Karibik

Vor Anker in der Le Marin Bucht von Martinique. Dort war ich 12 Tage alleine auf dem Schiff.

Ein paar Bilder aus diesen Tagen:

Weihnachten und Silvester im Warmen. Fast ohne Festtagsstress.

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Die Familie auf dem Flug zum Schiff

Das Aufgabegepäck der drei war voll mit Ersatzteilen und Leinen für unser Schiff. Manche Dinge kann man hier nicht einfach kaufen und der Versand dauert zu lange und ist zu teuer. Deshalb werden alle Besucher von uns als Kuriere benutzt.

Wir hatten zwei unserer drei Kinder zu Besuch, also war zwar das Essen zubereiten und vor allem der Abwasch aufwändiger als sonst, aber es hat Spaß gemacht, mal wieder fast die ganze Familie zusammen zu haben.

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Der Flieger aus Deutschland landete abends in Fort de France, dann muss man mit dem Taxi bis nach Le Marin fahren. Meine Leutchen kamen also erst gegen 23 Uhr an. Da ich nicht im Dunkeln die relativ weite Strecke zum Dinghysteg am Supermarkt machen wollte, fuhr ich schon vor 18 Uhr los und wartete an Land. Es war nicht so einfach, zwischen den zahlreichen Yachten vor Anker die Lücke zu finden, wo die Seitenwasserstraße begann. Man muss auch gut aufpassen, wenn man zwischen den Schiffen mit dem Dinghy entlang fährt, von einigen Schiffen am Anker schaut nur noch der Mast aus dem Wasser heraus!

Als endlich alle eingesammelt waren, mussten wir feststellen, dass der Supermarkt sein Gelände nachts absperrt. Wir umkletterten also in der Nacht den hier abgebildeten Zaun. Zum Glück ging das. Dort ist ein kleiner Abhang zu einem Wasserarm und der Stacheldraht hört irgendwann auf.

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Gemeinsam fuhren wir im voll beladenen Dinghy zum Schiff zurück. Es zu finden, war eine Herausforderung. Geholfen hat uns dabei tatsächlich unser Globus. Er ist nachts beleuchtet und so können wir das Schiff mit dem kleinen blauen Licht im Fenster suchen.

Dass Dinghy fahren gefährlich sein kann, erlebte Mathias am folgenden Tag. Er war zum Ersatzteile kaufen aufgebrochen, als sich plötzlich eine Angelschnur im Motor verfing. Die Schnur hing an einem in den Hafen einlaufendem Schiff, sie hatten vergessen, sie einzuholen. Bei dem Versuch, den Motor zu befreien, bewegte sich das Schiff und der Angelhaken grub sich in Mathias kleinen Finger der linken Hand ein, wo er abbrach. Mathias musste ihn mit einer Zange herausziehen und es gab ein Blutbad. Der Crew auf dem Schiff war das Ganze sehr unangenehm und sie plünderten ihre Bordapotheke um den Finger zu verarzten und schenkten Mathias noch eine Flasche Rum als Trostpflaster. Mal schauen, wann die verbraucht wird…..

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Das Ablegen in Le Marin war nicht so einfach. Der Heckanker, den wir ausgebracht hatten, hatte sich in diversen anderen Ketten auf dem Meeresgrund verfangen und wir mussten ihn und seine Kette mithilfe des Spifalls, der Dirk und der Kraft der elektrischen Winschen bergen. Hinzu kam, dass der Wind ungünstig blies und wir beim Ankerlichten Gefahr liefen auf die flache Stelle neben uns zu geraten. Um dies zu verhindern fuhr ich mit dem Dinghy neben dem Schiff und drückte es in die richtige Richtung wie ein Schlepper im Hamburger Hafen 😉

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Wir fuhren zu den südlicheren karibischen Inseln: St. Vincent, Bequia, Tobago Cays, Palm Island. Dort trafen wir zwei weitere Schiffe der ARC+.

Auf St.Vincent versuchte unsere Crew nach dem Einklarieren, einen Supermarkt zu finden. Es gab aber in der Blue Lagoon nichts Gescheites, also wanderten sie und wanderten. Bis sie ganz nach Kingstown gewandert waren. Das ist ein einstündiger Fußmarsch und auch noch in der Hitze. Für den Rückweg stiegen sie in einen der Minibusse ein. Diese Busse kennen nur Stopp und Vollgas. Während der Fahrt spielt laut Musik, wahrscheinlich, damit man die Angstschreie der Mitfahrer nicht hört. 😉

Mathias bleibt vor Anker natürlich nicht untätig. Neben den laufenden Reparaturarbeiten, sprich nach und nach alle Schellen an den Wasserleitungen ersetzen 😉 , beschäftigte er sich auch mit einigen netteren Arbeiten: Das Spifall wurde mit einem Scheuerschutz überzogen, damit es nach Belastung hoffentlich nicht mehr eingekürzt werden muss. Die Kurzwellenanlage bekam zusätzliche Erdung.  

Bequia an Land

Sylvester hatten sich die Crews am Strand zum Grillen verabredet. Der Tag ging mit Vorbereitungen rum: Zwiebelbrot und Heißwecken backen. Im Solarbackofen dauert das den ganzen Tag, weil nur so ca. Teig von 250g Mehl auf einmal in die Röhre passt. Zusätzlich musste der kleine Cobb-Kohlegrill aus der hintersten Ecke des Stauraums hervorgezogen werden, Salat zubereitet, Fleisch aufgetaut werden und eine Picknickausrüstung gepackt werden. Maika machte vegane Grillklopse.

Apropos Solar: An drei Tagen vor Anker haben wir 2 x 8 kWh und 1 x 9 kWh Strom verbraucht, da lief der Wasserentsalzer für jeweils 2 Stunden und die Waschmaschine ebenfalls. Unsere Solarpaneele konnte es nicht schocken, sie hatten die Batterien am Nachmittag wieder voll geladen. 🙂

Gegen 17 Uhr trafen wir uns an Land. Die Kinder inkl. unserer Großen amüsierten sich beim Uno spielen. Wir verbrachten alle einen netten Abend.

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Um 23 Uhr waren auf einmal nur noch die Crews der drei ARC+ Boote übrig und allesamt waren wir müde. „Sailor’s midnight“ ist ja an und für sich schon um 21 Uhr lokaler Zeit. Danach fallen alle Mann ins Bett. Es ist hier ab 18 Uhr dunkel und wenn man den ganzen Tag in der Sonne war, oder schwimmen oder segeln, ist man tatsächlich um 21 Uhr sehr müde und gefühlt ist es schon mitten in der Nacht. An Sylvester beschlossen wir dann auch, die letzte Stunde vor der echten Mitternacht zum Aufräumen und aufs Boot Zurückkehren zu nutzen. Wir saßen noch auf unserem Sonnendeck und hielten tapfer durch bis Mitternacht und schauten uns das Feuerwerk an.

2020

Im neuen Jahr segelten wir zunächst nach Canouan, dort gefiel es uns aber nicht. Die Bucht hat kein kristallklares Wasser, man wird ja anspruchsvoll. Der Ort sollte auch nicht so schön sein, wie die Crew der Oktant berichtete. Es ging deshalb schnell weiter in die Tobago Cays. Dort ist Karibik pur. Schildkröten und Rochen im Wasser, kleine palmenbestandene Inseln um einen herum. Die Yachten liegen alle hinter einem Riff vor Anker, Orte gibt es nicht.

In den Tobago Cays kam unsere umfangreiche Ersatzteil und Werkzeugsammlung zum Einsatz. Bei der Oktant war der Autopilot ausgefallen und sie wollten sich mit Hilfe eines Pinnensteuerungsautopilotens einen Ersatz basteln. Die geplante Halterung ließe sich am Einfachsten mit einer Stichsäge herstellen. Die Frage in die Runde löste erst Erheiterung aus, bis wir an der Reihe waren. Tja, wir haben halt unseren Hausstand dabei und darunter auch Mathias Stichsäge, die er schon seit seiner Jugendzeit sein eigen nennt. 🙂 Zusätzlich konnten wir auch noch etwas Bodenbelag spendieren, um eine Schablone herstellen zu können. Trotzdem musste die Oktant ein Opfer bringen. Das Zeichenbrett der Co-Skipperin wurde zur Herstellung der Halterung zerschnitten. 

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Seit den Tobago Cays wunderten wir uns darüber, dass das Zirpen der Grillen so weit trägt. Jeden Abend waren sie aktiv. Es wurde auf Musik geantwortet. Eines Abends saß einer von uns in der Ecke der halbgeschlossenen Schiebetür und es zirpte direkt in sein Ohr. Das war die Erklärung: Wir haben eine Grille als blinden Passagier an Bord! Hoffentlich findet sie etwas zu essen. Mittlerweile vermissen wir schon etwas, wenn sie abends leise bleibt.

Palm Island

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An dieser Ankerstelle ist es uns zum ersten Mal passiert, dass der Anker sich in der Nacht losriss. In einem Squall nahm der Wind ordentlich zu und wir trieben plötzlich ab. Das war um 2 Uhr nachts. Aber der Ankeralarm weckte uns und Mathias, Lukas und ich gingen an Deck und wir ankerten neu. Maika verschlief die ganze Aktion.

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Kinosaal 2:

Weil Maika und ich uns die 5. Staffel der Poldark Serie antun wollten, hatten wir einen zweiten Kinosaal aufgemacht. Eines Abends waren wir doch recht verwundert, als plötzlich mitten im Film der Ton unserer DVD ausfiel. Nichts half, er war verschwunden, bis von oben der entrüstete Kommentar kam: „Mach mal Bluetooth aus, wir haben hier Euren Ton!“ – Unser neuer externer Bluetooth Lautsprecher hatte sich mit unserem Rechner im Backbordrumpf verbunden statt mit dem Rechner oben im Kinosaal 1 🙂

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Entlang der Küste von Martinique bei ordentlich Wind saßen Mathias und ich beide am Steuerstand. Plötzlich entdeckten wir vor uns einen großen Baumstamm im Wasser treiben. Wir versuchten auszuweichen. Bei Annäherung stellte es sich heraus, dass der Baumstamm ein Wal war. Er war ungefähr 8-10 m lang und schwamm in ca. 5-10 m Entfernung an uns vorbei. Damit haben wir die Statistik erfüllt – erstmal sind keine Walkollisionen oder Beinahe-Kollisionen mehr in Sicht 😉

Viel Wind vor Martinique

Mittlerweile ist Lukas von Bord gegangen und Mathias Bruder, Krischi, angekommen. Wir liegen in der Bucht von St. Pierre, Martinique. Hier mussten wir unbedingt noch hin, weil Maika vor ein paar Jahren hier ein Vanilleparfum gekauft hatte, das ihr so gut gefiel. Leider führt der Laden das Parfum nicht mehr. Er gab uns aber die Bezugsquelle. Einer der Läden ist in der Nähe von Le Marin, das hätten wir mal eher wissen sollen. Aber wozu gibt es denn das Internet. Man kann sich das Parfum direkt nach Deutschland schicken lassen 🙂

St. Pierre

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An diesem Track sieht man gut, dass unser erster Ankerversuch nicht von Erfolg gekrönt war. Der Anker hatte ein Stück Dachpappe eingefangen und hielt nicht. Bei 60m Kette macht man da schon einen gehörigen Schlenker.

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Im Land der Regenbögen

Nun ist auch Maika wieder auf dem Weg nach Deutschland. Sie fuhr hier von St.Pierre mit dem öffentlichen Bus ab. Der hatte Verspätung. Er kam einen Viertelstunde nach planmäßiger Abfahrtszeit angefahren und signalisierte den Wartenden nur, dass sie nicht einsteigen sollen und er wiederkommen würde. Mit 40 Minuten Verspätung ging es dann doch noch los.

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Wir reisen weiter Richtung Norden. Nächste Station ist Guadeloupe:

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Dieser Beitrag hat 3 Kommentare

  1. Wunderschön! Vielen Dank für die Eindrücke und dass ihr uns an eurer Reise teilhaben lasst. Weiterhin ‚Immer eine Handbreit Wasser unterm Kiel‘ – scheint ja wichtig zu sein, wenn man das so liest 🙂

  2. Super schöner Bericht. Bitte weiter so Liebe Birthe . Es ist fast so als wären wir live dabei .
    Gannz lieben Gruß von Kathryn und Frank .
    ( zur Zeit für 4 Wochen in Neuseeland )

  3. Hab schon sehsüchtig auf den Weihnachtsbericht in der Karibik gewartet. Sitze in den schneebedeckten Bergen in Graubünden und genieße die Sonne beim Schneeschuhlaufen. So kommt man hier ins Schwitzen!
    Bin immer wieder begeistert von deinen Berichten Und Fotos. Weihnachten mit der Familie grillen in der Karibik…. traumhaft.
    Weiterhin gute Reise.

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