Abenteuer Panamakanal

Unter normalen Umständen ist die Durchquerung des Panamakanals für Yachten, die es zum ersten Mal wagen, schon ein kleines Abenteuer. Die Durchquerung in Zeiten des Corona-Viruses macht die ganze Angelegenheit noch ein wenig stressiger.

Shelter Bay Marina

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Kurz nachdem wir in Colon ankamen und dort in die Shelter Bay Marina fuhren, wurden in Panama erste Fälle von Corona-Erkrankungen gemeldet. Danach steigerte es sich täglich und die Einschränkungen nahmen täglich zu. Die Marina liegt sehr abgeschieden auf einer ehemaligen US-Militärstation, um in den Ort zu gelangen, gibt es zweimal täglich einen Shuttle-Bus. Anfangs fuhr dieser noch und wir trugen uns täglich ein. Auf diese Art und Weise konnten wir noch Einkäufe erledigen. Im Einkaufszentrum in Colon gibt es zwar mehr Mobiltelefonläden als alles andere aber auch einen Supermarkt. Für Lebensmittel schafften wir noch einen Großeinkauf, damit fuhr der kleine Lieferwagen des Supermarktes uns zur Marina zurück. Das ist ein Service, den sie anbieten, wenn man für über $300 einkauft. Es dürfen aber nur zwei Leute mitfahren, da es nur Sitze vorne gibt. Der mittlere war auch nur so ein Notsitz und hatte nicht einmal einen Gurt. Trotzdem gut, dass es noch geklappt hatte. In den folgenden Tagen fuhr der Bus nur noch mit eingeschränkter Personenzahl (1 pro Yacht) und es durften auch nur Leute fahren, die einen Einreisestempel im Pass hatten, welcher 14 Tage zurücklag. Da wir zuerst in San Blas waren und dort keinen Stempel in den Pass bekommen hatten, konnten wir das nicht vorweisen. Trotzdem schaffte es unser Agent, unseren Termin für die Durchfahrt aufrecht zu erhalten.

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Es ist üblich, mit der Erledigung der Formalitäten und dem Organisieren der Termine, einen Vermittler (Agent) zu beauftragen, sonst ist man sehr beschäftigt und ohne ordentliche Spanischkenntnisse ist es wohl auch beliebig kompliziert. Auch die Helfer für das Führen der Festmacherleinen an den Kanalwänden werden vom Agenten gestellt/engagiert. Vorschrift ist vier Personen plus Skipper an Bord zu haben. Sollte das Schiff alleine in der Mitte des Kanals liegen, müssen vier Festmacherleinen beim Heben oder Senken des Wassers immer nachgeführt werden. Entweder werden für den Job Panamesen angeheuert, oder man nimmt Crewmitglieder von anderen Schiffen mit, die schon mal Erfahrung für die eigene Durchfahrt sammeln wollen. Sie kehren dann auf dem Landweg zurück. Mathias hatte auch schon bei einem anderen Schiff zugesagt, musste das aber wieder absagen, weil es zu dem Zeitpunkt hieß, dass auf der anderen Seite nur Leute wieder an Land gelassen würden, die per Stempel im Pass nachweisen konnten, dass sie bereits länger als 14 Tage in Panama waren. Solch ein Risiko wollten wir nicht eingehen, schließlich wollte ich nicht in der teuren Marina warten, bis Mathias von Hawaii zurück ist. Das war nämlich der nächste geplante Stopp des Schiffes, bei dem Mathias helfen wollte. 

Vor den Beschränkungen des Busverkehrs schafften wir es noch, einen Tag nach Panama City zu fahren. Dorthin fuhr ein Express-Reisebus, der nur $3,15 pro Nase kostete. Die Abfahrtsstelle für den Rückweg zu finden, war zwar etwas schwierig. Aber dank der Freundlichkeit der Panamesen schafften wir es. Man konnte die Busfahrt direkt im Bus bezahlen, aber für den Abfahrtsbereich brauchte man so eine Art Bahnsteigkarte, die man nur mit einer Verkehrsverbundskarte lösen konnte. Ein netter junger Mann bezahlte die 25 Cent für uns von seiner Karte und so gelangten wir wieder zum Bus. In Panama City fuhren wir zu einem Laden, in dem wir die elektronischen Seekarten für den Pazifik kaufen wollten. Wir hatten gedacht, es ist schlauer, sie erst hier zu kaufen, um ein möglichst aktuelles Update zu bekommen. Der Laden führte zwar Admirality Karten, aber keine elektronischen Navionics Karten. Der Mann dort war aber sehr hilfsbereit und rief für uns in einem anderen Laden an. Dort gab es die Karten schon zu kaufen, aber sie hatten gerade keine Datenträger mehr für diese Karten (Navionics SD-Leerkarten), eine neue Lieferung sollte aber im Laufe der nächsten Woche eintreffen. 

British Admirality Karten- und Bücherladen

Wir kauften im ersten Laden noch eine Übersichts-Planungskarte für den Pazifik und Admirality Sailing Directions.  Aus der Serie hatten sie allerdings nur die weiter wegliegenden Gebiete vorrätig, nicht die Gewässer, die man als nächstes erreichen würde. Überhaupt konnte man die Tidentabellen von Cuxhaven und Dover kaufen, aber kaum etwas rund um Panama. Die Karten wurden direkt ausgedruckt. Danach kehrten wir zurück zum Busbahnhof und dem Einkaufszentrum dort. Taxifahren ist sehr preiswert in Panama, wobei die Preise auch gewürfelt werden. Die Hinfahrt zum Kartenladen kostete $6, gleiche Strecke zurück nur $3.

Im Einkaufszentrum dauerte es eine Weile, ehe wir fanden, was wir suchten. Zum einen brauchte ich eine neue Schraube für den Bügel meiner einen Brille. Da es eine sehr leichte Brille ist, hat sie sehr kleine Schrauben und der erste Optiker konnte mir nicht helfen. Es war aber wohl auch kein richtiger Optiker, mehr ein Uhrenladen, der auch Sonnenbrillen verkaufte. Wir fanden noch einen Optiker, sie schraubte mir eine neue Schraube ein und nach vielem Radebrechen gelang es, eine weitere Schraube als Ersatzteil mitzubekommen. Das Ganze kostete nicht einmal etwas. Es ist aber erschreckend, wie weit meine Spanischkenntnisse in meinem Gedächtnis vergraben sind, wäre schon hilfreich, wenn sie etwas mehr zutage kämen. Mathias suchte noch ein spezielles USB Kabel (von A-female auf B-male), das aber nicht aufzutreiben war. Außerdem hatten wir uns vorgenommen, nach einer Speiseeismaschine zu suchen. Ich versuchte es mit der Übersetzung „machina para hacer helado“. Das wurde immer ganz gut verstanden und die Antwort, wo wir noch danach fragen konnten, verstanden wir auch irgendwie. Wir mussten letztendlich aus dem Shopping Center raus und ein Stückchen laufen, wo es noch ein Gartencenter gab und einen größeren Elektronikladen. Dort fanden wir tatsächlich eine kleine Maschine zum Speiseeis herstellen und ich war ganz und gar baff, als dort tatsächlich „machina para hacer helado“ dranstand. Damit hatte ich nicht gerechnet. 🙂 Sie war dann auch noch rot und ja sowieso die einzige, die zur Wahl stand. Also nahmen wir sie. Später auf dem Schiff war das erste Problem, dass der Stecker gar nicht passte. Nun gut, Adapter haben wir natürlich dabei. Aber bevor ich den Stecker in den Adapter stecken konnte, kam Mathias noch die glorreiche Idee: „Stopp, das ist ein amerikanischer Stecker, ist das Teil vielleicht für 110 Volt?“ Ach herrje, ja, da hatte er recht! Nun müssen wir mal schauen, was wir damit anstellen. Nochmal zum Zurückgeben nach Panama City geht jedenfalls nicht so einfach. Die Maschine arbeitet aber mit dem Prinzip, dass ein Kühlkübel im Gefrierschrank tiefgefroren wird und dort hinein werden dann die Zutaten gerührt. Zum Rühren verwendete ich einen Handrühreinsatz von Tupper, der zufällig perfekt auf den Kühleinsatz passt. Das erste Sorbet, das so hergestellt wurde, war gar nicht schlecht. Ich werde über die weiteren Erfolge oder Misserfolge des Eis Herstellens berichten. Man muss sich ja noch ein paar Luxusprobleme schaffen, wenn man sonst nichts zu tun hat. 😉

Nicht nur an Land gab es Beschränkungen des Reiseverkehrs. In die Marina durften bald auch nur noch Schiffe einfahren, deren Crew schon länger als 14 Tage in Panama war. Es kamen noch zwei weitere deutsche Schiffe an, die wir von der ARC kannten. Schiffe, die aus internationalen Gewässern kamen, mussten vor der Marina im Ankerfeld bleiben und schon bald hieß es, dass sie dort 14 Tage in Quarantäne liegen mussten. Die Marina organisierte daraufhin einen Dinghy-Dienst, um die Schiffe vor Anker mit Proviant und vor allem auch mit Wasser zu versorgen. Nicht alle haben einen Wasseraufbereiter an Bord und nicht alle haben genügend Proviant gebunkert, um nach einer längeren Fahrt sich noch 14 Tage verpflegen zu können. Da geht es uns schon unheimlich gut. Wir haben Hamsterkäufe hinter uns und haben ja auch Unmengen an Stauraum. 

Dickes Tau für den Panamakanal

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Die nächste Steigerungsstufe im Corona-Drama war die Sperrung vieler Häfen weltweit. Würden wir auf der Pazifikseite noch einmal anhalten dürfen? Würden wir überhaupt fahren dürfen? Wird es erlaubt sein, seine line handler wieder an Land zu setzen? Wobei wir ja Panamesen anheuern, das dürfte also an und für sich kein Problem werden. Aber unser Agent beruhigte uns und der Termin blieb bestehen. 

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Mittwoch, der 18.3.20 war dann der große Tag!

Der Advisor kommt an Bord

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Um 16:30 kamen die line handler an Bord. Dann ging es raus auf das Ankerfeld und wir warteten auf den Adviser der Kanalbehörden. Das ist eine Art Lotse, nur dass er nicht das Schiff selbst steuert, sondern nur Ratschläge an den Skipper gibt. Allerdings sollte man diese Ratschläge lieber befolgen. Während wir warteten, sahen wir, wie die anderen Yachten ihre Lieferungen von Land mit Freudengeheul begrüßten. Muss schon frustrierend sein, auf dem Ankerfeld festzusitzen. 

Zusammen mit unserem Advisor fuhren wir unter der großen Brücke hindurch und warteten dort auf die zwei weiteren Schiffe, mit denen wir uns vertäuen sollten, um als Päckchen hinter einem Handelsschiff in die Schleusen einfahren zu können. Unser Advisor war ein netter, recht kompetent wirkender Mann, was nicht der Normalfall zu sein scheint, wie man im weiteren Bericht sehen wird.

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Zunächst musste das Päckchen geschnürt werden. Das war bei recht viel Wind und auch noch im Dunkeln nicht ganz trivial. Wir sollten als größtes Schiff in die Mitte, und die Annäherung an einen Katamaran klappte erst beim zweiten Anlauf. Auf die andere Seite kam ein Monohull, das war etwas einfacher zu bewerkstelligen. Einmal im Päckchen vertäut, macht das mittlere Schiff die Hauptarbeit, die beiden an den Seiten sind nur unterstützend tätig. Mathias hatte in der ersten Schleuse noch ein paar Schwierigkeiten, danach klappte es gut. Allerdings waren auf dem (französischen) Kat an unserer Seite keine professionellen line handler sondern die Crew machte es selbst. Dadurch geriet das ganze Päckchen manchmal in Schieflage. Zudem hatten sie auch noch eine Advisorin, die viel schwätzte, aber nicht immer auf den Abstand ihres Schiffes zu den Kanalwänden achtete. Unser Advisor brachte die beiden Kapitäne nach der ersten Schleuseneinfahrt zusammen und fragte, wie die Zusammenarbeit geklappt hätte. Dabei sagte die Dame, sie würde ja unterstützen, aber nur indem sie die eine Maschine des Kats rückwärts laufen ließe und ohne diese Aktion hätte Mathias es nie geschafft. Nun denn. Vielleicht hätten sie auch mal mitsteuern können, denn auch ohne Maschinenunterstützung hat das Ruder bei Fahrt durchs Wasser eine Wirkung. Zumindest hätte sie schon mal eine Aktion einleiten können, bevor ich ihr zurufen musste, dass das Heck des Kats demnächst an der Kanalwand landet. 

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Es gab insgesamt drei Schleusenkammern hoch in den Gatun-See und nach den Anfangsschwierigkeiten kamen wir recht gut durch. 

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Problematisch wurde es erst beim Auflösen des Päckchens. Der Kat sollte als erster von uns wegfahren. Zu diesem Manöver konnte unser Beitrag nur sein, uns und den Monohull an unserer anderen Seite möglichst ruhig und gerade, platt vor dem Wind zu halten. Plötzlich gab es ein riesiges Knirschgeräusch !!  Der Kat hatte sich mit seinem hinteren Ausleger unter unseren Seitenrumpf geschoben. Grund war, dass zwei der drei Verbindungsleinen gelöst waren, die dritte, hintere aber noch fest war. Sie war auf unserer Seite nicht zu lösen, da sie mit einer Schlaufe befestigt war und niemand den Palstek unter Last aufbekam. Wie die Leine auf dem Kat belegt war, weiß ich nicht, aber dort kam niemand auf die Idee, sie zu fieren oder loszuschlagen. Sie warteten darauf, dass wir etwas unternahmen. Unser Advisor gab Anweisung, die Leine zu zerschneiden. Das machte dann auch einer unserer line handler. Dadurch kam der Kat frei.  Das Abtrennen des Monohulls verlief reibungslos.

Zunächst fuhren wir alle drei in den Gatun-See ein. Dort gibt es Bojen, an denen man festmachen muss, um die Nacht zu verbringen. Am nächsten Tag kommt dann ein anderer Advisor für den zweiten Teil des Kanals. Es gibt zwei Bojen, wir wollten uns also eine mit dem Kat teilen, damit wir schauen konnten, wie der Schaden aussah. Der Kat war vor uns und wir warteten, damit sie festmachen konnten. Aber sie schafften es nicht in mehreren Anläufen an der Boje festzumachen. Zunächst waren sie viel zu weit gefahren, dann fuhren sie zweimal an der Boje vorbei, die Advisorin gab Anweisungen, die aber wohl niemand befolgen konnte. Letzten Endes legten wir als erste an. Dann kam der Kat und unsere line handler, die auf die Boje gesprungen waren, halfen dem Kat beim Anlegen. Sie nahmen die Leinen entgegen und reichten sie wieder zurück. Da lagen wir also wieder nebeneinander. Aber ja zumindest durch eine dicke Boje getrennt. 

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Der Schaden an unserem Schiff hält sich sehr in Grenzen. Eine Schramme im Gelcoat und eine ca 1cm2 große Abplatzung an der Unterseite des Rumpfes. Beim Kat ist eigentlich auch nur ein kosmetischer Schaden entstanden, der zwar etwas aufwändiger zu reparieren sein wird. Allerdings ist bei ihnen die Klampe an der Stelle zerbrochen und herausgerissen. Das ist zwar ein etwas dollerer Schaden, aber ebenfalls wieder behebbar. Wir hätten uns zufrieden gegeben, wenn sich jeder um seinen eigenen Schaden gekümmert hätte. Die Advisorin des Kats begann aber gleich die Diskussion mit der Frage, wer denn die Leine nicht losgeschlagen hätte und damit ja wohl Schuld sei. Dass sie mal wieder das Hinterteil des Schiffes nicht im Auge gehabt hatte, kam ihr wohl nicht in den Sinn. Unser Advisor versuchte, etwas Ruhe in die Diskussion zu bringen, aber es ging heiß her auf Spanisch.

Die Franzosen bestanden dann darauf, Versicherungsdetails auszutauschen und sie bestanden zudem darauf, dass wir Schuld an dem Vorfall hätten. Wenn nicht Mathias persönlich dann doch zumindest unser line handler, der die Leine nicht rechtzeitig losgeschlagen hätte. Diese Auffassung kann ich überhaupt nicht nachvollziehen. Der Skipper des Schiffes, das das Ablegemanöver fährt, ist doch für die Durchführung des Manövers verantwortlich und muss sagen, in welcher Reihenfolge die Leinen gelöst werden und dafür sorgen, dass er sein Schiff unter Kontrolle hat, bzw. dafür sorgen, dass seine Leinen so befestigt sind, dass man sie auch wieder lösen kann. Na ja, lassen wir die Versicherungen sich streiten……

Man muss ja die Mannschaft, die man an Bord genommen hat, verpflegen und zwar gut verpflegen. Es hält sich hartnäckig das Gerücht, dass ein Advisor, dem das Essen an Bord mal nicht gepasst hat, sich von Land ein Essen bestellt hat. Das hat $15 gekostet, aber die Anlieferung kostete $200. Empfohlen wird auch etwas vorzukochen, da es dann schnell fertig ist. Ich hatte Lasagne vorgekocht und auch eine riesige Menge zubereitet. Das war ein Glück. Unsere drei line handler waren drei richtig nette junge Männer, die aber einen gesunden Appetit mitbrachten. Gut, dass ich für die 6 Personen an Bord von einer Menge pro Person ausgegangen war, die auch unseren Sohn hätte satt bekommen können. Ich muss dazu sagen, dass die drei line handler sich zurückgehalten hätten, aber es schmeckte ihnen richtig gut und da ich so viel produziert hatte, griffen sie auch ordentlich zu. Alle waren also zufrieden 😉

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Der Advisor verlässt das Schiff, die line handler übernachten auf dem Schiff. Auch dafür muss man unterschreiben, dass man ihnen Kojenplatz zur Verfügung stellt. Unsere wollten aber oben auf dem Sundeck schlafen. Ich versorgte sie mit Decken und Kissen und sie zogen ganz zufrieden mit ihren Smartphones nach oben. In der Nacht mussten sie noch ein Stockwerk nach unten wandern, weil es doch kräftig regnete. Aber auch dort haben wir ja genügend Liegefläche.

Gatun See

Morgens muss man Frühstück für den Advisor und die line handler stellen. Das darf aber kein kontinentales Frühstück sein, sondern es muss ein warmes Frühstück sein. Ich weiß ja nicht, was man in Panama zu einem warmen Frühstück isst, Reis mit Ketchup wie in Ecuador? Sicherheitshalber habe ich mich am englischen Frühstück orientiert: Bratkartoffel, baked beans, sausages, Rührei. Meine Jungs haben wieder kräftig zugeschlagen. Ich hatte einen gefragt, was er denn haben möchte. Er meinte, das sei meine Entscheidung, es ist mein Schiff und ich könne kochen, was ich möchte, sie würden nur essen. Das konnten sie aber auch gut und sie haben sich auch immer super nett bedankt. Hat schon Spaß gemacht.

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Der neue Advisor war ein arrogant wirkender Mensch und die erste Aktion, die folgte war die Frage nach dem Vorfall vom Vortag. Dann folgte eine wüste Beschimpfung auf Spanisch der beiden neuen Advisor gegenseitig. Ergebnis war, dass diesmal der Kat in der Mitte des Päckchens fahren sollte, weil der Skipper meinte, er könne es besser. Nun gut. Vorteil war, dass dadurch auf den beiden äußeren Schiffen panamesische line handler tätig werden konnten und nicht mehr die Chaoten auf dem Kat an den Leinen standen. Allerdings hatte ich den Eindruck, dass unser Advisor überhaupt nicht damit einverstanden war, nicht das Mittelschiff zu dirigieren, das ja für die Ein- und Ausfahrten den Ton angibt. 

Der Kat machte seine Aufgabe nicht schlecht, aber Mathias steuerte aktiv mit und half auch manchmal mit Motorkraft dabei, das Päckchen gerade zu halten. 

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Beim Herunterschleusen ist man vor dem großen Handelsschiff in der Schleuse, beim Hochschleusen dahinter. Ohne die laut schreiende Advisorin vom ersten Teil ging die ganze Aktion auch recht ruhig von statten. Das Zusammenschnüren des Päckchens hatte gut geklappt und auch beim Auseinanderfahren gab es diesmal keine Schwierigkeiten. Unser Advisor lobte jedesmal uns und die Crew für gut ausgeführte Manöver.

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Wir düsten dann in Richtung Marina. Unser Advisor verlangte full speed. Er wollte wohl endlich den ollen Kat loswerden 😉

Unser Agent muss sehr überzeugend reden können. Jedenfalls durften wir ohne Weiteres in die Marina (davon waren wir nicht ausgegangen bei der Abfahrt in Shelter Bay), sie hatten einen Platz für uns reserviert und unser line handler kommunizierte mit ihnen über Funk. 

Panama City

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Die Fahrt über den Gatun-See und den Kanal entlang mag recht schön gewesen sein, allerdings habe ich davon nicht viel mitbekommen. Das Geschirr des warmen Frühstücks musste abgewaschen werden und ein warmes Essen für den lunch vorbereitet werden. Ich kochte etwas mit Hähnchenfleisch und indischer Soße, sowie einen riesigen Berg Reis. Den kochte ich nacheinander im Reiskocher und machte ihn dann in der Mikrowelle wieder warm. Gut dass der Kanal keine großen Wellen hat (außer wenn ein Frachtschiff vorbeifährt), so konnte ich meine beiden Induktionsherdplatten einsetzen. Auch das dritte Essen ist gut angekommen bei meiner Crew und sogar unser Advisor war zufrieden. Vom heißen Abwaschwasser und dem ganzen Gekoche bei den Umgebungstemperaturen hätte ich mein T-Shirt nachmittags auswringen können, es war klitschenass geschwitzt.

Jetzt sind wir erstmal ein paar Tage hier auf der Pazifikseite und schauen, wie es weitergehen wird. 

Kein Volvo Service für die Inspektion des Schiffsdiesels, der wurde vom Samstag in die Zukunft verschoben, auch haben sie nicht die benötigten Austauschteile vorrätig. Das ist aber natürlich für uns kein Problem, denn wir haben alles gebunkert dabei 😉 Wir brauchen den offiziellen Service nur für die Erhaltung der Garantie.

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Immer noch keine Navionics Karten, aber zumindest Unmengen von Essen an Bord…

Corona: Wie es weitergehen wird, wissen wir wie alle anderen auch noch nicht. Die Marquesas und Französisch Polynesien sind zur Zeit zumindest teilweise gesperrt. Wenn eine Yacht neu ankommt, kann es passieren, dass man nur auftanken und verproviantieren darf und dann weiterfahren muss. Oder dass man die Yacht dort lassen kann, selber aber ausfliegen muss, oder auch an Land Quartier beziehen muss. Es wird empfohlen, den Schlag über den Pazifik zur Zeit nicht anzutreten. Dann kann es wegen der Hurrikan-Saison passieren, dass man erst nächstes Jahr fahren kann. Können wir nur hoffen, dass wir länger in Panama bleiben dürfen. Hier gibt es zumindest so gut wie keine Hurrikans.

Den beiden deutschen Schiffen, die wir in Shelter Bay getroffen hatten, ist der Durchfahrtstermin für den Kanal nächste Woche gestrichen worden. Allerdings werden noch vereinzelt Yachten durchgeschleust. Wie die Auswahl stattfindet, weiß ich nicht.

Unsere Freunde auf der Zan sind unterwegs und haben den halben Weg nach Französisch Polynesien hinter sich. Sie müssen sich überraschen lassen, was bei der Ankunft passieren wird.

Die Schiffe der World ARC liegen fest, die Crews mussten nach Hause fliegen. Ein anderer Neel 51 Eigner hatte gerade seine Familie besucht und ist nun auf dem Rückweg zum Schiff in Neuseeland gestrandet. Seine Familie ist in Vietnam auf Verwandtenbesuch und ihr Haus haben sie eigentlich in Singapore, bloß das ist vermietet, weil sie auf dem Schiff leben wollten.

Andere Freunde stecken in der Karibik fest und dürfen auch nicht mehr weitersegeln.

Bleibt nur abzuwarten und hoffentlich gesund zu bleiben……..

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Dieser Beitrag hat 4 Kommentare

  1. Toller Bericht durch den Kanal. Im Nord-Ostsee-Kanal hab ich noch kein Schiff im Päckchen fahren sehen. Dafür ist er wohl zu schmal, aber der meistbefahrene Kanal der Welt!
    Hoffentlich könnt ihr dich noch viele Länder und Inseln kennenlernen!!
    Nun kann ich euch nur noch Gesundheit wünschen!
    Lieben Gruß
    Micheline

  2. Heute hatten wir die Wartung unseres Schiffsdiesels. Ein Punkt, den man abhaken kann.

  3. Und ich dachte immer Janosch hätte sich etwas dabei gedacht, als er „Oh wie schön ist Panama“ geschrieben hat. Aber auch wenn der Weg durch den Kanal ziemlich abenteuerlich war, nun habt ihr hinterher wenigstens etwas zu erzählen. Ich bin gerade nach zwei Wochen auf Fanø nach Hamburg zurückgekehrt. Die Fahrt durch ein menschenleeres Dänemark hatte einen postapokalyptischen Charakter. Ich hab mich zum ersten Mal darüber geärgert, im Urlaub nicht meinen Firmenlaptop dabei gehabt zu haben, denn ansonsten hätte ich mein Hone-Office auch auf Fanø eröffnen können. Ich hoffe ihr werdet diese schwierige Zeit gut und gesund überstehen und ich drücke Euch die Daumen, dass ihr überall dort vor Anker gehen dürft, wo ihr das ursprünglich geplant habt.
    Viele Grüße aus der alten Heimat
    Matthias

  4. Hallo Birte, haltet durch, in Deutschland ist jetzt auch Krise und im „Funk“ wird konsequent „Homeoffice“ gemacht …. Ich hoffe das sich die Lage wieder entspannt und wir alle dann wieder das machen können was wir uns für den normalen Jahresverlauf vorgenommen haben.
    …. auch da fällt mir noch ein: In D ist Klopapier aus, wenn ihr anständig gebunkert (gehamstert) habt könnte das auch dort wo ihr gerade seit ein alternatives Zahlungsmittel sein ….

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