SAN

three hulls, two people, one trip around the world…

Überführungsfahrt: Le_Havre – Amsterdam

Wenn einer eine Reise tut……..

Diese Überführungsfahrt gerät immer mehr zur Testfahrt auf Herz und Nieren. 

Das stürmische Wetter war vorbei und nun folgte ein Flautensegeln. Der nächste Hafen, den wir ansteuern wollten, war 92 sm entfernt, bei wenig Wind nicht innerhalb eines Tages erreichbar. Also stellten wir uns auf eine weitere Nachtfahrt ein. Erstmal aber entdeckte unser Mitsegler einen Riss in der Genua am Vorliek, dort wo sie in die Nut eingefädelt wird. Die Genua scheuerte an einem zusätzlichen Befestigungsteil, das noch relativ scharfe Kanten hatte. Also Operation am offenen Herzen: Mathias nähte das Vorliek, während ich zusammen mit dem Autopiloten versuchte, das Boot möglichst vor dem Wind zu halten. Das ist bei dem breiten Trimaran und ohne ordentlich Fahrt nicht einfach und ich musste öfters nachkorrigieren. 

Experiment Pizza backen im kleinen Ofen ist geglückt.
Man beachte den traumhaften Blick aus dem Küchenfenster.

In der Nacht kam die nächste Herausforderung auf uns zu: Der Motor bzw. die Kupplung machte komische Geräusche und es war nicht mehr möglich, die Maschine einzukuppeln. Also mussten wir irgendwie auf dem Am-Wind-Kurs mit den Segeln zurechtkommen. Wir experimentierten eine Weile, welche Reffgröße des Großsegels zu Fock oder Genua passt, damit der Bug noch wieder rumgedrückt wird. Es herrschte auch noch Strömung und lange trieben wir rückwärts oder auf der Stelle. Letztendlich nahmen wir mit der Genua + 2 Reffs im Großsegel wieder Fahrt auf. Bei etwas mehr Wind konnten wir auch wieder 1 Reff + Genua fahren. Die Wenden sind mit der großen Genua nicht so einfach, da muss noch geübt werden. Aber zumindest kamen wir wieder vorwärts. 

Sonnenaufgang. Ok, kein karibischer, aber trotzdem sehr schön.

Verdächtiges Boot wird kontrolliert

Tagsüber hatten wir uns gerade wieder durch eine Wende gekämpft, als wir von einem französischen Zollschiff angefunkt wurden. Diesmal reichten nicht die üblichen Fragen, sondern sie wollten an Bord kommen. Weil wir aber ohne Motor-Backup nicht so einfach aufstoppen konnten bzw. wollten, kamen die Beamten per Beiboot bei uns an und das Zollschiff folgte uns. Vier Mann kamen an Bord und begannen eine Suche nach Drogen, Alkohol und Waffen. Weil die Registrierung des Bootes in Deutschland zwar eingereicht, aber noch nicht bearbeitet ist und wir nicht einmal die vorläufige Registrierung haben, hatten wir buchstäblich auf den letzten Drücker kurz vor dem Auslaufen in La Rochelle noch schnell eine ADAC-Registrierung vorgenommen. Die reichte aber nicht aus, deshalb wollten die Zollbeamten die Rechnung für das Boot sehen. Die Rechnung hatten wir nur elektronisch vorliegen und Mathias sollte sie nun per Mail zuschicken. Da wir nicht küstennah fuhren, dauerte dieser Prozess Ewigkeiten. Aber, Ende gut – alles gut. Der Zoll ging gut gelaunt wieder von Bord und wünschte uns eine gute Reise. Vielleicht wollten sie ja auch nur mal einen Trimaran besichtigen. Für die nächste Fahrt werden wir einen Stapel Papiere mit uns führen. Zumindest wenn die deutschen Behörden endlich mit der Bearbeitung der Registrierung fertig sind.

Weiter geht’s

Nach dem Besuch ging es weiter mit vollem Groß + Genua. Motor noch einmal ausprobiert – da klemmt etwas.

Ein Fischer Backbord qeurab

Gegen Abend entdeckte Christian eine Leine, die wir hinterherzogen. Das Ende der Leine war zerfetzt. Das war die Festmacherleine unseres Dinghys, die sich wohl gelöst hatte. Hoffnung schimmerte auf, vielleicht war diese Leine in unsere Schraube geraten. Tatsächlich: Der Motor war wieder frei und einsatzbereit.


In der zweiten Nacht auf dem Wasser hielten wir uns in dem flacheren Wasser neben dem Verkehrstrennungsgebiet. Während meiner Wache sah ich ein 200 m Passagierschiff, das man sehr weit sehen kann, weil dort die volle Decksbeleuchtung an ist. Der Wind veränderte sich so, dass ich keine Wende machen musste, um auf dem vorgegebenen Kurs zu bleiben. Die Querung der Zufahrt zum nächsten größeren Hafen fiel schon wieder in Mathias Wache. 

Den von uns ursprünglich ausgesuchten Hafen hätten wir nun morgens anlaufen müssen und das hätte ja einen ganzen Tag verschwendet. Also wurde weitergesegelt. Es war wieder Flaute und bald war so wenig Wind, das wir eine Strecke unter Motor fuhren. Einziger Vorteil dabei: Das Wasser wird warm und das bedeutet, man kann warm duschen. 🙂

Auf Kanal 16 verfolgten wir eine Suchaktion nach einem kleinem roten Schlauchboot mit 6 Mann an Bord, das vermisst wurde, Position unbekannt. Später wurde ein gelb-weißes Schiff gesucht. Das Schlauchboot hatte also wohl Funk oder Telefon und konnte melden, dass es in der Nähe eines gelb-weißen Schiffes war. Kurz darauf meldete sich ein Schiff und ca. eine Stunde später war das Boot gefunden worden.

Inzwischen hatte uns der Ehrgeiz gepackt und wir wollten Christian direkt in Amsterdam absetzen, von dort aus konnte er nach Hause fliegen. Also eine weitere Nacht auf See. Während dieser Nacht querten wir die Zufahrt nach Antwerpen. Ein ausfahrendes Schiff machte uns zu schaffen. Wir wurden langsamer (Segel auf). Bevor es aber kritisch hätte werden können, wurde das ausfahrende Schiff langsamer und drehte ab. Es war ein Baggerschiff, das offensichtlich seine Arbeitsstelle erreicht hatte. Danach saß ich alleine auf Wache und achtete darauf, einem entgegenkommenden Segler auszuweichen. Als man die Lichter besser sehen konnte, stellte ich fest, dass der unter Motor fuhr – da hättte ich ja Kurs halten können. 

Mathias in der Küche

Tagsüber kam Wind aber auch Regen. Zum Schluss fuhren wir recht flott mit wieder zu diskutierender Schräglage (12 kn). Dadurch erreichten wir noch im Hellen die Einfahrt zum Kanal nach Amsterdam. Hier wartete schon die nächste Aufgabe und Premiere für uns: Das Schleusen.

Schon musste ich mich wieder trauen, das Funkgerät zu bedienen. Anfrage bei Ijmuiden Traffic, in welche Schleuse wir passen würden – die kleine Südschleuse für Sportboote, Einweisung per Funk auf Kanal 61. Erst hieß es, einfach auf die Lichter achten und bei Grün einfahren. Vor der Schleuse machten wir auf Warteposition fest. Mittlerweile hatten wir den Funk auf Kanal 22 gewechselt und mit der Schleusenkoordinierung gesprochen. Sie fragten zum Glück noch nach unseren Abmessungen. Die kleinste Schleuse ist nur 12 m breit und wir sind immerhin 9 m breit, das kann schon knapp werden. Die Schleusenkoordinierung teilte uns dann auch für die nächste Schleusung in der größeren Schleusenkammer ein. Von unserer Warteposition aus beobachteten wir eine große Motoryacht (27m lang, 7,6 m breit), die in die kleinste Schleuse einfuhr und dabei ziemliche Schwierigkeiten hatte. Als die größere Kammer auf Grün ging, durften erst zwei Schlepper einfahren und wir dann als drittes Schiff. An der Schleusenwand anlegen und die Leinen beim Absinken des Wasserstandes nachzuführen war für uns blutige Schleusenanfänger eine aufregende Aktion. Alles lief gut ab und beim Auslaufen fühlten wir uns, als hätten wir schon eine Übung für den Panama-Kanal hinter uns. 

Unsere Feuerlöscher sind montiert! (Gruß an meine NDR Kollegen)

Im Kanal Richtung Amsterdam-Marina ermahnte uns einer der Schlepper, dass wir die falsche Gastlandflagge gesetzt hätten. Die französische hing dort noch, vielleicht dachte er ja, wir hätten diese mit der niederländischen verwechselt. Jedenfalls wechselten wir schnell die Flagge. D.h. schnell ging es nicht, ich musste erstmal in dem Berg von Gastlandflaggen nach der niederländischen suchen. 

In Amsterdam bleiben wir ein paar Tage, denn die nächste Schlechtwetterfront ist im Anmarsch.

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Dieser Beitrag hat einen Kommentar

  1. Reinhold

    „Gegen Abend entdeckte Christian eine Leine, die wir hinterherzogen. Das Ende der Leine war zerfetzt. Das war die Festmacherleine unseres Dinghys, die sich wohl gelöst hatte. Hoffnung schimmerte auf, vielleicht war diese Leine in unsere Schraube geraten.“
    Da dachte ich spontan an den Film „Nur die Sonne war Zeuge“ (mit Alain Delon). Auf solche Details muss man achten…

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