht viele Blicke auf sich, man muss also gut darauf aufpassen. 

Auf dem Rathausplatz liefen gerade die ersten Triathleten der Männer ein. 

Einkaufen stand natürlich auch wieder auf dem Plan:

Mathias nutzte die zwei Hafentage, um eine Halterung für den Heckanker zu bauen. Wir packten den Heckanker in den Backbord-Rumpf. Zusammen mit der zugehörigen Kette brachte das schon eine merkbare Gewichtsverlagerung. Bisher lag der Steuerbord-Rumpf tiefer im Wasser als der Backbord-Rumpf. 

Jetzt komme ich auch besser an meine Waschmaschine heran.

Der Triathlon ist beendet – Abbau der Bühne

Wir besuchten die Blue Clipper und es stellte sich heraus, dass sie uns genauso beobachtet hatten wie wir sie. Es waren halt nur wir beide zu der Zeit vor dem Abschnitt der Küste unterwegs. Zwei Segelboote, die gegen den Wind kreuzten, ansonsten waren nur Fischer draußen. Wir achteten immer gegenseitig darauf, wann der andere die Wende fährt. Die Blue Clipper fuhr weiter draußen als wir. Dort konnten wir nicht segeln, weil wir zu viele Probleme mit den Wellen gehabt hätten. Wir bewunderten immer, wie hoch sie an den Wind gehen konnten, erfuhren aber beim Treffen, dass sie auch viel mit Motorunterstützung arbeiteten. Bei den Wellen schlägt es sonst zu stark auf das Rigg.

Die letzte Nacht in A Coruña verbrachten wir vor Anker in der Bucht. Die Hafengebühren sind hier sehr hoch. Für den folgenden Tag war noch Wind angesagt, danach sollte er stark abflauen. Um den Wind nutzen zu können, segelten wir wieder durch die Nacht. Den Flautentag fuhren wir unter Motor bis zur Bucht bei Baiona. Nach der Motornutzung konnten wir am Ankerplatz wieder schön warm duschen 🙂

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Baiona ist die letzte Station in Spanien, danach ging es nach Portugal.

Nach einer weiteren Nachtfahrt erreichten wir Porto bzw. Leixões. Dort liefen wir morgens mit dem ersten Tageslicht ein. Man kann neben der Marina ankern. Weil am nächsten Tag guter Wind für die Weiterfahrt angekündigt war, beschlossen wir, nur den einen Tag zu bleiben. Der Hafen ist in Leixões und bis Porto selbst radelt man so ca. 15 km an der Küste entlang. Wie viele Hafenstädte ist auch Porto sehr hügelig und unser Ziel lag natürlich ganz weit oben. Mathias bewältigte die Berge im ersten Gang des alten Faltrades, ich hatte die Elektrounterstützung 😉

Nachdem wir gerade wieder einmal alle Harry-Potter-Bücher gehört hatten, vorgelesen von Stephen Fry in schönstem BBC-Englisch, mussten wir unbedingt die Buchhandlung Lello in Porto besuchen. Sie gilt als einen der schönsten Buchhandlungen der Welt und soll J.K. Rowling inspiriert haben. Die Buchhandlung sieht auch so aus, als wäre die Buchhandlungsszene im zweiten Harry-Potter-Film hier gedreht. Man muss Eintrittstickets kaufen, die man beim Kauf eines Buches anrechnen lassen kann, und lange in einer Schlange stehen, um in die Buchhandlung herein zu kommen. Aber es lohnt sich. Die Buchauswahl ist etwas schwierig, die meisten Bücher sind auf Portugiesisch oder Französisch, es gibt eine kleine englischsprachige Sektion. Dort findet man allerdings eine Menge anspruchsvolle Literatur. Also nichts, um einfach mal ein wenig entspannt vor sich hin zu schmökern 😉 Letztenendes habe ich mich für einen klassischen englischen Krimi entschieden, spielt in Cornwall am Meer – das passt doch gut.

Porto hat eine beeindruckende Küste, schaut Euch die Bilder an:

Unsere ersten Kontakte zu Portugiesen hier waren unterschiedlicher Natur. Als ich im Supermarkt vor einem Regal stand und vielleicht etwas lange brauchte mich zu entscheiden, trat ein älterer Herr gegen meinen Einkaufsrollkorb, damit ich ihm Platz machen sollte. Er hätte auch einfach um das hinter mir aufgestellte Verkaufsgestell herumgehen können, oder etwas zu mir sagen können. Der nächste Kontakt war auf dem Parkplatz des Supermarktes. Dort versuchte ein Mann etwas Geld zu verdienen, indem er den Leuten beim Packen des Autos half. Er sprach auch uns an und überwand die Sprachbarriere, denn es stellte sich heraus, dass er lange in Hamburg in einem portugiesischen Restaurant gearbeitet hatte. Wir haben uns nett unterhalten.

Nach der ungewöhnlich langen und hügeligen Radtour schliefen wir sehr gut. Am nächsten Tag ging es mit dem Parasail und Rückenwind gemütlich weiter die Küste entlang.

Das ruhige Segeln nutzte ich, um mich endlich mal ans Backen auf dem Schiff zu machen. Ein Kuchen und Rosinenbrötchen wurden fertiggestellt, teils im Gasofen, teils im Solarofen gebacken. Um den Teig zu rühren setzte ich meine Küchenmaschine ein, die ich zuhause so gut wie nie benutzt hatte.

Das Abwiegen der Zutaten ist allerdings auf See nicht so einfach. Eine Waage schlägt ständig in verschiedene Richtungen aus. Auch wenn man sie aufhängt, funktioniert es nicht. Deshalb habe ich Messbecher benutzt und meine Rezepte entsprechend umgeschrieben, alles in Einheiten von Tassen. Dafür habe ich einen Messbecherset.

Der Kuchen schmeckt übrigens gut und die Rosinenbrötchen sind auch gelungen. Nur beim Solarofen muss man noch etwas mit der Backzeit experimentieren.

Wie immer ist genügend Obst an Bord.

Auch andere Dinge lassen sich bei ruhiger See endlich mal erledigen.

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Gegen Sonnenuntergang nahmen wir das Parasail runter und setzten den Spi, der jetzt besser zum Wind passte. Während der Nacht umfuhren wir das Cabo Carvoeiro. Weil wir nicht weit genug abfallen konnten, um zwischen Festland und erster vorgelagerter Felsengruppe durchzukommen, fuhren wir zwischen zwei Inselgruppierungen durch. Man konnte die dunklen Felsen neben uns aus dem Wasser ragen sehen, muss tagsüber toll aussehen. Jetzt mussten wir aber eine Halse machen, um wieder in Küstennähe zu gelangen. Dafür mussten wir noch unsere Schotführung korrigieren. Wir hatten sie nicht außen um den Tackpunkt herumgeführt. Deckslicht an und Anschnaller benutzen, klappte gut. Die Sicherheitsleinen sind also gut angebracht und sie leuchten auch noch im Dunkeln 🙂 Nur hinten quer müssen wir uns noch etwas einfallen lassen. Dort ist das Geländer sehr niedrig und bei viel Welle möchte ich da nicht um die Ecke gehen müssen.

Dumm gelaufen

Hier kommt eine Geschichte, die ich eigentlich gar nicht erzählen mag: Wir haben unseren Spi zerfetzt. Es fing damit an, dass wir zu spät anfingen ihn zu bergen. Es war schon recht viel Wind und es folgte eine Verkettung von widrigen Umständen und Fehlentscheidungen, die sich bei starkem Wind nicht schnell genug korrigieren ließen. Der Spi wickelte sich um die Fock und war nicht mehr zu bergen. Wir fuhren unter Motor Richtung Land und ankerten dort. Leider blies es immer noch und auch weitere Versuche, das Segel so weit zu bändigen, dass man in die Marina einlaufen konnte, blieben zum Schluss erfolglos. Der Spi riss ein. Erst abends in der Marina schafften wir es, ihn zu enttüddeln und herunter zu lassen. Wir haben vor, ihn in der Karibik reparieren zu lassen.

Und noch mehr Pech

Der Aufenthalt in Cascais wird etwas länger dauern. Unser Volvo-Schiffsdieselmotor hat Öl getropft. Das meldeten wir der Volvo-Hotline und sie schickten recht schnell den lokalen Reparaturdienst zu uns. Für die Reparatur muss der Motor angehoben werden. Das geht bei uns nicht so einfach. Er wird während der Schiffsbauphase eingehoben und dann wird das Deck darüber gesetzt. Für einen Motorentausch müsste man hinten das Deck aufschneiden. Aber die Techniker sind pfiffig, sie bauten sich eine Konstruktion, um den Motorblock im Motorraum anheben zu können. Danke an die Werft in Wilhelmshaven für die stabile Konstruktion, die nun eine Doppelfunktion ausgeübt hat:

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In Cascais

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Dieser Beitrag hat 4 Kommentare

  1. Martin Bertke

    Beim Lesen in eurem Block packt mich sofort großes (Segel-)Fernweh, Birte! Tolle Berichte und beeindruckende Bilder!!! Ich wünsche euch weiterhin eine gute Zeit mit vielen schönen Momenten und bestem Segelwetter!
    Herzliche Grüße aus dem trüben Münsterland, Martin

  2. Thorsten Pfullmann

    Wieder tolle Bilder und Geschichten, die es möglich machen, (fast) direkt dabei zu sein.
    Der Motorschaden klärt meine Verwunderung, dass Ihr gerade bei Lissabon eine so lange Pause macht.
    Viele Grüße, Thorsten

  3. Stephan Domes

    Sehr schöne Berichte. Da freuen wir uns auch schon gleich auf unser Abenteuer. Mal sehen, was unsere 47er dann so an Pannen bereit hält.
    Der Saildrive mußte aber nicht raus? Was war denn undicht? Wir drücken euch die Daumen, dass jetzt alles glatt läuft!
    Was rufen denn die Häfen in der Nebensaison für die Liegeplätze auf? Wir planen ja auch wenn möglich zu ankern.
    Grüße aus Hessen
    Stephan & Kerstin Domes / TRINITY

  4. Mario Stoltz

    FYI die „costa de la muerte“ – vermutlich wegen ihrer Gefahren für Segelschiffe – ist die Szenerie der letzten Kapitel in C.S. Foresters Roman „Mr. Midshipman Hornblower“ (Dt.: „Fähnrich Hornblower“). Auch wenn ich persönlich Patrick O’Briens Bücher („Master and Commander“ etc) lieber mag, ist doch der gute alte Horatio Hornblower – jedenfalls im Englischen Original – auch nicht zu verachten.
    Vielen Dank Euch für die Einblicke in Euer Leben an Bord. Besonders die Fotos sind super und helfen, sich fast live dabei zu fühlen. Weiterhin allzeit gute Fahrt!

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