SAN

three hulls, two people, one trip around the world…

La Cruz de Huanacaxtle

Auch sechs Wochen sind schnell vorbei. Ich bin wieder zurück in Mexiko. Gefühlsmäßig zwiegespalten. Hatte ich mich in Deutschland zuhause gefühlt und nur Mathias vermisst, fühlte ich mich kurz nach der Ankunft in Mexiko schnell wieder zuhause, genoss die Dinghyfahrt durch die Marina bei schönstem Sonnenschein und freute mich auf die SAN. Ein Leben in zwei Welten, leider geht das nicht gleichzeitig. 

In Deutschland hatten sich meine mitgebrachten Reisetaschen gefüllt. Von neuen Spannbettlaken über elektronische Ersatzteile bis hin zu Puddingpulver gibt es so Einiges, was wir in Deutschland einfacher oder preiswerter besorgen können. Neue Schuhe z.B., ich habe so breite Füße 🙂

Während meines Aufenthalts in Deutschland wollte ich auch einmal von Hamburg aus zu unserem Sohn nach Aachen fahren. Um es stressarm zu gestalten, beschloss ich, die Bahn zu nutzen. Natürlich fiel die Fahrt in eine erneute Streikperiode der Lokführer Gewerkschaft. Der erste Zug am Samstag wurde aber zum Glück nicht gestrichen. Am Hauptbahnhof waren kaum Leute und der Zug stand bereit, als ich recht früh ankam. Auch der Anschlusszug war problemlos. Ich bin noch nie so entspannt mit der Bahn gefahren. Auf dem Rückweg änderte sich das etwas. Der Streik war vorbei, der erste Zug war wieder sehr pünktlich und sehr entspannt. Dann musste ich in Köln Hauptbahnhof umsteigen. Dort kam ich mir wie in einer Bahn-Slapstic-Sendung vor. Ständig Durchsagen, dass Züge ausfallen, verspätet sind, oder einzelne Haltestellen nicht angefahren werden. Meinen Zug traf es auch noch, er hatte Verspätung und erst als er schon einfuhr, wurde durchgegeben, dass er auch von einem anderen Gleis abfahren würde. Es kam zur Völkerwanderung, Treppe runter, um die Ecke, Treppe wieder hoch, Zum Glück hatte ich nicht so viel Gepäck dabei. Auf der anderen Seit gibt es nun in der Bahn Steckdosen und WLan, man kann also eigentlich nicht nur meckern. 

Es war einerseits etwas merkwürdig, wieder in Deutschland zu sein, andererseits fühlte es sich an, als sei ich nie weg gewesen. Auf jeden Fall war es schön, Freunde wiederzusehen. 

Mathias lernt immer mehr Tauchen dazu. Er kontrollierte die Opferanode an der Schraube und stellte fest, dass diese schon wieder recht aufgebraucht war. Das ist nach nur 9 Monaten schon ungewöhnlich. Um den Tausch unter Wasser machen zu können, ließ er sich in einem Tauchgeschäft die drei kleinen Flaschen von uns auffüllen. Dann machte er sich an die Aufgabe, die Opferanode unter Wasser zu erneuern. Ohne Pressluftflasche waren es 3 x 3 Tauchgänge, um die alte Anode zu entfernen, gefolgt von einem längeren Tauchgang mit kleiner Flasche, um die neue Anode anzubringen. Wenn man bedenkt, dass Mathias vor zwei Jahren noch komplett wasserscheu war und den Kopf nicht unter Wasser stecken mochte, eine enorme Leistung! 🙂

Kurz bevor ich aus Deutschland abflog, durfte ich beim Dreh zu Maikas neuem Musikvideo dabei sein . Die vom Videographen benutzte mobile Kamerastation war schon beeindruckend. Aber sie ist auch entsprechend schwer, also nicht für meine Videos geeignet 😉

Auf dem Rückweg nach Mexiko war ich mit 2 großen Reisetaschen, einem kleinen Rollenkoffer und einer Handtasche bewaffnet. Eine Reisetasche konnte ich auf den Rücken schnallen und die andere so halbwegs auf dem kleinen Koffer balancieren. Mehr schlecht als recht konnte ich so kleinere Strecken bewältigen. Beim Aussteigen aus der Bahn bat ich einen jungen Mann um Hilfe beim Rausheben. Er war nicht gerade begeistert, fragte, wie schwer denn die Tasche sei und suchte auch gleich auf dem Bahnsteig das Weite, aber immerhin, er half. Auf dem Berliner Flughafen gab es dann Gepäckwagen, natürlich nur gegen Einwurf von Münzen. Ich frage mich ja stets, welchen Eindruck diese Praxis auf Gäste aus dem Ausland macht, die ihre Sachen schleppen müssen, nur weil sie kein entsprechendes Münzgeld dabei haben.

Am Flughafen trafen Doro und ich wieder zusammen. Sie hatte ebenfalls zwei große und ein kleineres Gepäckstück. Eins ihrer großen war eine Kühlbox, die sie zusammen mit einer leichten Sackkarre mit Bubble-Wrap umwickelt hatte. Diese Konstruktion wurde wortgewandt von Doro auf der ganzen Reise verteidigt. Beim Einchecken, beim Aufgeben am Sperrgepäckschalter, beim Umsteigen in Mexiko und auch beim Zoll schaffte sie es, dass sie die Verpackung nicht öffnen musste. Überhaupt ist Doro taffer als ich, als kleine Person von etwas über 50 kg hatte sie mehr als ihr Körpergewicht an Gepäck dabei und stemmte das Ganze ohne große Worte.

Die Flüge verliefen ohne Probleme. Etwas geärgert haben wir uns über die Sicherheitskontrolle am Berliner Flughafen. Wir hatten zu zweit ja eine Menge Backbeermus und dementsprechend mehrere Kisten, die nacheinander auf dem Band zum Durchleuchten lagen. Deshalb hatten wir beschlossen, dass eine von uns schnell durchgeht und die Kisten in Empfang nimmt, die andere solange wartet, bis unsere letzte Kiste in der Durchleuchtungsröhre verschwindet. Damit war der Sicherheitsangestellte überhaupt nicht einverstanden. Er regte sich auf, was ich mir denn einbildete, dass etwas weg kommen könne, dafür würde er ja da stehen. Sprachs und drehte sich zum neuen Kunden um und ließ meine Sachen aus dem Blick. Ich solle doch Bahn fahren, wenn ich denke, es könne etwas wegkommen usw. Ich blieb trotzdem stehen. Am Ende durfte ich noch gar nicht durch den Metalldetektorbogen gehen, weil auf der anderen Seite noch zu viele Leute standen. Fürs nächste Mal habe ich mir Mathias Antwort an solche miesgelaunten Sicherheitsleute zurecht gelegt: “Sie trauen mir nicht, also traue ich Ihnen auch nicht.”

In Mexiko City war das erneute Einreisen ins Land kein Problem, wir bekamen sofort unseren Stempel für 180 Tage in den Pass. Dann musste man erst das Gepäck abholen. Jetzt schoben wir fröhlich unsere bepackten Wagen Richtung Ausgang, aber zu früh gefreut, alle Leute mit mehr als einem großen Gepäckstück wurden vom Zoll herausgepickt. Spätestens am Ausgang wurde man wieder zurückgeschickt zur Kontrolle. Bis zu 500$ elektronische Teile und Ersatzteile darf man zollfrei einführen. Wir waren davon ausgegangen, dass alles, was für die Schiffe bestimmt ist, als Transitware gilt. Der Zollbeamte meinte, dem sei nicht so. Er verhielt sich recht anständig, fand aber bei beiden einige Dinge, die wir dann verzollen mussten, d.h. 19% mexikanische Mehrwertsteuer bezahlen mussten, was wir dann auch taten. Das Schlimmste war, dass unsere sorgfältig gepackten Taschen völlig durcheinander gerieten. Na ja alle bis auf Doros Kühlbox 🙂

Unser Flieger nach Puerto Vallarta landete 10 Minuten zu früh, wir waren schnell ausgestiegen, das Gepäck kam sofort. Wir beluden uns und erwarteten, dass unsere Männer voller Bewunderung für unsere übermenschliche Packeseltätigkeit am Ausgang stünden, wir alles in hohem Bogen von uns schmeißen würden und ihnen um den Hals fallen konnten. Diese Vorstellung war wohl zu filmreif. Unsere Männer hatten sich in der Zeit vertan und saßen noch im Bus zum Flughafen, als wir ankamen. Uns begrüßten also nur eine Menge Taxifahrer, die auf eine Fuhre hofften. Aber wir hatten noch genügend mexikanisches Kleingeld, um uns vor dem Flughafen in eine Bar zu setzen und eine Limonade zu bestellen. Hier hatte unsere Reise auf der Hinfahrt auch begonnen. Ein Großraumtaxi brachte uns schließlich alle zusammen zum neuen Ankerplatz bzw. zum Dinghydock in La Cruz de Huanacaxtle. Doro und ich schliefen an dem Abend sofort ein, nachdem wir uns hinlegten.

Kaum hatte sich das Boot-am-Anker-Leben wieder eingespielt, mussten schon die nächsten Formalitätenhürden genommen werden. Für Mathias und Frank liefen die 180 Tage Aufenthalt in Mexiko bald ab. Frank hatte nur noch ein paar Tage, Mathias noch 1,5 Monate nach. In Seglerkreisen wurde berichtet, eine Verlängerung um weitere 180 Tage sei keine große Sache. Wir setzten uns also in den Bus und fuhren zur Immigration in Puerto Vallarta. Palaver, eine Vorgesetzte wurde geholt, sie fing an, uns den Prozess zu erklären. Dann kam ihr Vorgesetzter dazu und es wurde ungemütlich. Er war zwar sehr höflich, aber auch sehr arrogant. Er sprach gut Englisch aber betont langsam, als würden wir ihn nicht verstehen können. Mehrmals wies er daraufhin, dass wir alle Dokumente auf Spanisch einreichen müssten,  oder mit offiziell beglaubigter spanischer Übersetzung. Er fragte uns, was wir denn in Mexiko wollten, wenn wir gar kein Spanisch sprächen. Nun ja. Man sollte einen Bericht liefern, in dem man begründet, weshalb die Verlängerung notwendig wird und man sollte Kontoauszüge der letzten 6 Monate einreichen, die beweisen sollten, dass man mindestens ca. US$ 2200 pro Monat auf dem Konto hat. Alternativ zu dieser Prozedur kann man Mexiko verlassen, stehenden Fußes umkehren und sofort wieder einreisen. Dann bekommt man ohne irgendwelche Nachweise erneut 180 Tage Aufenthalt zugesprochen. Ratet einmal, für welche Möglichkeit wir uns entschieden. Genau. Frank buchte einen Flug nach Guatemala und wir beschlossen, endlich mal die Einreise nach USA zu klären. Es stellte sich heraus, dass zu dieser Jahreszeit wieder Direktflüge von Puerto Vallarta nach San Diego gingen. San Diegos Flughafenabkürzung ist ja “SAN”, welch besseres Ziel gibt es für uns? Wir beschlossen noch, dass Mathias und ich zusammen hinfliegen, dann haben wir gleich für beide das ESTA Visum geklärt und ich war auch schon wieder 2 Wochen in Mexiko, durfte also in die USA einreisen. Außerdem planten wir einen Besuch bei NXP in San Diego, um zu schauen, ob der alte Rechner von Mathias wiederbelebt werden könnte und wir hofften, für Mathias an eine Covidimpfung zu gelangen. 

Gesagt, getan. Wir fuhren mit der SAN in die Marina in La Cruz, ließen sie unter den Adleraugen von Carry On im Hafen liegen und machten uns auf den Weg zum Flughafen, Covidtest, diverse Online Anmeldungen und Flug nach San Diego. Im nächsten Blog ein Bericht davon (wie reist man mit 8 statt 10 Fingerabdrücken in die USA ein 😉 ).

Sonnenaufgang

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Dieser Beitrag hat 7 Kommentare

  1. Rolf Moldrings

    Super Bericht – DANKE !
    Alles Gute, gesund bleiben, Humor nicht verlieren!
    Liebe Grüsse von den Philippinen,
    Rolf

    1. trimaran-san

      Ja, Humor braucht man in Zeiten von verrückten Grenzregelungen 😉
      Viele Grüße zurück,
      Birte

  2. Micheline

    Schön, mal wieder von euch zu hören/lesen!
    Die Bahnfahrt in Deutschland geschafft! Musstest du auch genau in der Streikphase mit der Bahn fahren! Doch letztlich ist alles gut gegangen, das Abenteuer hört also nicht auf, wenn du festen Boden unter dir hast.
    Interessant sind ja deine Bilder. Das Regal mit Süßigkeiten . Meika mit veganen Köstlichkeiten , und eine Hand mit einem Schinkenbrötchen ….🤣🤣🤣 Nachholbedarf!!!🤣🤣
    Weiterhin spannende Touren, ob zu Land oder Wasser.
    Lieben Gruß
    Micheline

    1. trimaran-san

      Das ist ein Fischbrötchen 🙂 Den Traum hatte ich mir ein paar Mal erfüllt in Deutschland.
      Schade, dass wir uns in Alvesen nicht über den Weg gelaufen sind. Ich war aber auch immer nur recht kurz dort und Ihr seid ja auch recht unternehmungslustig.
      LG Birte

  3. Helmut Meyer

    Hi Ihr Zwei !!
    „Mathias lernt immer mehr Tauchen dazu …“
    Das ist doch mal eine gute Nachricht. Freut mich, dass es positiv weitergeht mit Euch … Wie sind die weiteren Reisepläne – soweit ungefähr kalkulierbar. Nehme an, Euer Kurs ist zunächst weiter gen Norden entlang der Westküste Nordamerikas, USA Wilmington/LA, Frisco und Seattle, (@Kanada Vancouver?) um ca. wo um 180 Grad Kursänderung gen Süden herbeizuführen?
    So long@short
    Yours – Helmut

    1. trimaran-san

      Moin Helmut, also zunächst mal Sea of Cortez ab Anfang Nov, wenn die Gefahr von Hurrikanen nicht mehr gegeben ist. Und ja, dann Richtung San Diego und die Küste bis Kanada hoch. Laut Internet kann eine Ausreise von USA nach Kanada eventuell nicht als Ausreise im Visa-technischem Sinne gelten, also die 90-Tage Uhr tickt weiter dort. Also, vielleicht noch mal von dort nach Europa fliegen, oder was auch immer. Der Rückweg ist dann wahrscheinlich einfach die Küste wieder runter. Genug zu gucken gibt es ja. LG, Mathias

  4. Reinhold

    Gibt keine Kavaliere mehr in D. Fragt der Typ, wie schwer der Koffer ist.
    O tempora, o mores.

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