Guadeloupe

Da liegt man in seiner Kabine im Bett, wacht auf, schaut aus dem Fenster und es fährt klammheimlig und leise eine Kleinstadt an einem vorbei. Das Kreuzfahrtschiff MSC Preziosa fuhr gerade in den Hafen ein, in dem wir vor Anker liegen. Ist schon beeindruckend, wenn man diese Riesen aus nächster Nähe sehen kann.

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Wir sind nach einem kleinen Ausflug in den Südwesten von Guadeloupe wieder zur Hauptstadt Pointe-a-Pitre zurückgekehrt. Wir warten noch immer auf ein Ersatzteil für unser Dampferlicht. Das sollte schon lange hier sein, ist aber irgendwie in Paris stecken geblieben. Deshalb wurde es noch einmal losgeschickt, diesmal mit DHL. Paketverfolgung zeigte, dass es von Nantes zunächst nach Leipzig gereist ist und danach wieder nach Paris. Nun hoffen wir, dass dieses Teil diesmal ein Flugzeug nach Guadeloupe findet. 😉

Die Wartezeit verbrachten wir mit vielen schönen Ankertagen und einigen Besichtigungen der Insel. Vor der Islet de Gosier ankerten wir ein paar Nächte, dort kann man gut schnorcheln und schwimmen.

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Es gibt auch viele Schwimmgruppen dort. An einem Morgen kam eine Gruppe Frauen vorbeigeschwommen, die sich bei dieser Tätigkeit angeregt unterhielten. Ich schickte ein Foto davon an die Alvesener Frauengruppe, woraufhin der Kommentar kam: „Na, da bin ich ja froh, dass wir im Trockenen sitzen und Wein trinken können beim Quatschen“  🙂 Ja, andere Länder – andere Sitten 😉

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Als wir das erste Mal in Point-a-Pitre einliefen, kam ein Zollschiff zum Ankerfeld, um die Boote zu kontrollieren. Sie stoppten kurz bei uns und stellten die üblichen Fragen nach Alkohol und Bargeld an Bord, dann fuhren sie weiter und hielten noch bei anderen Booten an. Etwas später kamen sie aber wieder zurück und wollten nun doch an Bord kommen. Es ist wie beim Känguruh: Wir werden verdachtsunabhängig und vollkommen zufällig ausgewählt für eine Kontrolle, wenn wir gerade das interessanteste Boot in der Gegend sind. Also zum zweiten Mal hatten wir den französischen Zoll an Bord. Diesmal fiel die Suche nach Drogen und Ähnlichem zwar gründlicher aus als beim ersten Mal, aber in alle Hohlräume schauten sie immer noch nicht und bis zur Mittagspause waren sie dann auch fertig. 

nicht nur gute Nachbarn im Ankerfeld

Bei Basse-Terre teilten wir uns die Bucht zum ersten Mal mit einer echten Superyacht, also diesen Privatyachten, die -zig Millionenbeträge kosten und für einmal Auftanken im 100.000 Euro Bereich liegen. Aufgrund der Größe war sie etwas weiter draußen vor Anker als wir.

links wir, rechts die Superyacht

Wir bewunderten die Superyacht von weitem und wunderten uns doch sehr, als plötzlich ihr „Dinghy“ auf uns zu hielt. Es war ein Motorboot, auf dem in bequemen Sitzplätzen mindestens 10 Personen Platz nehmen können. Es waren aber nur zwei junge Männer an Bord. Der eine interessierte sich sehr für unseren Trimaran und stellte so einige Fragen, die Mathias ihm beantwortete. Ein paar waren schon so formuliert, dass ich lächelnd sagte: „Du kannst gerne an Bord kommen und schauen.“ Woraufhin er meinte: „Oh, Danke, gerne, ich hatte mich nicht getraut zu fragen.“ Erstmal musste er aber noch Personen transportieren. Er gehörte wohl zur Crew der Superyacht. Abends kam er dann wieder und wir gaben ihm eine Tour. Ein echt netter junger Mann, der eine Firma gegründet hat, die Dienstleistungen mit Drohnen anbietet. Damit hat er vor, soviel Geld zu verdienen, dass er sich ein Schiff kaufen kann, auf dem er leben kann. Der Neel ist ihm dafür aufgefallen und er war auch sehr begeistert vom Platzangebot. Er machte einige Fotos und muss nun noch seine Frau von dem Plan begeistern. 🙂 Träume darf man haben.

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Hier ein paar Eindrücke von unserem Ausflug an Land in Basse Terre:

Ausflüge an Land nutzen wir auch immer für Supermarktbesuche und es darf auch mal nur so durch die Geschäfte gebummelt werden. In Basse Terre gab es einen kleinen Supermarkt, der Ananas in Dosen führte, was man hier nicht überall bekommt. Mathias sagte also, er würde auf mich warten und ich ging hinein, um ein paar Dosen zu kaufen. Nun dauert es an den Kassen hier immer eine ganze Weile, bis man so an der Reihe und fertig ist. Die Leute haben alle sehr viel Zeit, was man in der Hitze auch gut verstehen kann, Hektik wäre nicht gesund. Allerdings wunderte sich Mathias diesmal sehr, wie lange man brauchen kann, um ein paar Dosen zu besorgen. Der Grund lag darin, dass direkt neben dem Supermarkt ein netter Zeugladen war. Da Mathias ohnehin wartete, nutzte ich die Gelegenheit und schaute dort hinein. Während ich ein Kleid und ein Top anprobierte und mich nett mit dem Ladenbesitzer unterhielt, als ich das Kleid kaufte, verging natürlich auch ein klitzeklein wenig Zeit. Hat sich aber doch gelohnt, oder?

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Am nächsten Tag, als wir abreisten, beobachtete uns der junge Mann von der Superyacht wieder. Leider hat es da eine Weile gedauert, bis wir das Segel oben hatten, weil der Wind seine Richtung ständig änderte. Aber dann muss es schon gut ausgesehen haben, als wir segelten. Es war für meine Verhältnisse ein fast perfekter Wind. Gerade nur soviel, dass der Luvschwimmer aus dem Wasser kommt und das Wasser um den Bug rauscht. Ich habe erst auf dem Sonnendeck und dann vorne auf dem Trampolin gesessen. Das ist schon fast wie Trapezsegeln auf dem Kat 🙂 Wenn man bedenkt, dass es im Jahr ja nur so 10 sehr gute Segeltage geben soll, musste ich diesen Wind genießen. (Für Mathias war es wahrscheinlich nicht schnell genug.)

Von Point-a-Pitre aus machten wir eine Tour auf Guadeloupe und besichtigten eine Stelle mit in Stein gemeißelten Bildern aus vor-europäischer Zeit, einen Wasserfall und eine Rumdestillerie.

Engraved Rock Park

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Carbet Fall

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Longueteau Rum Destillerie

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Nachdem nun auch Mathias Bruder von Bord gegangen ist und wir wieder zu zweit sind, ist erstmal Putzen und Waschen angesagt, sowie natürlich die Bastelarbeiten von Mathias.

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Mathias Liste wird irgendwie nie kürzer. Sie wird zwar ständig abgearbeitet, aber es gibt immer genügend neue Ideen und Punkte, die aufgenommen werden müssen.

Schlauch und Anschluss der Wasserleitung ersetzt durch einen Schlauch, der mehr Wasserdruck standhält. Dies ist eine Schwachstelle, die bei anderen Neel Schiffen dazu geführt hatte, dass der gesamte Wassertankinhalt sich in den Technikraum ergossen hat. Wir waren bisher noch immer an Bord und konnten eine Komplettüberschwemmung verhindern. Aber vorbeugen ist da schon besser.

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Endlich haben wir eine Haltemöglichkeit beim Hoch- und vor allem Runtersteigen auf der Treppe zum Steuerstand. In der Welle war das bisher nicht gerade einfach. Zum Pole-Dancing üben eignet sie sich allerdings nicht, wäre sehr einseitiges Tanzen 🙂

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Mathias umfangreiche Ersatzteilsammlung erweist sich immer wieder als sehr hilfreich. Zur Zeit bastelt er viel an der SSB Funkanlage herum und versucht, die Abstrahlung und den Empfang zu verbessern. Im Laufe dieser Arbeit hat er an einigen Kabeln Ferrit Ringkerne angebracht. Sie sollen HF-Frequenzen am Kabel unterdrücken und dafür sorgen, dass die SSB Anlage nicht vom Bordnetz beeinflusst wird. Sein Vorrat dieser Teile schrumpfte auf 3 Stück zusammen und er dachte: „Könnte man ja bei Gelegenheit wieder aufstocken.“ Im Marineelektrikladen hier in Guadeloupe fragte er danach. Der Ladenbesitzer meinte, er habe 2 Stück auf Lager, die er aber zum Verbauen in Schiffen von Kunden bräuche. Mathias Lager ist also besser bestückt als der Fachhandel hier. 🙂

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Was sonst noch geschah:

Auf der Fahrt von Marie Galante nach Islet de Gosier verloren wir unseren Watt and Sea Hydrogenerator. Es war schon ordentlich Wind und Welle, aber kein Sturm oder Ähnliches und schließlich ist das Ding ja dafür gedacht, während der Fahrt im Wasser zu hängen. Er ist irgendwie nach oben aus der Verankerung gerutscht. Die Sperre war nicht stabil genug. Wir haben es reklamiert. Erste Antwort war natürlich wieder: „Das ist noch nie passiert.“ Schauen wir mal, was daraus wird.

Zuhause bei Maika kam unsere ARC+ Plakette für den 3. Platz an.

Unsere schiffseigene Grille, Jeremiah, hält weiterhin durch und meldet sich immer im Dunkeln, sowie die Musik los geht.

Unser Schwesterschiff, die Neel Nr.15, ist in die Vercharterung gegangen. Die norwegischen Besitzer haben ihre Pläne geändert und sind leider inzwischen auch schon wieder in Norwegen. Wir hätten sie gerne nochmal getroffen. Aber vielleicht kommen sie uns ja mal besuchen.

Bei unserem Ankerplatz kann man gut Kreuzfahrer-spotting machen, hier ein paar Bilder von der auslaufenden Aida Perla:

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Nächste Stationen, die geplant sind: Deshaies auf Guadeloupe und danach weiter nach Antigua. Vielleicht holen wir die Zan wieder ein. Sie sind auf dem Weg nach Norden und wollen auch nach Panama.

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Dieser Beitrag hat einen Kommentar

  1. Hallo liebe ex- Nachbarn,
    Gratuliere auch zum 3. Platz, doch für das was ihr gerade macht, für die Entscheidung und Durchsetzung dafür, habt ihr den 1 Platz verdient. Habt ihr was vom Seebeben zwischen Kuba und Jamaika und caymans mitbekommen?
    Weiter schöne Zeit!!!
    Lg aus dem alvesener Schulweg
    Micheline

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