SAN

three hulls, two people, one trip around the world…

Tortola — St. Martin — Dominica Ankunft

Tortola, British Virgin Islands, war der erste Stopp nach unserer Überfahrt über das karibische Meer. Wir hatten uns per E-Mail in einer Marina in Road Harbour angemeldet, aber keine Antwort erhalten. Als wir nun dort ankamen, war der Mitarbeiter nicht begeistert. Als er noch hörte, dass wir noch einklarieren mussten, war er ziemlich genervt. Wir sollten wieder raus fahren, in einem Bereich im Hafen ankern und mit dem Dinghy zurückkommen, um an Land zu gehen zu der Einklarierungsstelle. Mathias fragte, ob nicht die SAN als Dinghy gelten könnte und er einfach jetzt vom Anleger aus losgehen könne. Das geht in den meisten anderen Ländern. Auflage ist dann nur, dass die Crew nicht von Bord darf, bis der Captain alle angemeldet hat. Der Marinaangestellte hatte keinen Humor und es würde wohl auch eine Strafe fällig, sollte man so vorgehen. Also legten wir wieder ab. Vor der Marinaeinfahrt ist nicht viel Platz, also kann man nicht beliebig viel Kette stecken. Das hieß, dass ich an Bord blieb und Mathias alleine wieder an Land fuhr. Die richtige Stelle zu finden war nicht so einfach. Das kleine Häuschen befindet sich etwas versteckt an einem Fähranleger. Die Anmeldung geht seit 2019 nur noch online über ein Portal, bei dem sich viele der karibischen Inseln zusammengeschlossen haben (SailClear). Da wir das 2019 als eines der ersten (Vorgang Nummer 1538) schon mal gemacht hatten, hatten wir schon einen Account, aber das Passwort nicht parat. Neu Zusenden des Passworts funktionierte nicht, der Beamte war nicht hilfsbereit, weil das seine Handyspiele unterbrochen hätte. Letztlich musste Mathias wieder ins Dinghy steigen, auf der SAN in seinem Rechner das Passwort nachschlagen, die online Anmeldung (Vorgang Nummer 54.554) machen und danach wieder zurück zur Behörde, um die Pässe stempeln zu lassen. Mathias war ziemlich gestresst dadurch, vor allem auch weil er schon die halbe Nacht hindurch Wache hatte und allmählich mal schlafen müsste. Endlich konnten wir am Steg festmachen. Dieser Steg war am Rande der Marina und diente sonst nur Booten, die gerade repariert wurden. Uns gegenüber war ein Werftsteg und davor lagen halbversunkene Boote, die wohl darauf warteten, aus dem Wasser gezogen zu werden. Wohl fühlte man sich nicht. Mathias war aufgedreht und wir marschierten zum lokalen Supermarkt. Danach dachte Mathias noch über weitere Aktivitäten nach, aber ich legte mich auf die Couch und er folgte meinem Beispiel. Ich schlief 2 Stunden lang, ohne mich auch nur einen Tick zu bewegen. In unserem Alter steckt man das unregelmäßige Schlafen eines längeren Törns nicht mehr so leicht weg und diese Erholungspause war schon gut.

Der Reiseführer und unser Blogleser Helmut empfohlen den Pusser’s Pub als gute Möglichkeit Essen zu gehen. Das mussten wir also ausprobieren. Der Pub war leicht zu Fuß zu erreichen, man musste nur auf den Linksverkehr Acht geben. Man kann dort unten im Pub sitzen, dr1außen bei viel zu lauter Musik, oder im ersten Stock in einem großen Raum, der wie ein Wohn-/Esszimmer gemütlich eingerichtet ist. Wir setzten uns nach oben. Das Essen selbst war von unterschiedlicher Qualität. Wir waren zweimal dort, am ersten Tag hatte ich Lachs, der super geschmeckt hat, Mathias einen Burger, der ihm gar nicht mundete, am zweiten Tag hatte Mathias Shepherds Pie, der gut war, ich die fish and chips, die nicht besonders schmeckten. Gut und reichlich sind die Vorspeisen. Chickenwings waren so lecker, dass wir sie am dritten Tag als take away holten und uns auf der SAN Broccoli und Kartoffelmus dazu kochten. Das war dann auch viel preiswerter, denn im Pub zu Essen kostete immer so rund 100 US$. Die Cocktails allerdings schmeckten in der Bar.

Der Reiseführer versprach gute Segelbedarfsläden. Es gibt auch so drei Stück, sie sind allerdings klein und teuer. Wir kauften ein paar Kleinigkeiten und eine neue Fockschot (rot mit gelben Streifchen). Weil die Marina nicht gut war, selbst für das Duschwasser sollte man extra bezahlen, und auch noch teuer war ($ 140 die Nacht) machten wir uns bald wieder auf den Weg.

Wichtige Lebensmittel in handlichen Größen gab es in Road Town zu kaufen. 😉

Hier gibt es tolle karibische und britische bzw. indische Gewürze.

Am Sonntag ging es in die nächste Bucht zum Ankern, Montag kurz zurück zum Ausklarieren und weiter an die Nordostspitze von Virgin Gorda. Noch eine Nacht vor Anker bevor wir nach St. Martin aufbrachen. Leider herrschte Flaute und es wurde mehr Motorsegeln, dafür war die Überfahrt ruhig, wir schauten zwei Filme auf DVD vor lauter Langeweile. In St. Martin kamen wir kurz nach Mitternacht an. Da wir die Bucht schon kannten, ging das Ankern im Dunkeln recht einfach von der Hand, obwohl unser Tiefenmesser immer noch nicht funktionierte. Es wurde erst einmal geschlafen. Einklarieren in St. Martin geht im französischen Teil ganz einfach. Es wird von Computerterminals über direkte Eingabe der Daten gemacht. Einer dieser Terminals steht in einem Segelzubehörladen, sehr praktisch. Nur mit Öffnungszeiten hatten wir nicht gerechnet. Wir trudelten kurz vor der Mittagspause ein und die Station hatte schon geschlossen. Die Franzosen lieben ihre Mittagspause, sie dauert deshalb 2,5 h. Zurück zur SAN? Oder selbst Mittagessen? Der Laden liegt an einem Kanal und direkt gegenüber ist ein Restaurant, das Dock 46, mit eigenem Dinghyanleger. Dann gehen wir dort hin. Dieses Restaurant erwies sich als Glückstreffer. Das Essen war superlecker, man merkt, dass die Franzosen Wert auf gutes Essen legen. Vielleicht kam es aber nach langer Zeit auch unserem Geschmack wieder näher, egal, es schmeckte uns und war preislich ok. 

Beim Einklarieren nach der Mittagspause fanden wir im Drop-Down-Menu das Land unseres letzten Hafens nicht. Direkte Eingabe war nicht möglich, die Abkürzung BVI nicht zu finden und unter dem Stichwort “British” fand man Großbritannien, aber keine Virgin Islands. Also alle Länder durchgehen und raten. Bei A angefangen wurden wir unter V endlich fündig. Irgendwas mit “Vierges” und einem Zusatz, der wie britisch aussah, der französische Name in der französischen Schreibweise halt. Auch die Anordnung der Tasten auf der (französischen) Tastatur erschwerten die Eingabe, dauernd musste man die Buchstaben korrigieren, weil man sie an anderer Stelle vermutet hatte und die Finger einfach schonmal lostippten. Das einfache Einklarieren dauert also eine kleine Weile. 🙂

Saint Martin und vor allem der niederländische Teil Sint Maarten hat viele Segelbedarfsläden und Werften. Hier konnten wir uns austoben. Die neuen Genuaschoten sind rot mit schwarzen Streifchen, die neue Dirk ist weiß mit roten Streifchen. 🙂

Um zu den Läden im Niederländischen Teil zu kommen, muss man eine lange Strecke mit dem Dinghy zurücklegen. Dafür brauchten wir unseren Benzinmotor, der seit Dezember 2021 nach seiner Wartung bei uns an Deck auf der Seite lag. Mit mulmigen Gefühl bauten wir ihn an das Dinghy. Wir hatten keine großen Erwartungen, dass er ohne Umstände wieder anspringen würde. Es funktionierte natürlich auch nicht auf Anhieb, machte aber Geräusche. Mathias versuchte es viele Male, legte Pausen ein und versuchte es erneut und …. es klappte! Prima, endlich mal etwas, das uns positiv überraschte! Unter hohem Tempo zischten wir durch die Lagune zum Segler Einkaufsparadies.

Die Tage bis unser Koffer mit Ersatzteilen aus Deutschland ankommen sollte und Lukas mitbringen würde, füllten wir mit Reparaturen (Loch im Trampolin) und Einkäufen. Es stellte sich heraus, dass direkt neben dem Fähranleger ein Dinghyanleger ist. Der ist näher am Supermarkt als der Anleger der Marina. Allerdings gibt es direkt an dem Dinghyanleger einen Markt, der sich als ungünstig für unser Portemonnaie herausstellte. Ein kurzer Gang und vier Tücher plus ein Kleidchen wurden erstanden. Mit der Verkäuferin des Tuchstandes kam ich ins Gespräch. Sie lebt in einer WG mit nur wenig Schnickschnack, weil sie im Hurrikan Maria 2017 alles verloren hat, als das Dach ihres Ateliers wegflog. Es machte aber den Eindruck, als würde sie sich seit diesem Ereignis eher aus psychologischen als aus finanziellen Gründen einschränken. 

Reparaturarbeit: Die Deckenpaneele erhalten weitere Befestigungspunkte. Mathias hatte sich dafür ein spezielles Werkzeug gebaut. Diesmal sind kaum noch weiße Nupsies übrig, von denen wir in uns in La Rochelle eine ganze Tüte hatten geben lassen.

Am Ankunftstag unseres Koffers plus Träger ging es erneut auf Einkaufstour, genügend zu essen sollte an Bord sein und es galt auch, T-Shirts und kurze Hosen für Lukas zu besorgen. Dafür war nämlich in dem Koffer kein Platz mehr gewesen. 

Lukas kam per Taxi bis zum Dinghyanleger und sowie er die SAN erreichte, wurde der Inhalt des Koffers inspiziert. Er hatte sogar einen Tannenbaum für uns dabei. 🙂

Am Tag darauf setzten wir uns daran, die bereits abgenommene Fock zu nähen, es war noch ein Landgang angesagt, Supermarkt und Sommer taugliche Schuhe für Lukas. An und für sich wollten wir auch noch tanken, bekamen aber Besuch von einem anderen Segler und so verschob sich alles ein wenig. Mathias hatte uns morgens schon ausklariert, wir gingen abends nochmal Essen und danach im Dunkeln losfahren.

Anker gelichtet hatten wir vorher noch nicht im Dunkeln (nur bei Notfällen). Laut Wetterbericht sollte es eine ruhige Fahrt werden. Es wurde aber den größten Teil der Strecke wieder Hoch am Wind, Böen bis 24 Knoten und so 2 m Welle. Wir hatten am frühen Abend noch versucht, die Fock wieder hochzuziehen. Aber der Rutscher, der das Fockfall mit der Fock verbindet, klemmte irgendwo. Es herrschte schon zu viel Wind, um am Mast hochzugehen, also ließen wir sie unten. Dadurch mussten wir zum ersten Mal darauf zurückgreifen, die Genua zu reffen. Das heißt mit ihr zu fahren, während sie halb aufgerollt ist. Das ist nicht so gut für den Stoff, aber relativ leicht vom Steuerstand aus machbar. Auch das dritte Reff des Großsegels wurde genutzt. Bei der Reparatur des zweiten Reffs hatte Mathias vergessen, es vorher durch die Umlenkrolle zu ziehen, da muss noch nachgebessert werden.

Die Fahrt bis Dominica dauerte zwei Nächte und einen Tag. Es ging an einigen Inseln vorbei, deren Windschatten kaum Schutz vor den Wellen bot, so dass das Kochen sich etwas schwierig gestaltete. Erst Guadeloupe bot soviel Windschatten, dass dieser ganz wegblieb, da war es aber mitten in der Nacht. Lukas und ich hatten Wache und mussten ein Stück unter Motor fahren, dann einem anderen Segler Vorfahrt gewähren und ich ahnte schon, dass Mathias nicht von unserer Segelleistung begeistert sein würde, da er den zweiten Teil der Nacht die verlorene Höhe wieder gut machen musste. Ich wachte erst wieder auf, als es unter Motor den Rest des Weges in die Prince Ruprecht Bucht von Dominica hineinging. 

Wir hatten uns schon per E-Mail und WhatsApp mit einem der Tourguides verabredet. Die Guides helfen auch beim Einklarieren. Das geht hier recht flott und man kann für unter zwei Wochen Aufenthalt gleichzeitig ein- und ausklarieren. In der Bucht liegen viele Yachten, es gibt Bojen und man kann auch gut ankern. Nur eine Marina gibt es nicht, was uns ja aber nicht weiter stört. Auf der einen Seite neben uns liegt ein Dreimaster auf der anderen Seite der Bucht eine Motoryacht mit eigener leicht versetzter Hubschrauberlandeplattform. Sieht nach einem guten Platz für Weihnachten aus. 🙂

Rechtzeitig vor dem Weihnachtsfest bauten wir unseren Baum auf:

Dominica ist eine sehr schöne und sehr grüne Insel. Der Reiseführer schreibt darüber, sie sei die einzige Insel, die Kolumbus noch wiedererkennen würde, sollte er heutzutage in die Karibik kommen. Wir waren 2019 nur vorbeigefahren, weil wir damals davor zurückgeschreckt waren, nur moorings zu haben und zwischen Martinique und Guadeloupe nochmal aus- und ein- und wieder aus- und einklarieren zu müssen. Stattdessen hatten wir damals Zeit für Guadeloupe, die auch sehr schön ist. Und so hatten wir jetzt noch ein schönes Ziel für den Besuch mit Lukas. Wer weiß, wie lange die Insel noch so aussehen wird, denn nach dem Hurrikan Maria 2017 sind Frösche und eine Eidechsenart mit den Hilfslieferungen eingeschleppt worden, die den einheimischen Spezies schwer zu schaffen machen. Wir haben viele schöne Eindrücke gesammelt, die ich nun nur noch aufschreiben muss….

Sneak Preview Dominica

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Dieser Beitrag hat 2 Kommentare

  1. Helmut Meyer

    Hi Birte @ Mathias,
    Tortola in den BVI – mit unfreundlichen, wenig entgegenkommend hilfsbereiten Menschen und dazu teuer …. geht es den Leutchen dort vielleicht zu gut? Zum Glück waren wenigstens 50% des kulinarischen Pusser’s Pub Angebotes sowie die Cocktails an der Bar brauchbar – wenn auch mit 100 US$ pro Mahlzeit extrem teuer …
    Lukas war für Euch sicherlich eine Riesenabwechslung. War er das erste Mal auf Eurer SAN und ist er seglerisch vorbelastet? Vllcht konntest Du – Birte – ihm bei der Pflege seines Bartes Tips geben? Zumindest einige Bart-Streicheleinheiten mit sehr empfehlenswertem karibisch-ökologischem Kokosnektar wirst Du ihm angedeien lassen haben …
    Da Ihr inzwischen – Stand 07.01.23 – wieder in St. Martin angekommen seid, hat Euch Lukas bereits wieder verlassen?

    Euer nächster Besucher (höchstens 3-Tagebart … versprochen) bin ich … macht schonmal die Koje klar …😎
    So nice@always three feet of water under the keel of the main hull …
    Yours – Helmut

  2. Micheline

    Hallo ihr zwei,
    Ich bin begeistert von eurer Weihnachtsdekoration!! Lego macht’s möglich! Das war bestimmt ein super Weihnachtsfest.
    Wir haben Weihnachten in den Bergen verbracht. Ohne Tannenbaum- nicht mal Lego. Leider auch ohne Schnee. Eigentlich sollte dort Winter sein!! Doch wir wanderten in Wanderstiefeln statt Schneeschuhen.
    So hat jeder seinen Spaß und das Leben ist immer wieder voller Überraschungen!!
    Liebe Grüße aus Alvesen.
    Micheline

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