SAN

three hulls, two people, one trip around the world…

Puerto Vallarta, Mexiko

Den Sturm “Dolores” hatten wir überstanden, da formierte sich schon das nächste Tiefdruckgebiet und rollte sich zum Sturm “Enrique” auf, der später Hurrikan-Status erreichte. Diesmal wollten wir aber vor dem Sturm noch weiter nach Norden kommen und verließen die Marina Puerto de la Navidad. Es folgten 5 Tage mit Kurzstrecken segeln, mehr gab der Wind nicht her. So bekamen wir noch ein paar Buchten zu sehen. In der letzten, in der wir ankern wollten, ging das nicht. Sie fällt sehr schnell auf große Wassertiefe ab (70m) und die Anker geeigneten Tiefen waren mit moorings belegt. Der Mooringbetreiber hatte uns schon gleich per Panga begrüßt, weil er wusste, dass es nicht anders ging. Also zahlten wir 20 US$ und übernachteten an der Boje. Bei diesen Bojen weiß man ja nie so genau, wie gut sie verankert sind. In Acapulco hatte mal ein Nachbarboot, das zu dicht an uns herankam, versucht die Boje mit Motorkraft zu versetzen. Das gab uns schon zu denken. Guter Ankergrund, gut eingegrabener Anker und die Kette mindestens so lang wie nach der App empfohlen, sind uns da schon deutlich lieber.

Das Kap “Cabo Corrientes” sollte, wie der Name suggeriert, recht unschöne Strömungen aufweisen und bei viel Wind nicht so einfach zu umrunden sein. Wir machten also nochmal Station, als der Wind uns entgegen wehen sollte. Dadurch umrundeten wir das Kap an einem windstillen Tag. Zwar ungefährlich, aber leider braucht man dann wieder den Motor. Die guten Segeltage sind hier tatsächlich rar. Deshalb ist wohl auch gerade Nebensaison. 

Nach dem Dolores Sturm schwammen viele größere Baumstämme im Ozean herum, man musste aufpassen, dass man keinen davon mit einem unserer drei Rümpfe traf. Einen müssen wir wohl übersehen haben, es blieb recht weit oben am Steuerbordrumpf ein Ast hängen.

Cabo Corrientes

In Vallarta hatten wir nichts vorgebucht. Wir verließen uns wieder auf die Methode, einfach mal reinzufahren. Ist mit so einem großen Boot wie unserem zwar nicht immer die beste Idee, aber hat ja schon vorher funktioniert. Im Hafen von Vallarta machten wir in der erstbesten leeren Box fest und gingen an Land auf der Suche nach dem Hafenmeister. Es stelle sich nach einigem Hin und Her heraus, dass wir auf einem Platz lagen, der einem Ausflugskatamaran gehörte, welcher nachmittags zurückkehren würde. Außerdem waren wir im lokalen Hafen gelandet, der keine Gastliegeplätze hatte. Weiter hinten den Hafenarm hoch gab es eine Marina, dort sollten wir nachfragen. O.k. gerne, wie kommen wir da hin? Es geht auf dem Landweg. Also stapften wir beide los. Nach kurzer Zeit wurde es Mathias zu mulmig, die SAN auf einem illegalen Parkplatz alleine zu lassen. Er kehrte um und schickte mich weiter ins Ungewisse. Ich trottete tapfer weiter, auch als die Straße plötzlich zu einer 4-spurigen Autostraße wurde, egal, da ist ja ein Trampelpfad. Als ich schon fast aufgeben wollte und auch das Wasser nicht mehr sehen konnte, kam eine Straße, die zum Wasser zurück führte. Und siehe da, an deren Ende lag die Marina Vallarta. Aber wo war das Office? Zum Glück traute ich mich, danach zu fragen. Es ging noch einmal um das gesamte Hafenbecken herum zur anderen Seite. Da wurde meine Odyssee belohnt. Die Leute von der Marina waren sehr nett und überlegten, wo sie uns unterbringen konnten. Wir bekamen einen Platz an einem Steg, an dem eine schicke 100-Fuß Yacht liegt. Ich erledigte die Formalitäten und machte mich dann auf den Fußmarsch zurück, um Mathias und die SAN zu holen. Klar, dass wir an diesem Tag unsere Mobiltelefone zufällig nicht in die Tasche gesteckt hatten, wir waren ja zuerst zusammen unterwegs. Aber Mathias und die SAN waren noch am ursprünglichen Ort und wir konnten vorsichtig die Anfahrt zur Marina beginnen. Es war Samstag und der Kanal wurde von etlichen Urlaubsbooten bevölkert. 

Die Marina Vallarta ist rund um ein großes Hafenbecken angeordnet, am Ufer gibt es viele Restaurants, kleine Einkaufsläden und ca. 5 mal die Kombination “Apotheke – Massagesalon – Nagelstudio” direkt nebeneinander, wobei die Apotheken in großen Werbeplakaten darüber informieren, dass es bei ihnen Steroide und Viagra zu kaufen gibt. Hm, welche Schicht des US-amerikanischen Publikums wird hier angesprochen?

Die kleinen Lebensmittelläden, die es hier zuhauf gibt, gehören zu einer Kette, die “Oxxo” heißt. Das ist vergleichbar mit einem 7-11 in den USA. In Deutschland kann man sie mit den Tankstellenläden vergleichen. Im Oxxo kann man auch seine Telefonkarte aufladen. Das ist recht praktisch. Leider sind die schönen Panama-Zeiten mit “data illimitada” für 5 Dollar ja vorbei. Jetzt müssen wir immer Pakete für 6 GB kaufen, die dann ca. 6 Tage reichen. Wir haben zwei Simkarten, dann können wir umschalten, wenn eine leer ist und die Zeit strecken, bevor man wieder einen Laden erreichen muss. 

Als sich Hurrikan „Enrique“ Vallarta näherte, fuhr durch den Hafen ein Boot und verkündigte per Lautsprecher Alarmstufe “gelb” auf Spanisch und auf Englisch. Man sollte seinen Notrucksack packen, alle Papiere zusammensuchen und die Katastrophensammelpunkte kennen. Hm. Außer bei einer Tsunamiwelle in Landnähe ist man auf dem Boot doch am besten aufgehoben. Der Hafenmeister kam rum und versicherte sich, dass alle Boote gut vertäut waren. Wir fühlten uns gut aufgehoben. Besonders als auch noch drei Militärboote und das Hafenlotsenboot in unserem Teil des Hafenbeckens Zuflucht suchten. Sie hatten keine Angst vor dem Wind, berichteten aber dass in den vorderen Hafenbereich, in dem sie sonst liegen,  bei einem Sturm durch eine Kombination von Hochwasser und Wind einmal zwei Meter hohe Wellen eingedrungen waren und das ist natürlich auch am Steg nicht gerade angenehm. In unserem Hafenbecken sollten die Wellen auf 30 cm abgeflacht gewesen sein bei dem Ereignis. Am Kap stürmte Enrique schon fröhlich vor sich hin, wir warteten noch. Doch wieder einmal zu unserem Glück schaffte der Sturm es nicht, bis in die hinterste Ecke der Bucht vorzudringen, drehte ab und zog leicht abgeschwächt die Sea of Cortez hoch. Bei uns kam nur Regen an. 

Ein Grund für unseren Aufenthalt in der Marina Vallarta waren auch Pakete. Hat man eine Adresse in Mexiko, kann man bei Amazon Mexiko bestellen, da sind dann halt schon alle Zollformalitäten erledigt, man kauft wie in einem lokalen Laden ein. Wir hatten von Vincente aus Acapulco Kontakt zu seiner Nichte in Vallarta bekommen und benutzten deren Adresse für unsere Bestellungen. Mathias hatte es sich in den Kopf gesetzt, dass er unbedingt zusätzlichen Kühlraum für Obst und Gemüse braucht, damit sich Melonen und Ananas länger lagern lassen. Dafür bestellte wir eine Kühlbox. Da sie 24V und 220V Anschluss haben musste, war es ein Modell, das aus den USA importiert wurde. Das dauert so 3-4 Wochen Lieferzeit, da es durch den Zoll muss. Die hatten wir also schon von unterwegs geordert. Lüftungsgitter, Mückenvernichtungslampen und eine neue Drohne konnte man schneller bekommen.

Weil wir hier ohnehin warten mussten, beauftragten wir auch wieder einen fälligen Motorwartungsservice. Das dauert auch immer. Erst müssen die entsprechenden Wartungsteile bestellt werden, dann wollte einer zum Gucken kommen und suchte uns zunächst in der falschen Marina, dann wurde der Techniker krank (hoffentlich nicht Corona, aber mit Erkältungsanzeichen spaßt hier halt niemand und bleibt lieber zuhause).  

Mir sind wieder Rechenkünste aufgefallen. In Acapulco saß dort, wo sonst eine Kasse ist, eine mittelalte Dame und rechnete die Preise recht flott aus, schrieb sie auf und addierte dann auch schnell zur Endsumme, ohne einen Taschenrechner zu bemühen. Also doch: Übung macht den Meister. Beispiel in die andere Richtung war ein junges Mädchen, das nicht rechnen konnte und den Taschenrechner nicht bedienen konnte. Ich musst für sie 200:20 eintippen, damit sie mir glaubte, dass 200 Pesos 10 Dollar entsprechen. Sie war sehr nett, sonst hätte ich wohl die Geduld verloren.

An einem Tag fuhren wir in die Marina “Paradise Village” in Nuevo Vallarta, dort lag die Chinatsu, die wir besuchen wollten. Die Fahrt dahin zeigte uns, wie groß die Stadt hier ist. Und in Nuevo Vallarta reiht sich ein Hotel an das andere. Das Paradise Village ist eine Resortanlage. die sich sehen lassen kann. Hotel, Apartments, Strand, Marina, Schwimmbadlandschaft, sogar ein extra Bad zum Bahnen schwimmen, ein Minizoo und vor dem Resorteingang eine kleine Shoppingmall. Die Liegeplätze für die Boote liegen entlang des Flusses kilometerlang. Da kann es sein, dass man weit laufen muss. Wenn man näher an größeren Läden (Ersatzteile und Lebensmittel) sein möchte, ist man bei uns in Puerto Vallarta besser aufgehoben, Paradise Village bietet mehr Luxusurlaubsfeeling.

Natürlich können wir es nicht auf uns sitzen lassen, dass wir uns nur mit dem Boot beschäftigen und nicht für die Umgebung interessieren, obwohl Pakete empfangen und Läden auskundschaften schon einen Großteil unserer Zeit in Anspruch nahmen. Aber ein Ausflug sollte es dann doch sein. Es gibt in der Nähe einen botanischen Garten. Eine organisierte Tour dorthin brauchen wir nicht, das schaffen wir schon alleine. Auf der Internetseite wurden die Eintrittspreise genannt und auch die Preise für Taxi oder Busanfahrt. Wir entschieden uns für Taxi auf dem Hinweg und Bus zurück, weil der Bus nicht in Marinanähe losfuhr und wir lieber früh im Garten ankommen wollten, als erst noch verschiedene Busverbindungen ausfindig machen zu müssen. Für 500 Pesos (= 20 euro oder 6 GB Internet) begaben wir uns auf eine 40-minütige Taxifahrt. Sie führte an der Küste entlang und dann ein Stückchen hoch in die Berge. Die Küstenstraße war auch schon recht bergig mit vielen scharfen Kurven. Es gab recht viele Speed-bumps und uns wurde schnell klar weshalb. Der Taxifahrer ließ sich weder durch eine einfache oder doppelt durchgezogene Linie in der Straßenmitte vom Kurvenschneiden abhalten noch interessierten ihn Kurvenwarnschilder oder Geschwindigkeitsbegrenzungen. Er heizte mit Vollkaracho den Berg hoch und überholte, wo es nur ging. Der Bus auf dem Rückweg verhielt sich ähnlich. Die mexikanischen Autofahrer kann man also nur durch speed bumps (sleeping policemen) zum abbremsen bringen. Ich beschloss, keine größeren Überlandfahrten zu planen.  

Der botanische Garten war sehr nett. Nur ein Teilgebiet ist mit befestigten Wegen und Beeten angelegt, der Rest gestaltet sich eher wie ein Urwald. Wir gingen zunächst zu einer Vanilleplantage, bei der die Vanillepflanzen an Stangen gezogen werden, die in mitten des umgebenden Waldes stehen. Dann ging es rutschige Wege runter an einen Fluss. Dort standen Schilder, dass Schwimmen auf eigene Gefahr stattfinden müsste. Der Fluss war bräunlich vom Schlamm und hatte kräftige Stromschnellen, wer also wollte hier schwimmen? Später entnahmen wir der Broschüre, dass der Fluss den größten Teil des Jahres klares Wasser hat und auch nicht so schnell fließt, nur wenn er braun ist, wird vom Schwimmen abgeraten, also jetzt.

Der Anstieg vom Fluss zum Besucherzentrum war stellenweise recht steil. Ich ließ mir Zeit, Höhenmeter sind ja nicht so mein Ding und ich wollte zwischendurch auch Zeit zum Filmen haben. Als uns dann ein Pärchen  überholte, bei dem er ein Bein in einer Schiene hatte, fing Mathias doch an über meine Geschwindigkeit zu lästern. 😉 Der Garten wimmelte nur so von Pflanzen, die wir zuhause nur sehr mühselig im Zimmer halten können. Besonders beeindruckend war ein Ficus-Baum, der größer als eine alte Eiche war. Wir besuchten noch das Restaurant im Garten, bevor es mit dem Bus zurück nach Puerto Vallarta ging. Dort liefen wir ein wenig herum und nahmen schließlich ein Taxi zurück zur Marina.

Ein weiterer kleiner Ausflug führte uns noch einmal in die kleinen Gassen und an die Strandpromenade von Puerto Vallarta. Wir schlenderten einen Nachmittag dort durch zusammen mit der Crew der Chinatsu:

Pole dancing auf mexikanisch: Voladores führen einen Regentanz auf.

Kurz bevor wir aus dem Hafen abfahren wollten, hatte ich noch ein Missgeschick mit einem Zahn. Es fiel ein Stück einer Füllung ab. Der darauf folgende Zahnarztbesuch brachte eine Entzündung zutage, wir verlängerten unseren Aufenthalt und ich bekam zwei Wurzelbehandlungen, eine Kiefer-OP und zwei vorläufige Kronen. Auf dem Rückweg können wir hier wieder anhalten und die permanenten Kronen machen lassen. Hurra. Zumindest kamen die Experten hierher in die Praxis und ich musste nicht von einem zum anderen laufen, sondern wurde per WhatsApp in die Praxis bestellt, zu der ich zu Fuß gehen konnte. So wurde ich mit allem nur im Verlauf von 1,5 Wochen gequält.  

Inzwischen sind wir wieder unterwegs – die Sea of Cortez ruft.

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Dieser Beitrag hat 2 Kommentare

  1. Reinhold

    Chinatsu ist ein japanischer Vorname. Wie kommt die Jacht Eurer Freunde dazu? Japaner oder Bekanntschaften aus Eurer Japanzeit?
    Zahnbehandlung: seid froh, in Mexiko zu sein und nicht in Frankreich…

    1. trimaran-san

      Hallo Reinhold – Chinatsu, wir wissen es nicht. Vielleicht kam der Name schon vom Vorbesitzer des Schiffes. Man soll Schiffsnamen ja nicht ändern… 😉 LG, Mathias

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