SAN

three hulls, two people, one trip around the world…

Portimão und Küste der Algarve

Weil eine Woche lang gutes Wetter angesagt war, buchten wir eine Bootstour entlang der Küste. Klingt komisch, oder? Aber die Entscheidung war richtig. Die Tourenboote sind kleine Speedboote mit kräftigen Motoren, sie fahren entlang der Küste der Algarve von Pontimão bis Benagil und fahren dabei in die kleinen Höhlen hinein, die es dort gibt. Dort herrscht selbst bei gutem Wetter eine Brandung, die mit unserem Dinghy nicht beherrschbar wäre. Selbst mit den leistungsstarken Motoren der Tourenboote braucht man auch noch einen ortskundigen Skipper. Unser Skipper machte einen taffen Eindruck, er fuhr mit fast bloßem Oberkörper, denn die Sonne schien. Wir hatten uns gut eingemummelt, schließlich ist es auf dem Wasser im Fahrtwind immer kälter, als man denkt.

Dies ist die Strecke entlang der Küste.

In den Höhlen und bei einigen Durchfahrten zwischen den Felsen wurde einem schon etwas mulmig. Definitiv kein Ausflug für das eigene Dinghy. Aber tolle Bilder:

Im Februar kündigte sich das nächste schlechte Wetter an. Diesmal fuhr die Hafenpolizei zu den Ankerliegern und warnte sie vor. Da zu dem Zeitpunkt unser Motor nicht einsatzfähig war, wollten wir trotzdem vor Ort bleiben. Wir bereiteten Notfallmaßnahmen vor. So schleppten wir den Zweitanker mit dessem 20m Kettenvorlauf und rd.60m Trosse auf das Vordeck und brachten den großen Hahnepot an. Die Kontrolle hatte gesagt, wir könnten auf eigene Verantwortung bleiben. Einen Tag vor dem angekündigten Wind kam ein weiteres Boot der Hafenbehörde, diesmal mit einem schlecht gelaunten Beamten. Er ließ sich nicht beeindrucken davon, dass wir manövrierbehindert waren. Es war bereits 17 Uhr und trotzdem gab er uns nur bis zum Abend, um entweder in die Marina zu fahren, oder weiter oben im Fluss zu ankern. Er war davon überzeugt, dass die Marina uns bei der Einfahrt helfen könnte und wir nur nicht bezahlen wollten. Offensichtlich verfügte er über keinerlei Erfahrungen, mit einem windempfindlichen Riesenboot ohne Einsatz von Motor und Bugstrahlruder zu manövrieren. Da wir hier zu Gast sind, wollten wir keinen Streit vom Zaun brechen und beschlossen, in den Fluss hinein umzuankern.

Dabei gab es mehrere Hindernisse zu überwinden. Das eine ist, dass die Ankerwinsch so geschaltet ist, dass man sie nur benutzen kann, wenn der Motor läuft und es keine Handkurbelfunktion gibt. Das umgingen wir mittels eines Extra-Taus, das wir zu einer der anderen Winschen führten. Zunächst nutzten wir die Handwinsch für den Parasailor, später eine Winsch am Steuerstand, die ja aus unseren Batterien betrieben werden. Es wurde eine Kralle in die Kette gehängt, ein Stück hochgezogen, der Stopper festgesetzt, die Kralle umgesetzt und wieder ein Stück hoch. Für das letzte Stück war diese Methode nicht mehr kräftig genug und wir zogen die Kette mit dem Anker mittels des Spifalls aus dem Wasser, bzw. den Anker ließen wir unter dem Bug hängen. Nachdem der Anker lose war, mussten wir irgendwie mit den Segeln manövrieren. Mit Fock und Genua ging es gegen das ablaufende Wasser (ca.2 Knoten Gegenströmung) den Fluss hinauf. Mittlerweile waren so einige Leinen am Bug im Einsatz und wir mussten aufpassen, dass sich beim Aufrollen der Genua nichts vertüddelt. Der kleine Hahnepott kam in die Trommel der Rollanlage der Genua und musste zerschnitten werden, aber die neben der Genua am Fall hängende Kette hielt ich aus dem Aufwickelbereich heraus. Mathias hatte sich eine Position zum Ankern ausgesucht und als wir dort ankamen, war es bereits dunkel. Es blieb nichts anderes übrig, als schnell die Segel wegzunehmen, den Anker und die Kette so zügig wie möglich fallen zu lassen und dann zu hoffen, dass er greift. Wir zogen die SAN noch etwas mit dem Dinghy rückwärts, in der Hoffnung, den Anker damit besser eingraben zu können. Sonst ziehen wir ordentlich mittels Motor an der Kette und dem Anker, bis wir sicher sind, dass der Anker Halt hat. Bei der gesamten Aktion fühlten wir uns nicht gerade wohl, zuviel hätte schiefgehen können. Aber Mathias behielt äußerlich die Ruhe und so ging es auch mir gut. Nicht so viel denken, lieber auf die Aktionen konzentrieren.

Weil neben uns weitere Boote im Fluss ankerten, konnten wir nur 70 m Kette stecken. Wir hofften, nun sicherer zu liegen als auf unserem alten Ankerplatz.

Tatsächlich war die Welle so weit oben im Flusslauf sehr viel weniger als in der Flussmündung und wir überstanden den stürmischen Wind gut. Ein Zweimaster neben uns hatte da mehr Probleme. Er slippte rund 30 m weit. Zum Glück war genügend Platz. Das Boot hat nur insgesamt 40m Kette und einen zwar 60 kg schweren aber einfachen Anker.

Wie wir von diesem Platz wieder wegkommen sollten, war uns nicht klar. Da müsste Wind und Strömung günstig sein. Aber mittlerweile ist unser Motor wieder repariert und es könnte losgehen. Mathias bastelt noch am Blitzschutz und ich nutze währenddessen die Zeit, die sein (schnellerer) Rechner frei ist, um endlich mit den YouTube Filmen weiterzukommen.

Bisher planen wir, irgendwann im März weiterzusegeln. Wartet man zu lange, füllt sich die Straße von Gibraltar mit Orcas und Fischernetzen.

Das Wetter wechselt öfters, an sonnigen Tagen kann man sich schon an einem windstillen Örtchen in die Sonne legen. So 20°C sind schon drin, was Portugal zu einem schönen Spot zum Überwintern macht.

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Dieser Beitrag hat 4 Kommentare

  1. Mario S.

    Oha, na ein Glück dass die Geschichte mit dem Umankern geklappt hat. Ich kann mir sehr plastisch vorstellen, wie so ein Fall von – wie wollen wir es nennen – Behörden…spontaneität? im schlimmsten Fall zur unnötigen Havarie führen kann.
    Die Küste mit den Brandungslöchern sieht ja super aus 🙂
    Lieben Gruß aus Hamburg, wo allenthalben die lila Krokusse sprießen und die Forsythien blühen (=was ja angeblich bedeuten soll, dass es keinen Frost mehr gibt).

    1. trimaran-san

      Jo, und es kam noch schlimmer mit den Behörden… LG, Mathias

  2. Thomas Behling

    Ha, da kann ich ja endlich mal wieder mitreden, denn in der “Algar de Banagil” war ich auch schon (April 2019). 🙂 Wir haben seinerzeit aber die kürzere Tour von Carvoeiro genommen. Hat für meine beiden Mädels (seinerzeit 2,5 und 5 Jahre) aber auch gereicht, wenngleich das Schaukeln im Boot und der Diesel-Gestank in den Höhlen nicht so schlimm gewesen sein kann, wie ich in Erinnerung habe, da beide unterwegs eingeschlafen sind. 😉
    Was sind denn eigentlich Eure Pläne, wenn ihr die Orkas und Fangnetze von Gibraltar hinter Euch gelassen habt?
    Viele Grüße,
    Thomas

    1. trimaran-san

      🙂 Wir wollen tief ins Mittelmeer, also Griechenland und Co… LG, Mathias

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